Das Altpapier am 2. August 2021 Niveaulimbo

Macht der Bundestagswahlkampf "das Land dümmer"? Sind die Sommerinterviews ein Symptom dafür, dass der hiesige Journalismus die Mittel der politischen Befragung nicht beherrscht? Was würden die Deutschen gern sagen, die meinen, man dürfe über das Dritte Reich nicht alles sagen? Ein Altpapier von René Martens.

Teasergrafik Altpapier vom 2. August 2021: Porträt Autor René Martens
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In Sachen Wahlkampfniveau

Für eine Medienkolumne sind Beiträge, denen man als Autor nur teilweise zustimmt, tendenziell etwas ergiebiger als solche, bei denen die Entscheidung, ob man den Daumen hebt oder senkt, leicht fällt. Zwei solcher "Ja, aber …"-Beiträge sind seit Freitag erschienen. In einem FAS-Kommentar etwa (75 Cent bei Blendle) kritisiert Reinhard Bingener das aktuelle Wahlkampfniveau.

Das liege an den "sozialen Medien", die sich zu "gewaltigen Ablenkungsmaschinen" entwickelten, aber, und das halte ich für wesentlich wichtiger:

"Die etablierten Akteure sind selbst gewichtiger Teil des Problems: Journalisten, die sich wie die Axt aufführen. Politiker und ihre Anhänger, die hemmungslos jedes schiefe Wort aus anderen Parteien skandalisieren. Ergebnis ist ein Bundestagswahlkampf, der das Land dümmer macht."

Warum ist das so?

"Das politische Pendant zum Trash-TV sind heute Videoschnipsel, an denen sich sogenannte Debatten aufhängen. Armin Laschet hat im Flutgebiet gelacht. Untragbar, dieser Mann, hieß es, der Hashtag dazu war #Laschetverhindern. Und hat Annalena Baerbock tatsächlich in einem Interview, von dem sonst kaum jemand etwas mitbekommen hätte, das N-Wort gesagt? Riesige Schlagzeilen, Tweet-Lawinen."

Was Baerbock angeht: Für den Wahlkampf mag die N-Wort-Angelegenheit weniger relevant sein. Andererseits: Die im Nachgang stattfindende Auseinandersetzung zwischen der "Im Kontext wird man das N-Wort wohl doch noch sagen"-Fraktion und ihren Kritikerinnen und Kritikern (die ich im Altpapier angerissen habe), hat aber ihre Berechtigung.

In Sachen lachender Laschet (Altpapier) bin ich vollkommen anderer Auffassung als Bingener. Laschet hat bei Steinmeiers Rede neulich ja nicht nur gelacht, er hat sich beömmelt. Jenseits des Politischen sind, falls ich hier mal kurz ins leicht Pastorale abkippen darf, für eine Wahlentscheidung nicht unmaßgebliche menschliche Defizite offenkundig geworden, die dank der Verbreitung von "Videoschnipseln" bei Twitter die verdiente Aufmerksamkeit erhalten haben.

Die Schema-F-Fragen in den Sommerinterviews

Aus anderen Gründen instruktiv ist ein Interview, das "Kompressor" (Deutschlandfunk Kultur) mit Mely Kiyak zum Thema Sommerinterviews geführt hat, und auch hier geht es ja zumindest am Rande um das Niveau des Wahlkampfs. Es sei, so Kiyak,

"kein Zufall, dass man da nichts Neues erfährt, das ist so gewollt. (…) Wir sollen gar nicht aufgewühlt werden durch eine tolle neue Idee, die der Politiker mitgebracht hat, weil er vielleicht drei sehr aufregende Bücher gelesen hat."

Von einem Schauspiel "mit einer sehr engen Dramaturgie" spricht Kiyak außerdem, und sie kritisiert generell, "dass wir diese Mittel der politischen Befragung nicht besser beherrschen". Kiyak knüpft mit ihrer Kritik zum Beispiel daran an, was vor rund einer Woche Jeremy Cliffe, Chef des Büros von The Economist in Berlin, und Thorsten Benner (Global Public Policy Institute) über Theo Kolls Sommerinterview mit Armin Laschet gesagt haben ("Weniger ein Interview als ein verfilmter Fragebogen") - und daran, was, um relativ weit zurück zu greifen in die Geschichte der Sommerinterviewkritik, Lutz Hachmeister schon 2017 gesagt hat ("langweiliges und antiquiertes Format", siehe Altpapier)

Die Forderung "Vor allem muss man diese saudummen Polittalkshows alle auf der Stelle abschaffen", die die Vorlage lieferte für die Überschrift der textlichen Zusammenfassung des Gesprächs (und für ein bisschen Resonanz auf dem Boulevard sorgte), spricht Kiyak übrigens nur en passant aus, erläutert wird sie nicht.

Irritierend finde ich vor allem einen von Kiyak indirekt an die TV-Interviewer gerichteten Wunsch:

"Ich würde gern wissen, was Armin Laschet tiefste innere Sehnsucht ist. Würde mich wahnsinnig interessieren."

Oh nein! Wenn mich jemand nach den fünf Dingen fragte, die mich am allerwenigsten interessieren, stünde das bei mir ganz oben.

Falls dann doch mal die Gefahr besteht, dass ein Sommerinterview Teile des Publikums "aufgewühlt" (Kiyak) haben könnte, liefert das ARD-Hauptstadtstudio schnell einen Beipackzettel nach. Zum gestrigen Sommerinterview mit Dietmar Bartsch kann man jedenfalls bei tagesschau.de Folgendes lesen:

"Am fröhlichsten wirkt Bartsch, wenn man ihn fragt, wie die Linkspartei all die Wahlkampf-Geschenke, die sie verspricht - zum Beispiel einen Mindestlohn von 13 Euro, deutlich mehr Urlaub für alle, einen kostenlosen Personennahverkehr - gegenfinanzieren will. Dann erklärt er seine neue schöne Welt, in der es deutlich unangenehmer werden soll für Milliardäre und Millionäre. Von denen will er nehmen, um vielen anderen zu geben. Da lässt er nicht gelten, dass dann auch etliche Unternehmen Deutschland verlassen könnten."

Mein Gott, dieser Bartsch, will er denn wirklich unseren armen Reichen ein paar Peanuts wegnehmen? Da muss natürlich die Ironie-Ikone Katja Palzer (eine MDR-Kollegin übrigens) mit Formulierungen wie "schöne neue Welt" versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

Laschet, die Jungen und die Alten

Dass Armin Laschet seine Teilnahme am geplanten Pro-Sieben-"Triell" mit Annalena Baerbock und Olaf Scholz abgesagt hat, war Thema in unserer Kolumne von Freitag. Seit deren Erscheinen haben noch weitere Kolleginnen und Kollegen kommentiert, dass Laschet "kneift" (Peter Fahrenholz, SZ vom Wochenende). Samira El Ouassil schreibt bei Übermedien (€):

"Laschets wichtigste und effektivste Technik (im Wahlkampf) (…) ist gewissermaßen der Bossmove der Äquivokationsvermeidung: Fragen gar nicht erst gestellt bekommen, indem man sich gar nicht erst in eine Interviewsituation begibt. Diesen Stunt hat Laschet nun bereits zum zweiten Mal während dieses Wahlkampfes ausgeführt, und dabei ist auffällig, dass es sich in beiden Fällen um Formate handelt, die auf ein Publikum ausgerichtet sind, das nicht gerade seiner Stammwählerschaft entspricht."

Das erste Mal war das bei einem anderen geplanten "Triell" der Fall, das Rezo und Tilo Jung moderieren sollten und bei dem auch die Wochenzeitung Die Zeit mit im Boot gewesen wäre (Altpapier). Es ging also beide Male um "Formate mit jungem Publikum", so El Ouassil. Weiter schreibt sie:

"Sowohl beim Interview mit Rezo und Jung als auch beim jungen Privatsender kann Laschet politisch nur verlieren. Und so ernüchternd das klingen mag: Er braucht die jungen Zuschauer*innen für seinen Wahlerfolg nicht."

Aus der Zielgruppe dieser Jüngeren meldet sich für Zeit Campus {€) Berit Dießelkämper zu Wort:

"Wenn junge Menschen und ihre Anliegen für Armin Laschet bereits im Wahlkampf so unwichtig sind, werden sie ihn als Kanzler nicht plötzlich interessieren. Und das ist tragisch, denn gerade sieht es so aus, als würde er gewinnen. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, die Union würde stärkste Kraft werden. Das würde auch bedeuten: weitere vier Jahre Politik der Alten für die Alten."

Es stimmt natürlich, dass "junge Menschen und ihre Anliegen" Laschet nicht interessieren. Alte Menschen und ihre Anliegen interessieren ihn aber auch nicht - auch wenn sich letztere Zielgruppe das möglicherweise gern einreden lässt. Hilfreich könnte in diesem Zusammenhang die Lektüre eines kürzlich erschienenen Jacobin-Artikels sein, den die Redaktion mit der Headline

"Generationenkrieg ist Klassenkampf für Dumme" und dem Vorspann "Es sind die Reichen, nicht die Alten, die uns die Zukunft stehlen" anteasert.

Der bereits erwähnte SZ-Redakteur Fahrenholz greift noch einen anderen Aspekt auf: Scholz und Baerbock

"mitten in der heißen Wahlkampfphase die Bühne allein zu überlassen, legt den Schluss nahe, dass in Laschets Umfeld ein gewisses Chaos herrscht. Man fragt sich, was eigentlich Laschets Medienberaterin Tanit Koch, die ehemalige Bild-Chefredakteurin, für ihr Geld so macht."

Ich frage mich eher, warum der Posten der Medienberaterin überhaupt besetzt wurde. Laschets wesentliches Problem ist vermutlich, dass er "seine bekannte cholerische Art immer noch nicht in den Griff bekommt" (@MdBdesGrauens anlässlich Laschets mehr oder weniger legendärer Redeperfomances im Landtag Anfang Juli). Auch Dießelkämper spricht im erwähnten Zeit-Campus-Text davon, dass Laschet in Talkshows "bisweilen cholerisch" auftrete. Aber gegen cholerisches Auftreten hilft keine Medienberatung.

Neues von der Meinungsfreiheit

Im Juni war es ein großer Reißer, dass bei einer Allensbach-Umfrage herauskam, dass 44 Prozent der Befragten die Frage "Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann, oder ist es besser, vorsichtig zu sein?" bejahten. "Fast jeder zweite Deutsche sieht die Meinungsfreiheit in Gefahr. Ein dramatischer Rekord, der uns zu denken geben sollte", schrieb dazu Horst von Buttlar, einer der Spitzendenker der Illustrierten Stern {€).

Stefan Niggemeier (Übermedien, €) schreibt nun:

"Weniger Aufmerksamkeit fand die Frage nach den konkreten Themen, die als ‚heikel‘ empfunden werden (…) Auf meine Nachfrage hat das Institut mir die Liste der Themen geschickt, die sie den Befragten gezeigt hat, um zu erfragen, bei welchen davon 'man sich leicht den Mund verbrennen kann'."

15 Themen sind es, eines davon lautet "Juden" und ein weiteres "Hitler, das Dritte Reich", und die diesbezüglichen Daten hebt Niggemeier hervor: 58 Prozent bejahen eine "Mundverbrennungsgefahr" beim Thema "Juden", 48 Prozent fühlen sich in Sachen "Hitler, das Dritte Reich" nicht meinungsfrei. Niggemeier weiter:

"Wenn man hohe Werte in diesen Umfragen als Zeichen für eine problematische gefühlte Einschränkung der Meinungsfreiheit interpretiert: Was bedeuten dann die Werte von 50 bis 60 Prozent bei diesen Themen? Was würden die Deutschen eigentlich gern über das Dritte Reich sagen? ‚Aber die Autobahnen’?"

Was Niggemeier zu Tage gefördert hat, ist auf den ersten Blick überraschend. Vergleicht man diese Zahlen aber mit denen der Leipziger Autoritarismusstudie 2020 (ich empfehle die Seiten 32 bis 43 des PDFs), und ich tue das hier mal, auch wenn mir die Unterschiede zwischen einer demoskopischen Umfrage und einer wissenschaftlichen Studie bewusst sind - dann ist die Überraschung nicht mehr ganz so groß.

Die Aussage "Ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen" kommt in besagter Studie auf eine "manifeste Zustimmung" von etwas mehr als acht Prozent und auf eine "latente" von 17,1 Prozent. Mindestens ebenso aufschlussreich: Nur 55,8 Prozent lehnen diese Aussage "völlig ab". Bei "Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß" liegt die "manifeste Zustimmung" bei etwas über zehn Prozent, und fast ein Viertel findet das mit Einschränkungen richtig. Und die Aussage "Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten" lehnen nur 56,5 Prozent völlig ab, 18,5 Prozent lehnen sie "überwiegend" ab, räumen ihr also zumindest eine Art Rest-Wahrheit ein.

Rechtsextremisten verletzen Journalistengewerkschafter

Es dürfte keine allzu steile These sein, dass es eine große Übereinstimmung gibt zwischen jenen, die Allensbach beim Thema Juden als sich nicht meinungsfrei Fühlende erfasst hat, und den Teilnehmenden an den verbotenen rechtsextremistischen Demozügen am Sonntag in Berlin.

Bei einem dieser Aufmärsche wurde Jörg Reichel, der örtliche Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalisten- und Journalistinnenunion (dju) in Verdi, von einem Block von Teilnehmern so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Das hatte zuerst der Tagesspiegel berichtet.

Reichel sei bereits "seit Monaten von Personen aus der Querdenken-Szene diffamiert und bedroht worden, sagte die Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di. Sein Name und Foto kursierten in einschlägigen Telegram-Kanälen", heißt es dazu in einer Gewerkschafts-Pressemitteilung. Eine Folge dieser Mobilmachung sei nun dieser "abscheuliche Angriff" (Paul Ziemiak)

"Etwas fassungslos" darüber, dass "Pressevertreter die meiste Zeit komplett auf sich allein gestellt waren", zeigt sich Julius Geiler, der für den Tagesspiegel über das Geschehen berichtete.

Daran, dass die Polizei Journalisten nicht schützt, hat man sich ja schon fast gewöhnt. Umgekehrt versuchen, und das scheint mir neu zu sein, wenigstens Pressevertreter Polizisten vor rechtsextremistischen Angreifern zu schützen. Davon berichtet ein Kollege, der unter dem Namen @demoticker twittert - wobei in diesem Fall er derjenige war, der eingegriffen hat. Auch der schon zitierte Julius Geiler geht darauf ein.

Im Sommer ist Katastrophensaison

Die 20-Uhr-Ausgabe der "Tagesschau" machte am Sonntag mit Tennis auf (okay, mit der Meldung, dass erstmals ein männlicher Deutscher olympisches Tennis-Gold gewonnen hat, aber das macht die Entscheidung nicht plausibler). Die Dramaturgie dieser Ausgabe der Hauptnachrichtensendung der ARD folgte wohl der Annahme, dass gerade nichts passiert auf der Welt. Diese Annahme ist Thema in Christian Stöckers aktueller Spiegel-Kolumne, die die Redaktion folgendermaßen anteasert:

"Seit mehr als 150 Jahren gehört die Vorstellung vom Sommer als journalistischer 'Sauregurkenzeit' zu den gesellschaftlichen Grundkonstanten. Das war schon immer kurzsichtig – heute ist der Gedanke schlicht absurd."

Angesichts von Überschwemmungen und anderen "internationalen Katastrophenmeldungen" (was das Thema Waldbrände in Europa und den USA angeht, verliere zumindest ich langsam den Überblick), schreibt Stöcker:

"Im Jahr 2021 wird mehr als je zuvor sichtbar, was das Sommerloch in Zukunft ablösen wird: Der Sommer auf der Nordhalbkugel ist jetzt immer auch Katastrophensaison. Klimanachrichten sind stets Nachrichten von globaler Relevanz (…)"

Stöcker erzählt "von einem Freund, der in den USA lebt", der "sich an die andauernde Gluthitze und den ständigen Brandgeruch in der Luft schon fast gewöhnt" habe, und er geht auch auf einen am Mittwoch im Wissenschaftsmagazin Bioscience erschienenen Artikel ein, in dem 14.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angesichts des "Klima-Notfalls" sofortige Maßnahmen fordern.

Den Bioscience-Artikel erwähne ich auch deshalb, weil er, von Ausnahmen wie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und den Klimareportern abgesehen, bisher eher wenig Widerhall fand - jedenfalls gemessen daran, wie viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich hier zu Wort melden. Und gemessen vor allem daran, dass es hier um das Thema geht, das für Journalistinnen und Journalisten eigentlich das Thema aller Themen sein sollte.

Altpapierkorb (auf Rechtsextremismus spezialisierter Journalist im Visier des Sächsischen Verfassungsschutzes, die unerwachsenen "Retter" der deutschen Sprache, weniger Medienvielfalt in Bayern)

+++ Im Herbst wirkte der Fotograf und Rechtsextremismus-Experte Tim Mönch an und in der viel besprochenen und viel gelobten Pro-Sieben-Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal." mit (siehe Altpapier). Dass der sächsische Verfassungsschutz Daten über Mönch sammelte - darüber berichtet nun Jessica Ramczik für die taz.

+++ "Wer wie ich in den 50er Jahren geboren wurde, für den gehörten all die N-,M-,Z-Worte zur normalen Alltagssprache (…) Wenn Sie mit all diesen Kürzeln nichts anfangen können, brauchen Sie gar nicht weiter zu lesen, denn all diese Worte sind absolut entbehrlich, die müssen Sie nicht noch im Nachhinein in Ihren Sprachschatz aufnehmen" - so beginnt ein Text von Heinrich Schmitz für diekolumnisten.de. Das Thema seiner Kolumne ist die Unerwachsenheit von "Menschen, die meinen, sie müssten die deutsche Sprache vor übertriebener Korrektheit retten". Schmitz schreibt: "Jedem Kind mit vernünftiger Erziehung wird beigebracht, dass es bestimmte Worte nie und nimmer in den Mund nehmen soll. Dann kommt die Phase, in der die Kinder die Grenzen austesten und gerade die Eltern genau mit der Verwendung dieser Worte provozieren. Und dann kommt irgendwann die Phase, in der sie erwachsen werden und von sich aus darauf achten, was sie so von sich geben. Und dann gibt es die, die nie reifen und sich auch als Erwachsene noch auf die Schenkel klopfen, wenn jemand die verbale Sau raus lässt."

+++ Dadurch, dass die Verlagsgruppe der Passauer Neuen Presse (PNP) die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg kauft, werde erstere nach eigenen Angaben "zu einem der auflagenstärksten Regionalzeitungs-Verlage in Bayern" - was, so sieht es Andreas Glas in der SZ, "noch untertrieben sein dürfte". Michael Busch, den Vorsitzenden des Bayerischen Journalisten-Verbandes, zitiert Glas unter anderem mit folgenden Worten: "Die Landkarte von Passau nach Ingolstadt, jetzt über Regensburg, ist PNP-Gebiet. Das hat natürlich mit Medienvielfalt nicht mehr viel zu tun." Und mit diesen: "Aus der Erfahrung (…) zeigt sich, dass bei solchen Käufen vor allem die Mitarbeiter leiden." Weniger Medienvielfalt und weniger Redakteursstellen in Bayern - dazu passt dann auch noch eine Meldung des Verdi-Magazins M - Menschen Machen Medien aus der vergangenen Woche, der zufolge der Verlag Nürnberger Presse (Nürnberger Nachrichten, Nürnberger Zeitung, nordbayern.de) seine Belegschaft bis Ende März 2022 um "mindestens 80 Vollzeitstellen" verkleinern will.

Neues Altpapier gibt es wieder am Dienstag.

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