Galerie: Die Spur der Ahnen - Vom Vater erschossen "Man muss siegen oder untergehen"

Die Spur der Ahnen: Erschossen vom Vater, 2015
Ebenfalls 1936 soll Joachim Römer schon Aufsätze für die Zeitschrift "Volk und Rasse", herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene und dem Reichsführer SS Heinrich Himmler geschrieben haben. Nach dem Kriegsende und der Enteignung der Firma landeten die Dokumente in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Doch die Römers folgen dem Evakuierungsbefehl nicht. Aus Angst vor der Rache der Sieger? Aus Angst vor Strafe? Heinrich Knobloch, der Prokurist der Firma, berichtet später von einem seltsamen Telefonat, das er unmittelbar vor seiner Flucht noch mit Joachim Römer führte und das endete mit den Worten, jeder müsse ja selbst wissen, was er dem Vaterland noch opfern wolle. In der Nacht zum 22. April 1945 opfert er seine fünf Kinder, seine Frau und sich selbst, außerdem erschießt er seine Schwiegermutter und ein Hausmädchen. Bildrechte: Privatbesitz
Die Spur der Ahnen: Erschossen vom Vater, 2015
Ebenfalls 1936 soll Joachim Römer schon Aufsätze für die Zeitschrift "Volk und Rasse", herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene und dem Reichsführer SS Heinrich Himmler geschrieben haben. Nach dem Kriegsende und der Enteignung der Firma landeten die Dokumente in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Spur der Ahnen: Erschossen vom Vater, 2015
Doch im März 1945 wendet sich das Blatt: Im Osten überquert die Rote Armee die Oder, im Westen stehen die Amerikaner kurz vor der Elbe. Großenhain liegt zwischen den Fronten. NS-Propagandaminister Josef Goebbels mobilisiert die letzten Reserven, von den Gräueltaten der Roten Armee ist allerorten die Rede. In den östlichen Teilen Deutschlands kommt es vermehrt zu Selbstmorden. Der Lokalhistoriker Kai-Uwe Schwokowski hat erforscht, wie die Situation im April 1945 in Großenhain war. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Im Museum Alte Lateinschule zeigt er den Aufruf der NSDAP vom 21. April 1945, der besagt, dass sich Frauen und Kinder ab 20 Uhr in Marsch zu setzen hätten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Am Nachmittag des 22. April 1945 werden dann neun in Leintücher eingewickelte große und kleine Körper aus dem Haus geragen, auf einen Tafelwagen geladen und zum Friedhof gebracht. Eine Menschenmenge beobachtet das Geschehen. Auch Klaus Witschel, damals sechs Jahre alt, sieht zu. Er wohnt gegenüber und ist mit Joachim Römers Sohn Karl befreundet gewesen. Ein Schock, den er bis heute nicht verwunden hat. Gleichwohl zeigen die Leute damals Verständnis, wie sich Klaus Witschel erinnert: "Er war Rassenkundler, wie ich im Nachhinein erfahren habe, hatte eine nationalsozialistische Sicht, die unter die Haut ging. Das hat Verantwortung gebracht und die hat er eben umgesetzt." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Am Grabstein der Familie erinnert sich auch Rosemarie Zschoche, die mit einer der Römer-Töchter, Richarda, befreundet war: "Man muss die Situation von damals erlebt haben, diese Ausweglosigkeit." Sie ringt heute noch um Fassung und sagt den Reichls, sie hatte Angst, dass der Grabstein nach der Wende verschwinden könnte. Aus ihrer Sicht soll er "erinnern und mahnen, wohin totalitäre Ideologie und Fanatismus führt". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Nicht nur Joachim Römer brachte sich um, sein Selbstmord steht im April 1945 am Anfang einer ganzen Welle von Selbsttötungen in Großenhain. Noch am 8. Mai 1945 lässt sich Joachim Römers Schwester Gerda, die in Sachsdorf lebt, gemeinsam mit ihrem drei Monate alten Baby von ihrem Mann erschießen. Anders entscheidet sich seine zweite Schwester Renate. Ihr Sohn Lutz hat sich intensiv mit denm Akten der Familie beschäftigt und er hat seinen Onkel erlebt, etwa als jemanden, der seiner Familie einen ziemlich spartanischen Lebensstil aufzwang: "Die sollten nicht besser leben als die Arbeiter in der Fabrik." Und dann sollten sie gar nicht mehr leben. In einem seiner Briefe schreibt er: "Man muss siegen oder untergehen ... Nur die Kinder können einem dabei leidtun." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Herta Römer rettet sich und ihre Kinder nicht. In einem Brief an ihre Schwägerin Renate scheint sie wenige Tage vor der Tragödie noch hin- und hergerissen, schließt dann aber mit den Worten. Vielleiht könne man nochmal sprechen, wenn nicht, "so werden wir aufrecht sterben, ..., wenn es nur Schande, Schmach und Quälerei sein kann." Die Reise in die Vergangenheit ist noch nicht zu Ende: Renates Tochter Sabine liest ihrem Sohn Christoph und ihrer Enkelin aus dem erschütternden Dokument vor. "Wenn ich bedenke, dass diese fünf Kinder hätten leben können", sagt sie mit dem Wissen, dass ihre Mutter Renate den Römers angeboten hatte, sie aufzunehmen und sie durch die Nachkriegszeit zu bringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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"Unsere Mutter hatte die Kraft, sich für das Leben zu entscheiden. Dieser Entscheidung verdanken wir unser Leben jetzt, so wie wir hier stehen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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