Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 5. Februar 2018
Bildrechte: Collage MEDIEN360G/Panthermedia/Bild.de

Das Altpapier am 5. Februar 2018 Das Regiment der dicken Eier

Sind die Medien in ihrer Berichterstattung über den Fall Wedel mal wieder übers Ziel hinausgeschossen? Darf man Wedel dann verteidigen? Und welche Rolle spielen Hierarchien und Titel in der ganzen Sache? Bei der "Bild"-Zeitung sind sie der Grund für eine Neuordnung. Und dann wäre da noch Marietta Slomka, die daran zweifelt, ob das Publikum versteht, was sie in ihren Interviews macht. Ein Altpapier von Ralf Heimann.

Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 5. Februar 2018
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Vor allem bei Boulevard-Journalisten, um die "Bild"-Zeitung nicht gleich beim Namen zu nennen, kursiert seit jeher das Missverständnis, verurteilte, auch mutmaßliche und sogar vermeintliche Verbrecher hätten mit ihrer Tat gewisse Rechte verwirkt, zum Beispiel die an ihrer Persönlichkeit. Man muss gleich an den Fall Kachelmann denken, an dessen Ende ein Freispruch stand, was theoretisch auch im Fall Wedel immer noch passieren könnte. Inzwischen ermittelt zwar die Staatsanwaltschaft, aber wie die dpa am Wochenende berichtete (hier in der Frankfurter Rundschau), verläuft die Suche nach Akten und Beweisen bei den in Frage kommenden Sendern nicht so erfolgreich, wie man es sich wünschen würde, was unter anderem der Bürokratie zu verdanken ist.

"'Die Aufbewahrungsfristen sind längst alle verstrichen', sagte ein NDR-Sprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. 'Was überhaupt noch da ist, wird gecheckt.'"

Auch in Fällen, die so gut dokumentiert und belegbar sind (wer weiß, was in den Senderarchiven noch so alles gefunden wird), dass nicht nur Journalisten, sondern auch Richter zu dem Urteil gelangen, dass eine Verurteilung angebracht ist, könnte die Verjährung eine Rolle spielen, was Journalisten, die über den Verdacht berichten, nicht interessieren muss, aber an die Regeln halten müssen sie sich dann schon, und dass das derzeit auch tatsächlich geschieht, hat der Bundesrichter Thomas Fischer schon vor ein paar Tagen in einem Text für Meedia in Zweifel gezogen.

"Die mediale Abrechnung mit Wedel geht deutlich über das hinaus, was in einem Strafprozess von Belang wäre und der Beschuldigte sich dort gefallen lassen müsste. Seit Wochen beschäftigt man sich mit spekulativen Erörterungen über seinen Charakter, hält ihm vor, dass er eine künstliche Gesichtsbräune, eine ebensolche Dauerwelle, ein 'Bärtchen' sowie eine Neigung zu unangemessen jugendlich-virilem Auftreten habe, erwähnt im Zeit Magazin, es habe 'Plagiats-Vorwürfe' gegen ihn gegeben, und er habe einst eine (einverständliche) 'Ménage a trois’ geführt. Aus allen Ecken springen Kronzeugen hervor, denen Geschichten über Wedels Persönlichkeitsstörungen, Fehler, Peinlichkeiten und Unverschämtheiten einfallen."

In solchen Fällen wäre es natürlich schön, wenn es so etwas wie juristische Mathematik gäbe, die ohne größere Umwege zu eindeutiger Klarheit darüber führt, was noch im Rahmen ist – oder eine automatische Rechtsstaatlichkeitsprüfung im Textverarbeitungsprogramm, die alle kritischen Sätze mit roten Zickzack-Linien unterlegt. Gibt’s aber natürlich nicht, und deshalb passiert wie üblich das Übliche. Es wird auch gern mal übers Ziel hinausgeschossen, was Ulrich Tukur zu einem Interview mit dem Spiegel (für 75 Cent bei Blendle) bewogen hat, in dem er unter anderem sagt:

"Selbst wenn er sich dieser Taten schuldig gemacht hätte. Ich habe das Gefühl, es muss jetzt jemand kommen, der ihn auch mal beschützt. Deshalb spreche ich hier mit Ihnen. Er wurde als Monster bezeichnet. Er ist kein Monster, kein Mensch ist ein Monster."

Einen anderen Satz in diesem Zusammenhang darf man nicht unterschlagen, denn Tukur sagt auch:

"Ich habe Angst, in diesen Strudel von Hass und Aburteilung hineinzugeraten, und am Ende stehe ich als Verteidiger von Vergewaltigung da."

Und genau hier verläuft die Linie, auf der die Berichterstattung irgendwie balancieren muss. Kann man den Opfern gerecht werden, nichts unterschlagen und gleichzeitig dem mutmaßlichen Täter gegenüber gerecht bleiben – und weder direkt noch indirekt ein Urteil sprechen, obwohl man eigentlich denkt: Die Sache ist völlig klar?

Ich selbst bin mir beim Lesen des Tukur-Interviews nicht immer ganz sicher, ob er da nicht doch zu sehr zur einen Seite schwankt, er selbst aber offenbar auch nicht ("Vielleicht bin ich ein Volltrottel, der das falsch einschätzt."). Um die Frage zu beantworten, wie man mit einem Menschen wie Dieter Wedel medial umgeht, halte ich das Interview jedenfalls für sehr aufschlussreich. Auch der Essay von Alexander Gorkow in der SZ am Samstag beleuchtet eine ganz interessante Facette, die nicht nur im Film, sondern im gesamten Mediengeschäft möglicherweise nicht unbedeutend ist, wenn es um die andere Frage geht, warum Männer Frauen über Jahre so unbehelligt belästigen können, wie es in sehr vielen Fällen offenbar geschehen ist.

"Dem Ritual lächerlicher Männlichkeit näher kommt man schon, wenn man nur einen Blick in Portale wirft, die zum Beispiel monster.de heißen (und nicht geniale-monster.de).

Hier suchen auch im Jahr 2018 nicht Männer nach Männern, sondern Irre nach Irren, es geht darum, Supergestörte ins Zielfernrohr zu kriegen mit dem Dicke-Eier-Sprachsalat aus head und chief und officer und general of worldwide transformation auf der ongoing journey of leading, of discovery, of vibrant and expanding growth, und: 'Ausdauer? Ihr zweiter Vorname!' und 'Sie halten sich für einen Knüller? Her mit Ihnen!' (…)’"


Ein weinendes und ein lachendes Auge

Kommen wir aber nun zu einem ganz anderen Thema: Julian Reichelt. Der hat, wie am Freitag überall berichtet wurde, die Print-Chefredakteurin Tanit Koch aus dem Springer-Verlag geekelt, oder in anderen Worten: Man hat sich in großem Einvernehmen getrennt. Tanit Koch schrieb in einer Mail, sie gehe "mit einem Lächeln", wie Kress hier dokumentiert hat. Marvin Schade beschreibt den Abgang in seiner sehr ausführlichen Analyse für Meedia etwas anders:

"Chefredakteur Reichelt sagte nichts, sie weinte. Es gab eine Umarmung. 'Ein unwürdiges Ende’, kommentieren Konferenzteilnehmer."

Zum Hergang berichtet Schade:

"(…) in seinen (Reichelts, Anm. Altpapier) Augen, so war es immer vernehmlicher aus seinem Umfeld zu hören, war Kochs Position schlicht überflüssig. Und damit, so brutal das klingt, auch die Kollegin, mit der Reichelt vor Jahren fast zur selben Zeit als High Potential in die Redaktion von Bild eingetreten war. (…) Für Reichelt war in den vergangenen Monaten von 'Machtkampf' keine Rede mehr. Der endete für ihn mit dem Tag, an dem er zum Oberboss befördert worden war. Ohne große Diskussionen warf Reichelt das Blatt und die Mannschaft um, wie es ihm gefiel."

Damit sind nun bei der "Bild"-Zeitung vorerst die alten Strukturen wieder hergestellt. Das Regiment der dicken Eier geht weiter.

Michael Hanfeld hat das Wesentliche auf der FAZ-Medienseite zusammengefasst. Erwähnenswert vielleicht noch: Die New York Times berichtet und beschreibt die "Bild"-Zeitung wie folgt:

"Bild, which is known for its heavily populist bent, flashy headlines and pictures of scantily clad women, has an average daily print readership of 1.46 million."

Ulrike Simon hat etwas Verständnis für Reichelts Vorgehensweise. Sie kommentiert bei Horizont:

"Als Verantwortlicher für die Gesamtmarke konnte sich Reichelt daher gar nicht zurückhalten. Er musste in Kochs Arbeit eingreifen. Für die Redaktion war das nicht existente Verhältnis der beiden belastend. Betrat Reichelt den Raum, war Koch degradiert. Augenkontakt mieden sie, in wichtige Entscheidungen band Reichelt sie nicht ein. Insofern war es an der Zeit, dass der Vorstand Klarheit schafft."

Markus Ehrenberg und Joachim Huber schreiben für den Tagesspiegel:

"'Im Verlagshaus heißt es, nun müsse Julian Reichelt zeigen, ob er jetzt, wo er durchregieren kann, auch wirklich Chefredakteur kann. Einer nannte Reichelt gar die 'letzte Patrone im 'Bild'-Lauf'."

Die beiden haben sich möglicherweise auch schon das Wortspiel "Blindgänger" für den Fall von Reichelts Abgang auf einen Zettel geschrieben: Und ein schönes Detail noch: Hans-Peter Siebenhaar gelingt es, in seinem Text für das Handelsblatt, das Bemerkenswerte an Julian Reichelt mithilfe einer Anekdote zu erklären.

"Julian Reichelt ist frei von Selbstzweifeln. Auf dem Europäischen Mediengipfel im österreichischen Lech machte der Vorsitzende der 'Bild'-Chefredaktion aus seinem binären Weltbild keinen Hehl. Die Probleme Europas und seiner Nachbarn seien die Auswirkungen der ersten wirklich linken Regierung in den USA, sagte der 37-Jährige in Anspielung auf den früheren Präsidenten Barack Obama. 'Sehr dramatisch ist die tiefe Überzeugung, das Richtige getan zu haben. Politiker haben oft nicht das Gefühl, etwas fundamental falsch gemacht zu haben', sagte Reichelt auf der Konferenz im Schweizer Nobel-Skiort. Im Publikum ergänzte einer der Berufskollegen ironisch, Journalisten aber auch nicht."


Die missverstandene Rolle des Interviewers

Zum Abschluss noch kurz zu etwas Erfreulichem: Claudia Fromme hat für die SZ Marietta Slomka interviewt. Und wenn ich von allen Texten, die ich am Wochenende gelesen habe, einen empfehlen sollte, dann wäre das dieser hier. Unter anderem geht es um die oft missverstandene Rolle des Journalisten während eines Interviews.

"Es geht bei meiner Arbeit auch nicht um persönliche Sympathien oder darum, was ich als Privatperson meine. Ich setze bei Interviews grundsätzlich den Hut dessen auf, der kritisiert. Das ist auch für den Zuschauer interessanter als nettes Abfragen. Aber es macht einen nicht immer beliebt. Ein Zuschauer schrieb mir kürzlich: 'Warum haben Sie Herrn Lindner nicht zu seinem Mut gratuliert, dass er Jamaika abgebrochen hat?' Weil es nicht mein Job ist, einem Politiker auf die Schulter zu klopfen! Ich gehe in Interviews dahin, wo Reibung ist. Mir das zum Vorwurf zu machen, ist, als würde man zum Klempner sagen: Warum kommen Sie immer nur, wenn das Rohr verstopft ist?"

Dass dieser Gedanke in der Volontärsausbildung oft nicht ausreichend zur Geltung kommt, ist nach meinem Empfinden der Hauptgrund für das Scheitern von Interviews, vor allem in Lokalzeitungen, wobei es da allerdings besonders schwer ist, denn als Journalist muss man erst mal davon ausgehen, dass das Konzept in dieser Form beim Gegenüber ebenfalls nicht bekannt ist. Marietta Slomka vermutet das auch von ihren eigenen Zuschauern. Auf die Frage, ob alle Zuschauer verstehen, dass die von ihr vertretene Meinung gar nicht ihre eigene ist, sagt sie:

"Da bin ich mir manchmal nicht so sicher. Aber ich fürchte, damit muss ich leben."

Über diesen Gedanken gelangt man noch zu einer anderen Handlungsempfehlung, die ebenfalls in vielen Redaktionen an Pinnwänden hängen sollte. Hier geht es um die Frage, wie Marietta Slomka mit AfD-Politikern umgehe, die das ZDF abschaffen wollen.

"Nüchtern bleiben, es geht nicht darum, Persönliches auf dem Sender auszutragen. Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gibt es auch nicht nur bei der AfD. Wenn es in einem Interview nicht explizit um solche Fragen geht, ist das für mich auch kein Thema."

Und das wäre auch eine gute Antwort auf die Frage, wie Zeitungen mit öffentlich-rechtlichen Sendern umgehen sollen – auch wenn sie das Gefühl umtreibt, neben dem Internet seien vor alllem die für den Niedergang der privaten Papier-Branche verantwortlich.


Altpapierkorb (Zwei Wochen ohne WLAN, Der No-Billag-Countdown läuft, Allianz für Aufklärung, TV-Tipp für den Montag)

+++ Nachdem im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass Facebook die Gefühlslage von Nutzern präzise einschätzt, um die passende Werbung zu servieren, berichtet Futurezone nun von der nächsten Enthüllung: Danach teilt Facebook Nutzer in soziale Klassen ein, wahrscheinlich mit dem gleichen Ziel. Wenn es bei diesem Rhythmus bleibt, steht in sechs Monaten möglicherweise der nächst Coup an: Facebook denkt darüber nach, den Nutzern in Werbeanzeigen auch Produkte zu präsentieren, die sie nicht schon besitzen.

+++ Mitte Januar fiel beim ehemaligen BILDblog-Chef Lukas Heinser zu Hause das WLAN aus. Die gesamte zweiwöchige Offline-Odyssee hat er für Übermedien dokumentiert. Und einen Eindruck davon, was so etwas mit Menschen machen kann, bekommt man schon, nachdem man diesen Absatz gelesen hat: "Ich hole das gesunde Kind aus dem Kindergarten ab, und wir gehen zusammen in die Stadtbücherei und suchen uns neue Kinder-DVDs aus, weil wir langsam genug von extraterrestrischen Nagetieren haben. Und vielleicht liegt es daran, dass ich doch ganz langsam ein bisschen wahnsinnig werde, aber: 'Willi Wiberg' ist wirklich eine ganz tolle, liebevoll umgesetzte Kinderserie!"

+++ Daniel Bouhs erklärt auf WDR5, warum es denn Ländern wieder nicht gelungen ist, sich darüber einig zu werden, was ARD, ZDF und der Deutschlandfunk im Internet dürfen.

+++ In vier Wochen stimmen die Schweizer darüber ab, ob die Radio- und Fernsehgebühren abgeschafft werden (zuletzt am Freitag im Altpapier). Matthias Daums und Aline Wanners Reportage aus der aktuellen Ausgabe der Zeit ist nun frei verfügbar. In ihrem Text zeichnen sie nach, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

+++ Stephan Russ-Mohl sieht durch die Digitalisierung die Werte der Aufklärung bedroht. In einem Essay in der Neuen Zürcher Zeitung fordert er Journalisten und Wissenschaftler auf, gemeinsam für diese Werte zu kämpfen. "Eigentlich geht es um die perfekte Win-win-Situation: Journalisten könnten bei ihren Recherchen, sofern sie dafür überhaupt noch Zeit haben, die nahezu unerschöpflichen, wenn auch nicht immer leicht zugänglichen Quellen des Wissenschaftsbetriebs vermehrt nutzen. Sie bekämen Information, die meist verlässlich ist, und neuen Stoff für Storys. Wissenschafter hätten umgekehrt bereit zu sein, ihr Wissen mit Journalisten und der Öffentlichkeit zu teilen. Damit das geschieht, hätten sie auch vermehrt Redaktionen anzustupsen, die tagtäglich von allen anderen Seiten mit Medienmitteilungen geflutet werden. Käme es wenigstens punktuell zum Schulterschluss und liessen sich Netzwerke weiterentwickeln, in denen beide Seiten kooperieren, wären das Schritte in die richtige Richtung."

+++ Dass Youtube nun angekündigt hat, staatlich finanzierte Nachrichten in Zukunft so gut es geht zu kennzeichnen, ist nicht das Ergebnis einer Initiative privater Videoproduzenten, die ihre Existenz durch die staatlich subventionierten Produktionen bedroht sehen, sondern erklärt sich mit der Diskussion um Fake News. "Die Regelung könnte beispielsweise all jene Nachrichtenvideos betreffen, die der staatlich finanzierte russische Sender RT hochlädt. (…) Ebenfalls betroffen sind laut YouTube staatlich finanzierte US-Programm wie etwa Radio Free Asia. Möglicherweise gilt die Regelung auch für öffentlich-rechtlich organisierte Medien wie die britische BBC", schreibt Futurezone.

+++ Nachdem der Playboy ein Interview mit dem Fußballtrainer Ralf Rangnick nicht gedruckt hat, weil man sich über die Autorisierung nicht einig wurde (Altpapier am Freitag), hat Rangnik der dpa erklärt, woran es seiner Meinung nach lag: "Es habe bei der Story nicht um ihn als Sportdirektor gehen, sondern eine persönliche Geschichte werden sollen. Dies sei nach Ansicht Rangnicks aber nicht der Fall gewesen." Und wer schon wieder vergessen hat, worum es überhaupt ging, kann hier noch mal alles nachlesen. Timo Niemeier hat den Streit für DWDL zusammengefasst.

+++ Am Samstagabend endete zum großen Leidwesen einiger und zur großen Freude einer noch etwas größeren Gruppe mal wieder das Dschungelcamp. Und obwohl Welt-Redakteur Christian Meier und Meedia-Redakteur Stefan Winterbauer sich in ihrem Podcast normalerweise über die wichtigsten Themen der Wochen unterhalten, ging es an diesem Freitag überraschenderweise auch um das Dschungelcamp. Die beiden haben mit Spiegel-Online-Kakerlaken-Korrespondentin Anja Rützel gesprochen, und die sieht das Camp ein bisschen in der Krise (ab 23.48 min). Das ließe sich auch durch die Zuschauerzahlen belegen, die um ungefähr eine Million geschrumpft sind, wie Alexander Krei für DWDL berichtet, mit 5,5 Millionen aber im Vergleich zu anderen Formaten immer noch sensationell gut sind. Trotzdem wird der Sender im kommenden Jahr wohl etwas ändern, hat der bei RTL für das Format zuständige Markus Küttner Alexander Krei verraten. Was genau, sagt er noch nicht. Aber möglich wäre, dass man sich der Show in anderen Ländern orientiert. "Die englischen Kollegen ließen ausgewählte Bewohner jüngst dagegen zwischenzeitlich in echten Betten schlafen und stellten dafür einen abgeschottenen Schlafraum in den Dschungel", schreibt Alexander Krei. Und wenn man sich dann noch dazu entscheiden sollte, die Show in Zukunft in einem Container stattfinden zu lassen, könnte man sie zum Beispiel auch einfach "Big Brother" nennen.

+++ Nach dem Abgang von Tanit Koch bei Springer ist die ohnehin schon geringe Zahl der weiblichen Führungskräfte in deutschen Medienhäusern vorübergehend noch um eine weitere geschrumpft. Aber das wird an anderer Stelle gleich ausgeglichen. Die vor ein paar Monaten beim Preis "Journalisten des Jahres" als beste Reporterin ausgezeichnete Lara Fritzsche wird stellvertretende Chefredakteurin des SZ-Magazins. Nachzulesen unter anderem hier bei Meedia.

+++ Dennis Lichtenstein und Cordula Nitsch haben sich 126 Stunden lang Satire-Sendungen angesehen und ausgewertet. Anne Fromm hat für die taz mit ihnen darüber gesprochen. Unter anderem sagen sie: "Wenn der CSU-Politiker Markus Söder dem "heute-show"-Außenreporter Lutz van der Horst das Mikrofon wegnimmt, dann weiß er natürlich, dass das Publikum das lustig findet. Die Gefahr dabei ist, dass das den politischen Diskurs entleert: Wenn wir uns nur noch satirisch und slapstickartig mit Politik beschäftigen, dann ist für den aufgeklärten Diskurs nicht viel gewonnen."

+++ Klaus Meier erklärt in einem langen Aufsatz im Fachmagazin Journalistik, wie konstruktiver Journalismus wirkt. Ehrlicherweise muss ich sagen: Ich habe es nicht mehr geschafft, den Text zu lesen, wollte aber wenigstens drauf hinweisen.

+++ Und dann noch ein TV-Tipp für heute Abend: Volker Schlöndorff hat ein Buch des Schriftstellers Friedrich Ani verfilmt, der heute Abend als Montagskrimi gezeigt wird, aber möglicherweise doch mehr ist. Der Film sei "(…) eine Aneinanderreihung von Charakterstudien, von Situationen, von Klängen", schreibt Hans Hoff in seiner Kritik auf der SZ-Medienseite. Restlos begeistert ist er zwar nicht: "Manches ist dabei arg erwartbar geraten. Zuverlässig krächzend kündigen die Krähen den Überbringer der Todesnachricht an, verhalten begleitet die Nachtclub-Trompete den einsamen Kommissar beim Nachdenken, und die Glocken scheinen immer genau dann zu läuten, wenn die Hauptfigur durch die Straßen der Stadt streift." Aber spätestens Oliver Jungens Kritik auf der FAZ-Medienseite (für 75 Cent bei Blendle) macht dann doch Lust auf den Film: "So ist es Schlöndorff gelungen, dem Fernsehkrimi etwas von seiner alten Würde zurückzugeben, und das bezeichnenderweise nicht durch Innovation, sondern durch Rückbesinnung auf die stille Größe und edle Einfalt klassischer Tragik. Man kann nur hoffen, dass Schlöndorff weitermacht."

Neues Altpapier gibt es am Dienstag.