Raubritter contra Kurfürst Der Prinzenraub zu Altenburg

Zugetragen hat sich das volkstümlichste Ereignis der sächsischen Geschichte in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 auf Schloss Altenburg, das heute zu Thüringen gehört. Ritter Kunz von Kaufungen wollte durch die Entführung der Prinzen deren Vater zwingen, ihm seine berechtigten Forderungen zu erfüllen. Doch die Sache misslang, und der Kurfürst von Sachsen griff durch.

Kunz von Kauffungen

Der Initiator des Prinzenraubs, Kunz von Kaufungen, wird meist als verwegener Ritter dargestellt, der vor kriegerischen Auseinandersetzungen und Straßenraub nicht zurückschreckte, um eigene Vorteile durchzusetzen. Als Friedrich der Sanftmütige, Kurfürst von Sachsen, 1446 Krieg gegen seinen Bruder Wilhelm führte, kämpfte von Kaufungen auf der Seite Friedrichs. Im Verlauf dieses Krieges wurde der Ritter bei Gera gefangen genommen und konnte sich nur mit Hilfe von 4.000 Goldgulden die Freiheit erkaufen. Er forderte das verlorene Geld von Friedrich zurück, aber dieser verweigerte ihm die Zahlung.

Von Kauffungen war ein tatkräftiger Mann und tüchtiger Krieger, der jedoch von zu großem Vertrauen auf die Hilfsmittel seines Geistes und auf sonstige Gaben des Glücks bis zur Verwegenheit erfüllt war.

Martin Oberndorfer, im 16. Jahrhundert Wittenberger Professor Zitiert in: "Der sächsische Prinzenraub" von Regina Röhner

Die Entführung der Prinzen

Kunz von Kaufungen fühlte sich benachteiligt und ungerecht behandelt. Er wollte Rache und schmiedete den Plan, die Söhne des Kurfürsten, den vierzehnjährigen Ernst und den elfjährigen Albrecht, aus dem Altenburger Schloss zu entführen, um seine Forderungen durchzusetzen. In der Nacht zum 8. Juli 1455, nach dem Abschicken eines Fehdebriefs, nutzte von Kaufungen die Gunst der Stunde: Von Hans Schwalbe, einem Küchenjungen Friedrichs, hatte er erfahren, dass dieser nach Leipzig reisen wolle. Der Raubritter und seine 30 Gefolgsleute näherten sich dem Schloss im Schutze der Nacht. Mit Hilfe des Küchenjungen drangen sie durch ein Fenster in das Schloss ein, packten die jungen Prinzen und entkamen durch den Schlosspark. Kunz von Kauffungen entfloh mit dem jüngeren Prinzen Albrecht in Richtung Böhmen, wurde aber kurz darauf von Bauern und Köhlern erkannt und überwältigt.

Kurzer Prozess

Unterdessen konnten seine Komplizen mit Prinz Ernst in Richtung Franken entkommen und versteckten sich in einer Felshöhle bei Hartenstein, der heutigen Prinzenhöhle. Als den Entführern Begnadigung zugesichert wurde, übergaben sie den Prinzen unversehrt an den Amtshauptmann von Hartenstein. Kunz von Kaufungen fand jedoch keine Gnade. Nach geltendem Recht war er straffällig geworden, da sein Fehdebrief erst einen Tag nach dem Prinzenraub in Friedrichs Hände gelangt sein soll. Der Ritter wurde nach Freiberg gebracht und dort auf Befehl des Kurfürsten zum Tode verurteilt. Am 14. Juli 1455 wurde er auf dem Freiberger Marktplatz mit dem Schwert hingerichtet. Die Legende besagt, dass der verräterische Küchenjunge lebendig im Altenburger Schloss eingemauert worden sei.

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2011, 15:27 Uhr