Blick in das Vassil-Levski-Stadion in Sofia
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Der kurze Höhenflug von ZSKA Sofia

Der Armeesportclub ZSKA Sofia ist die erfolgreichste bulgarische Mannschaft. Ende der 1980er-Jahre war ZSKA auf seinem Höhepunkt. Die halbe Mannschaft bestand aus Spielern, die nur wenige Jahre später im Westen für Furore sorgten, allen voran Christo Stoitschkow.

Blick in das Vassil-Levski-Stadion in Sofia
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Der kurze Höhenflug des Armeesportclubs ZSKA Sofia fällt genau in jene Jahre, als die "goldene Generation" bulgarischer Fußballer aktiv war - Ende der 1980er bis Mitte der 1990er-Jahre. Die namhaftesten Spieler jener Generation waren damals beim Hauptstadtclub unter Vertrag: der Abwehrrecke Trifon Iwanow, der Mittelfeldspieler Jordan Letschkow, die Stürmer Emil Kostadinow, Ljuboslaw Penew und vor allem der beste bulgarische Fußballer aller Zeiten, der Flügelstürmer Christo Stoitschkow, der 1985 als 18-jähriger aus der bulgarischen Provinz zu ZSKA gekommen war.

In Bulgarien fast alles gewonnen

Der bulgarische Torjäger Hristo Stoitschkov in Erwartung des Spielbeginns am 09.06.1996 im Stadion an der Elland Road in Leeds.
Christo Stoitschkow (1995) Bildrechte: dpa

ZSKA gewinnt in den späten achtziger Jahren dreimal die bulgarische Meisterschaft und viermal den Pokal. Es ist die dominierende Mannschaft des Landes und Christo Stoitschkow der alle überragende Akteur: er wird nationaler Torschützenkönig, einmal der beste europäische Torjäger und zweimal zum bulgarischen "Fußballer des Jahres" gekürt. 1990 schafft es ZSKA bis ins Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger. Dort muss man sich nur äußerst knapp der Weltklassemannschaft des FC Barcelona geschlagen geben. Die Spanier werden bei diesen Begegnungen jedenfalls auf einen Spieler aufmerksam, den sie kaum zu bändigen wissen und den sie nur zu gern in ihren Reihen sähen: Christo Stoitschkow.

ZSKA verliert fast alle Spieler

Der bulgarische Stürmer Luboslav Penev (oben) fällt im Zweikampf um den Ball über die Beine des Luxemburger Spielers Frank Devil.
Ljuboslav Penev Bildrechte: dpa

Unter der Herrschaft der Bulgarischen Kommunistischen Partei war es Fußballern erst mit vollendetem 28. Lebensjahr gestattet, zu ausländischen Vereinen zu wechseln. Nach dem Sturz der Kommunisten 1989 war es mit dieser Einschränkung vorbei. Die Fußballer konnten gehen, wohin sie nur wollten. Und die Stars von ZSKA Sofia zogen umgehend los - angelockt von den besten europäischen Vereinen und Millionen-Gagen. Der FC Barcelona konnte sich tatsächlich die Dienste des von vielen Vereinen umworbenen Christo Stoitschkow sichern, Emil Kostadinow zog zunächst zum FC Porto, später zu Bayern München, Trifon Iwanow wechselte nach Sevilla, Jordan Letschkow zum Hamburger SV und Ljuboslaw Penew zum FC Valencia.

Bulgariens "goldene Generation" spielt sich in die Weltspitze

Der bulgarische Mittelfeldspieler Jordan Letschkov bejubelt ein spielentscheidende Tor. Aufnahme von 1994
Jordan Letschkow bejubelt sein Tor zum 2:1 gegen Deutschland Bildrechte: dpa

Im Sommer 1994, bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, sorgt die bulgarische Nationalelf für Furore - sie spielt sich unbekümmert in die Weltspitze. Im Viertelfinale gewinnen die Bulgaren durch die Tore der einstigen ZSKA-Spieler Christo Stoitschkow und Jordan Letschkow hochverdient gegen den Titelverteidiger Deutschland 2:1 und erreichen am Ende einen sensationellen vierten Platz. Der Stürmerstar des FC Barcelona, Christo Stoitschkow, wird als bester Torschütze des Turniers geehrt und am Ende des Jahres sogar zu "Europas Fußballer des Jahres 1994" gewählt.

International ohne Bedeutung

Dimitar Berbatow gibt Anweisungen
Dimitar Berbatow Bildrechte: dpa

Die Mannschaft von ZSKA musste nach dem Abschied der Stars gänzlich neu formiert werden. Der Verein holte in den folgenden Jahren dennoch etliche bulgarische Meisterschaften und Pokale - ganz einfach deshalb, weil die Konkurrenz im Land ebenfalls viele Spieler verloren hatten. Die Ausgangslage war also in etwa für alle gleich. International aber spielte ZSKA überhaupt keine Rolle mehr. Meist schied die Elf bereits in der ersten Runde der europäischen Clubwettbewerbe aus. Für Aufsehen sorgen lediglich noch die Fans von ZSKA, die "CSKA SS Front" - einige Hundert äußerst aggressive und rechtsradikale Hooligans.

Einmal, 1999, hatte ZSKA Sofia dann noch einmal ein großes Talent in seinen Reihen - den damals knapp 18-jährigen Dimitar Berbatow, der aus der Kleinstadt Blagoewgrad zum Armeesportclub in die Hauptstadt wechselte. Ein Jahr konnte ZSKA den Stümer halten, dann zog auch er in den Westen, zunächst zu Bayer Leverkusen, anschließend in die englische Premier League.

(SL)

Die Stars von ZSKA Sofia

Ende der 1980er-Jahre bestand gut die Hälfte der Mannschaft von ZSKA Sofia aus überragenden Spielern, die nach dem Zusammenbruch des Sozialismus im Westen Karriere machten.

Der bulgarische Fußball-Nationalspieler Christo Stoitschkow 1995
Christo Stoitschkow Christo Stoitschkow gilt als bester bulgarischer Fußballer aller Zeiten. Er war fünfmal bulgarischer "Fußballer des Jahres", 1990 bester europäischer Torjäger und wurde 1994 zu "Europas Fußballer des Jahres" gewählt. Zu seinem 50. Geburtstag 2016 ließ sein alter Verein ZSKA Sofia eine zwei Meter hohe Bronzeplastik im heimischen Wassil-Lewski-Stadion aufstellen. Sie zeigt Stoitschkow beim Jubel über sein Tor gegen Deutschland bei der WM 1994. (Foto: Christo Stoitschkow 1995) Bildrechte: dpa
Der bulgarische Fußball-Nationalspieler Christo Stoitschkow 1995
Christo Stoitschkow Christo Stoitschkow gilt als bester bulgarischer Fußballer aller Zeiten. Er war fünfmal bulgarischer "Fußballer des Jahres", 1990 bester europäischer Torjäger und wurde 1994 zu "Europas Fußballer des Jahres" gewählt. Zu seinem 50. Geburtstag 2016 ließ sein alter Verein ZSKA Sofia eine zwei Meter hohe Bronzeplastik im heimischen Wassil-Lewski-Stadion aufstellen. Sie zeigt Stoitschkow beim Jubel über sein Tor gegen Deutschland bei der WM 1994. (Foto: Christo Stoitschkow 1995) Bildrechte: dpa
Wieder scheitert Bayern Münchens Stürmer Emil Kostadinow (vorn l.) im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am 01.03.95 gegen IFK Göteborg am schwedischen Torhüter Thomas Ravelli (am Boden). Hinten l. beobachtet Mehmet Scholl (München) die Aktion.
Emil Kostadinow Emil Kostadinow bildete gemeinsam mit Christo Stoitschkow und Ljubomir Penew das Angriffstrio bei ZSKA. 1990 wechselte er zum FC Porto, später spielte er für den FC Bayern München. (Foto: Kostadinow im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League 1995 gegen den IFK Göteborg.) Bildrechte: dpa
Der bulgarische Stürmer Luboslav Penev (oben) fällt im Zweikampf um den Ball über die Beine des Luxemburger Spielers Frank Devil.
Ljuboslav Penev Der Stürmer Luboslav Penev, 1988 Bulgariens "Fußballer des Jahres", wechselte 1989 von ZSKA Sofia zum FC Valencia. Zum Abschluss seiner Karriere kehrte er 2000 für ein Jahr zu seinem alten Club nach Sofia zurück. Bildrechte: dpa
Stürmer Jürgen Klinsmann (r) und der bulgarischen Abwehrspieler Trifon Ivanov erwarten den Flankenball.
Trifon Iwanow Trifon Iwanow, der wegen seines finsteren Blickes den Beinamen "Bulgarischer Wolf" trug und als gnadenloser Abwehrspieler gefürchtet war, spielte von 1988 bis 1990 bei ZSKA Sofia. Danach wechselte er nach Sevilla, später zu SK Rapid Wien, wo er seine größten Erfolge feierte. 2016 starb Trifon Iwanow. (Foto: Trifon Iwanow und Jürgen Klinsmann beim WM-Spiel Bulgarien-Deutschland 1994.) Bildrechte: dpa
Der bulgarische Mittelfeldspieler Jordan Letschkov bejubelt ein spielentscheidende Tor. Aufnahme von 1994
Jordan Letschkow Jordan Letschkow, der 1990 von ZSKA Sofia zum Hamburger SV gewechselt war, erzielte bei der WM 1994 in den USA das entscheidende Tor zum 2:1 gegen Titelverteidiger Deutschland. Bildrechte: dpa
Dimitar Berbatow gibt Anweisungen
Dimitar Berbatow Der 1981 geborene Dimitar Berbatow spielte von 1999 bis 2001 für ZSKA Sofia. Danach wechselte er in die Bundesliga, zu Bayer Leverkusen. Später spielte er unter anderem für den AS Monaco, für Tottenham Hotspurs und Manchester United.
(SL)
(Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Sport im Osten", 12.09.2015, 14.00 Uhr)
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Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Sport im Osten" 12.09.2015 | 14.00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 12:30 Uhr