Die Spur der Ahnen | 07.06.2017 | 21:15 Uhr Gefangen in der Eishölle Russlands

Nach dem Tod seines Vaters macht der Stendaler Peter Lott eine überraschende Entdeckung. Im Nachlass findet er handschriftliche Erinnerungen seines Großvaters aus dem 1. Weltkrieg und seiner Gefangenschaft in Russland. Detailliert beschreibt er die Jahre in den Gefangenenlagern, von Typhus, Skorbut, Schlägen, Hunger und harter Zwangsarbeit. Sein Enkel fragt sich: Kann es wirklich sein, dass der Großvater diese Hölle er- und überlebt hat? Sind seine Erinnerungen Wahn oder Wirklichkeit?

Peter Lott hat seinen Großvater nie kennengelernt, der nur 58 Jahre alt wurde. Der einfache Soldat war von 1915 bis 1918 in russischer Kriegsgefangenschaft und musste unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. In seinen erinnerungen schreibt er, wie er fast vier Jahre lang kreuz und quer durch Russland transportiert wurde, und in der Eishölle Kareliens Eisenbahnschienen verlegte und im Süden im Kohlebergwerk schuftete.

August Lott als Kriegsgefangener in Russland

Nicht alle Kriegsgefangenen überlebten die harten Lager- und Transportbedingungen. Unterernährung und mangelhafte Hygiene, aber auch Gewalt und Grausamkeiten der Aufseher taten ihr übriges. Für Peter Lott ist es rätselhaft, warum ausgerechnet sein Großvater diese Strapazen überlebte. War er wirklich ein Arbeitssklave der Russen? Oder hat er sich das ausgedacht und seine Geschichte dramatischer und interessanter gemacht, als sie eigentlich war? War er gar eine "Art Karl May" aus der Altmark?

Immer neue Fragen tauchen auf

Peter Lott will es genau wissen und schon die ersten Recherchen werfen neue Fragen auf: Nirgendwo sind Unterlagen über die Marschbewegung seiner Kompanie an der Ostfront zu finden. Geld, das August Lotts Ehefrau nach Russland geschickt haben soll, machen den Enkel stutzig. Angeblich hat er auch Rentiere geschlachtet und aus den Fellen Kleidung genäht. Können das wirklich die Erlebnisse seines Großvaters sein? Sind es überhaupt seine Erinnerungen, oder hat sie vielleicht sogar ein anderer verfasst?  

Feldpostkarten als Hinweisgeber

Mit Hilfe von Feldpostkarten rekonstruiert er den Weg seines Großvater in die russische Gefangenschaft. Er folgt seinen Spuren in den hohen Norden Russlands bis nach Kandalakscha, auf die Halbinsel Kola, wo sein Großvater angeblich mit die kriegswichtige Murmanbahn baute. Wird er dort Beweise für die Geschichten seines Großvaters finden? Peter Lott geht auf eine aufwühlende Spurensuche mit der Redaktion "Die Spur der Ahnen."

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2017, 09:27 Uhr

Stichwort Feldpostbriefe:

Der Weg der Feldpostbriefe

Im ersten Weltkrieg sind etwa 14 Millionen deutsche Männer an der Front. Briefe und Päckchen sind die einzige Möglichkeit, miteinander Kontakt zu halten.

Briefkasten - Feldpostkasten in einem Schützengraben an der russischen Front.
Erster Weltkrieg: Ein Feldpostkasten in einem Schützengraben an der russischen Front. Die Aufnahme ist undatiert. Der Briefkasten war das Verbindungsnetz der Soldaten nach Hause. Bildrechte: dpa
Briefkasten - Feldpostkasten in einem Schützengraben an der russischen Front.
Erster Weltkrieg: Ein Feldpostkasten in einem Schützengraben an der russischen Front. Die Aufnahme ist undatiert. Der Briefkasten war das Verbindungsnetz der Soldaten nach Hause. Bildrechte: dpa
Postverteilung im Schützengraben
Ein Brief, der im im Schützengraben verteilt wird, hat einen weiten Weg hinter sich: Im Postamt aufgegeben, ging es weiter in eine Feldpostsammelstelle. Hier wurden die Briefe gebündelt, zu Leitstellen der Armee gebracht, dann zu Feldpostanstalten im Reich per Eisenbahn. Bildrechte: dpa
Verladen von Feldpost von der Bahn auf einen Postkraftwagen während des 1. Weltkrieges.
Insgesamt wurden im ersten Weltkrieg etwa 28,5 Milliarden Sendungen zwischen Heimat und den verschiedenen Fronten verschickt: Ein Großteil davon waren Päckchen - per Post schickten die Familien Lebensmittel, Kleidung, Zeitungen, Bücher und Hygieneartikel. Bildrechte: dpa
Feldpostamt - K.u.k. Feldpost 311 des 16. Korpskommandos
Im August 1914 beschäftigte die deutsche Feldpost 2.300 Beamte, bei Kriegsende 8.100. Insgesamt arbeiteten Ende Juli 1918 fast 30.000 Personen für den kompletten Apparat der Feldpost. Im Bild das Feldpostamt - K.u.k. Feldpost 311 des 16. Korpskommandos. Bildrechte: dpa
Brieftransport mit Eseln - Feldposttransport für eine Kompagnie der deutschen Armee ist zur Abfahrt bereit
Von den Feldpostämtern und –stationen "reisten" die Briefsäcke mit motorisierten Fahrzeugen, meist aber Pferdewagen oder Hunde- und Eselskarren weiter. Bildrechte: dpa
Mannschaft des k u k Feldpostamtes 611
1. Weltkrieg: Auch Tauben wurden als nachrichtenüberbringer eingesetzt. Sie transportierten aber ekine Privatpost. Hier die Mannschaft des k. u. k. Feldpostamtes 611. Bildrechte: dpa
Deutsche Truppen - 1. Weltkrieg: "Westfront. Bei einem Feldpostamt. Verteilung der Feldpost an die Gruppenfuehrer".
Post von Zuhause im 1. Weltkrieg: Das Bild zeigt ein "Feldpostamt" an der Westfront in Frankreich. Die Feldpost wird gerade an die Gruppenführer verteilt. Bildrechte: dpa
Frauen packen Päckchen
Auch in Frankreich bedeutet Post für die Soldaten und Familien den einzigen Verbindungsweg. Hier zeigt eine Postkarte aus Frankreich von 1915/16 wie verwitwete Französinnen Päckchen mit Lebensmitteln für Kriegsgefangene in Angers packen. Bildrechte: dpa
Frz. Truppen kriegen Post
Nordost-Frankreich, in den Vogesen: Französische Soldaten bekommen Post im Schützengraben. Damit ihre Schuhe nicht in Morast und Schlamm versinken, sind in den Gräben lattenrostartige Holzbohlen verlegt. Bildrechte: dpa
Postverteilen
Auch im 2. Weltkrieg ist die Post das einzige Bindeglied zwischen Familie und Front: Hier Postankunft bei der Wehrmacht an der Ostfront. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1941. Bildrechte: dpa
Ostfront Brief verteilen – Feld
Frühjahr 1942: Postverteilung unter Wehrmachtssoldaten vor einem VW-Kübelwagen. Bildrechte: dpa
Habseligkeiten Verwundeter - Wenn keine Post mehr kommt – daheim gefürchtet, vom roten Kreuz gepackt
Post und Nachrichten, die Familien daheim füchten: Wenn Habseligkeiten von Gefallenen heimgeschickt werden - oder Briefe über den Tod eines Familienmitglieds informieren. Rotkreuz-Helfer sortieren hier solche Sachen und sorgen dafür, dass die Verwandten sie erhalten. Die Aufnahme wurde 1918 in Frankreich gemacht. Bildrechte: dpa
verlorene Briefe im Wald - säckeweise
Nicht alle Sendungen kamen bei ihren Empfängern an: Hier ein Bild aus einem Wald bei Düren in NRW, bei den Schlacht an der Rur 1944, bei einer Offensive der 9. US-Armee gegen die 5. Panzer-Armee, im November 1944. Man sieht US-Soldaten mit Weihnachtspäckchen. Rechts im Bild gestapelte Päckchen, die nicht mehr zustellbar sind, da die Adressaten gefallen sind. Bildrechte: dpa
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Feldpostbriefe Briefe schreiben - Lebenszeichen aus dem Kriegsalltag

Feldpostbriefe: Auf der einen Seite Lebenszeichen, auf der anderen Seite galt es, Aufenthaltsort und Zustand so zu verschlüsseln, dass ein falscher Empfänger nichts damit anfängen könnte.

Briefe schreiben
Für die Familie daheim bedeuteten Feldpostbriefe Gewissheit, dass der Ehemann, Vater oder Bruder noch lebten. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1915. Die Soldaten benutzen eine Wand als Schreibunterlage. Bildrechte: dpa
Briefe schreiben
Für die Familie daheim bedeuteten Feldpostbriefe Gewissheit, dass der Ehemann, Vater oder Bruder noch lebten. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1915. Die Soldaten benutzen eine Wand als Schreibunterlage. Bildrechte: dpa
Soldat schreibt Brief auf Mauer
Oktober 1914 in Frankreich, Romagne-sous-Montfaucon: Hier nutzt ein deutscher Soldat eine Marschpause, um auf einer Mauer am Wegesrand einen Brief in die Heimat zu schreiben. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, wieviele Soldaten auf den Feldern von Verdun sterben würden. Schon im August 1914 wurden mehrere Lazarette in Romagne eingerichtet - für die vielen Verwundeten bei den Schlachten um die Maas-Übergänge bei Henay und Sivri. Bis heute zeugen mehrere Soldatenfriedhöfe vom Gemetzel auf dem Land: Den Deutschen Friedhof legten die Soldaten noch selber an - im September 1914. - Bis heute ruhen dort 1.412 deutsche Soldaten in Einzelgräbern, 65 blieben wurden namenlos begraben. Auf der amerikanischen Kriegsgräberstätte in Romagne wurden allein 14.246 US-Soldaten bestattet, aus den Kriegsjahren 1917/18. Bildrechte: dpa
Mann in Schützengrabeneingang schreibt Brief
Egal, auf welcher Seite der Front man stand: Es wurde nach Hause geschrieben. Hier nutzt ein US-Soldat einen ruhigen Moment im Eingang seines bombensicheren Unterstands, um einen Brief zu schreiben. Die Aufnahme ist vom 7. März 1918. Bildrechte: dpa
Soldat schreibt liegend aufm Boden
Alle Soldaten schreiben Nachrichten nach Hause - hier 1941 ein Soldat an der Ostfront. Bildrechte: dpa
Pfarrer schreibt für Verwundete
1942 in einem Lazarett an der Ostfront: Divisionspfarrer Alois Beck schreibt Briefe für die Verwundeten, die selbst keinen Stift mehr in der Hand halten können. Beck war im Kessel von Stalingrad im Einsatz. Soldatenpfarrern wie Beck "gelang es, den Himmel in die Hölle von Leid und Verzweiflung zu holen", sagte Oberst i. R. Michael Haubl im Anschluss an eine Lesung aus Soldatenbriefen 2009 in Wien. Beck selber hielt nach dem Krieg viele Vorträge über die Schlacht von Stalingrad und bemühte sich, das Schicksal gefallener und vermisster Soldatne mit aufzuklären. Auch leitete er mehrere Pilgerfahrten nach Israel. Er starb 1996 mit 83 Jahren. Bildrechte: dpa
Junger Mann schreibt Brief
Auch Jahrzehnte später gehören Briefe zum Alltag der Soldaten: Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1961: Ein irischer Blauhelm-Soldat, im Einsatz einer UN-Friedensmission im Kongo stationiert, schreibt einen Brief nach Hause. Bildrechte: dpa
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