Spur der Ahnen Plauen
Bildrechte: Urheber Meinwerk Film GmbH

"Die Spur der Ahnen" Die Feuerkatastrophe von Plauen

Vor genau 100 Jahren reißt in Plauen ein Unglück mehr als 300 Menschen in den Tod. Am 19. Juli 1918 fliegt eine Kartuschier-Werkstatt in die Luft. Anna Sophie Naumann ist in Plauen aufgewachsen und will mehr wissen: Was ist damals passiert? Warum gab es so viele Opfer? Und: Waren auch Vorfahren von ihr selbst betroffen?

Spur der Ahnen Plauen
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Auf dem Plauener Friedhof erinnert eine Sammelgrabstelle an die Opfer des 19. Juli 1918. An diesem Tag wurden hier bei einer Feuerkatastrophe mit einem Schlag 301 Menschen in den Tod gerissen, hauptsächlich Frauen und Mädchen.

In der Kartuschier-Werkstatt, einem ehemaligen Glühlampenwerk der Firma AEG, war ein Feuer ausgebrochen und hatte sich rasend schnell ausgebreitet. 484 Frauen und Mädchen waren dort beschäftigt. Die Arbeiterinnen nähten und befüllten hier Kartuschesäckchen für Minenwerfer.

Schwarzweiß-Aufnahme einer jungen Frau
Das ist ein Foto aus einer AEG-Fabrik in Berlin. So ähnlich sah auch die Produktion in Plauen aus. Bildrechte: AEG Archiv Berlin

Hätten mehr Menschen gerettet werden können?

Von dem Unglück wissen nur noch wenige Menschen in Plauen. Auch Anna Sophie Naumann war es gänzlich unbekannt, bis sie vor ein paar Jahren von ihrer Mutter ein Buch über die Katastrophe bekam. Seitdem bewegen sie viele Fragen. Mit "Die Spur der Ahnen" macht sie sich nun auf die Suche nach Antworten.

Konnten sich so viele nicht retten, weil die Fenser vergittert waren? Warum berichtete die Lokalzeitung erst Tage später über das Unglück? Sie möchte aber auch wissen, ob es noch lebende Angehörige gibt, die sich an die Frauen und Mädchen erinnern, und wie man das Andenken an sie lebendig halten kann.

Die Firma AEG im Ersten Weltkrieg

Im Sommer 1918 herrschte immer noch Krieg. Viele Firmen, die zuvor zivile Produkte - wie zum Beispiel Glühlampen herstellten - produzierten nun für die Rüstung. Weil die Männer, Söhne und Väter an der Front waren, arbeiteten dort überwiegend Mädchen und Frauen. So auch für die AEG in Plauen am Zeppelinplatz.

Historische Postkarte von Plauen
Das Kartuschier-Werk der AEG in Plauen Bildrechte: Stadtarchiv Plauen

AEG-Experte Dr. Peter Strunk erklärt, was es mit dem Rüstungswerk der AEG in Plauen auf sich hatte.

Di 12.06.2018 15:43Uhr 04:17 min

https://www.mdr.de/ahnen/video-204880.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Besonders betroffen machen Anna die vielen jungen Opfer. Alle sind sie im Opferbuch der Stadt verzeichnet. 15 Jahre, 17, 14. Der Jüngste ist erst acht, der Sohn des Hausmeisters. Von einem jungen Mädchen findet sich sogar eine Fotografie: Anna Frieda Glück war 17, als sie in den Flammen starb. Leben in Plauen heute vielleicht noch Familienangehörige? Kann Anna sie finden?

Schwarzweiß-Aufnahme einer jungen Frau
Anna Frieda Glück war gerade 17, als sie starb. Bildrechte: Stadtarchiv Plauen

Ein spannendes Schulprojekt

Was die junge Frau auf jeden Fall findet, sind ein paar junge Menschen, die sich für Stadtgeschichte interessieren und die die Erinnerung an die Opfer wach halten wollen:

Spur der Ahnen Plauen
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Di 12.06.2018 15:44Uhr 05:13 min

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Nils, Emily und Charlotte, alle Schüler am Diesterweg-Gymnasium Plauen, haben sich ausführlich mit dem Unglück vom 19. Juli 1918 beschäftigt - mit Hilfe ihrer Geschichtslehrerin Kirsten Luban-Welsch und auf Anregung von Dagmar Groß von der Denkmalschutzbehörde der Stadt Plauen.

Die Stadt Plauen hat auch die Grabplatten säubern und das Mahnmal restaurieren lassen. Viele Bürger haben gespendet und einige bringen Blumen vorbei. Als lebendige Erinnerung auch 100 Jahre nach dem Unglück.

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MDR FERNSEHEN Mi, 13.06.2018 21:15 21:45

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Tod in den Flammen – Plauen 1918

Film von Heike Bittner

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel

Über dieses Thema berichtet der MDR in "Die Spur der Ahnen" im: TV | 13.06.2018 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 11:36 Uhr

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