Die Spur der Ahnen: Vaters Flucht vor der Nazis "Willst Du nach Palästina fahren?"

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In Leipzig lebten damals mehr als 3.300 sogenannte Ostjuden - Menschen mit polnischer Abstammung, die teils schon Jahrzehnte zuvor nach Sachsen gekommen waren. Zu ihnen gehörten die Zwicks. Auf sie hatten es die Nazis mit ihrer ersten großen Judendeportation, der sogenannten Polenaktion, abgesehen. Im Herbst 1938 ordneten sie die Ausweisung von 17.000 jüdischen Polen aus dem Deutschen Reich an. Eines Tages klopfte die Gestapo auch an der Tür der Zwicks. Und die Familie fand sich auf dem Leipziger Bahnhof ein - ohne den Vater. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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In Leipzig lebten damals mehr als 3.300 sogenannte Ostjuden - Menschen mit polnischer Abstammung, die teils schon Jahrzehnte zuvor nach Sachsen gekommen waren. Zu ihnen gehörten die Zwicks. Auf sie hatten es die Nazis mit ihrer ersten großen Judendeportation, der sogenannten Polenaktion, abgesehen. Im Herbst 1938 ordneten sie die Ausweisung von 17.000 jüdischen Polen aus dem Deutschen Reich an. Eines Tages klopfte die Gestapo auch an der Tür der Zwicks. Und die Familie fand sich auf dem Leipziger Bahnhof ein - ohne den Vater. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Auf internationalen Druck hin wurden die Abschiebungen nach zwei Tagen gestoppt. Zu spät für Akiba, der mit seiner Mutter und den Geschwistern bereits im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Polen festsaß. Eine Reaktion auf die "Polenaktion" war das Attentat auf den deutschen Botschaftsmitarbeiter Ernst vom Rath am 7. November 1938 durch Herschel Grynszpan, dessen Eltern von der Deportation betroffen waren. Von Rath verstarb am 9. November, was wiederum Anlass für die Novemberpogrome war.
Um der Abschiebungaktion zu entkommen, von der man zunächst annahm, dass sie nur erwachsene Männer beträfe, hatte sich Jakob Zwick versteckt gehalten. Auch danach blieb er in Leipzig, kümmerte sich um sein Pelzgeschäft. Nach der Reichspogromnacht vom 9. November durften Juden jedoch bald keine eigenen Unternehmungen mehr besitzen. Er musste seinen Laden aufgeben. Arisierung nannte man das (Dokument). Seine Frau Fanny sollte ihm bei der Geschäftsauflösung helfen und durfte zu diesem Zweck wieder nach Deutschland einreisen - gemeinsam mit ihren jüngsten Kindern. Helene - Akibas damals 18jährige Schwester aber blieb in Krakau zurück.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leni Zwick
Unterdessen war Helene, Akibas Schwester, in Polen von den Deutschen verhaftet worden. Bildrechte: Akiba Zwick
Fanny Zwick
In Leipzig tat die Mutter alles Menschenmögliche, um das Leben ihrer anderen Kinder zu schützen. Schießlich gelang es ihr, drei ihrer Sprösslinge auf einen der letzten Kindertransporte raus aus Nazi-Deutschland zu schicken. Bildrechte: Akiba Zwick
Akiba nach seiner Ankunft in Palästina
Mit zwei seiner Geschwister reiste er über Jugoslawien in den Nahen Osten. Das Foto zeigt Akiba nach seiner Ankunft in Palästina. Seine Mutter wiederum musste in Leipzig in ein "Judenhaus" umziehen. Bildrechte: Akiba Zwick
Akiba Zwick trägt sich ins Gästebuch der Jüdischen Gemeinde von Leipzig ein.
In der Jüdischen Gemeinde von Leipzig sucht Akiba Zwick nun nach den Unterlagen. Schließlich musste die Gemeindeverwaltung damals Namenslisten von denjenigen anfertigen, die deportiert werden sollten. Akiba Zwick weiß bereits, dass seine Mutter im Februar 1943 freiwilling ins Polizeihaftlager nach Dresden-Hellerberg ging, um sich in den Osten deportieren zu lassen! Denn sie wollte zu ihrer Tochter Helene, die von Berlin aus nach Auschwitz gebraacht wurde. Auf dem Weg nach Palästina hatte seine Schwester Blümel ein Brief der Mutter erreicht, in dem sie ankündigte, zu ihrer Tochter Helene zu gehen, sie nicht allein zu lassen: "Es wird dich bestimmt betrüeben, aber verstehen wirst Du mich, denn liebes Blümchen, gehe stets aufrecht und gerade deinen Weg." Fanny wurden am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort - wie ihre Tochter - ermordet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grab von Jakob Zwick
Auf dem jüdischen Friedhof in Leipzig nimmt Akibas Familie mit einem Kaddisch Abschied von den Eltern und Großeltern, von der Schwester und Tante.

(Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: Spur der Ahnen | 03.05.2017 | 21:15 Uhr)
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