Das Altpapier am 22. Februar 2018 What the Quellenlage?!

Ein Fake, ein Schlitzohr vom Dienst und ein Mr. Ehrlichstes-Medium-Deutschlands bestimmen heute die Medienbubble. Dazu stellt sich die nicht ganz neue Frage: Wie journalistisch arbeitet eigentlich die Redaktion der Bild? Auf dem Aufmerksamkeits-Trittbrett surft mal wieder die AfD und die Finanzierung der Goldenen Kamera steht in der Kritik. Heute bleibt also alles beim Alten. Ein Altpapier von Nora Frerichmann.

Collage zur Medienkolmne Das Altpapier vom 22. Februar 2018
Bildrechte: Collage MEDIEN360G/

Nach der Kritik kommt nun die Blamage: Genau, wir steigen heute ein mit der Bild-Zeitung und deren Berichterstattung über die angeblichen Kontakte des zweitbesten Stinkefingerzeigers der SPD aka Kevin Kühnert zu einem russischen Onlinetroll namens Juri, von dem er sich angeblich Unterstützung für seine No-Groko-Kampagne holen wollte (Bild-Bericht von Freitag € und Montag). Denn der Bild-Redaktion wurden offenbar falsche Mails untergejubelt.

Zwar nicht "von einem Jugendlichen, der dank dreieinhalb Minuten Microsoft-Outlook-Gefummel 'Bild' mit einer plumpen Fälschung reingelegt hat", wie das Bild-Blog vermutet hatte, sondern von der Titanic in Person von Redakteur Moritz Hürtgen. Das Thema bestimmt heute jedenfalls eindeutig die Medien-berichten-über-Medien-Berichterstattung.

Was das Schlitzohr vom Dienst zu #miomiogate sagt…

Bleibt zu hoffen, dass das Satiremagazin nicht einen auf doppelte Verarschung, auf Fake-Fake á la Böhmermann (wir erinnern uns an #varoufake) macht. Das Schlitzohr vom Dienst, also Hürtgen, bestreitet das allerdings per Tweet ("Wir können alles lückenlos beweisen"). Wer genauere Details wolle, müsse sich allerdings bis zur übernächsten Titanic-Ausgabe gedulden (O-Ton, äh, Tweet Hürtgen: "TITANIC hat auch eine Printausgabe. Sorry, dass wir die ganze Geschichte nicht sofort gratis auf Twitter verbraten.").

Schenkt man der Titanic Glauben (auch das spricht dafür) reichten eine rote Wollmütze, eine schwarze Plastik-Brille für drei Euro und ein bisschen Copy+Paste, um Deutschlands Boulevardblatt Nr.1 in den Morast der nicht ausgeschöpften journalistischen Rechercheskills zu bugsieren. "Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und 'Bild' druckt alles, was ihnen in die Agenda paßt", heißt es dazu bei der Titanic.

Im Interview mit Oliver Georgi bei FAZ.net zeigt sich Hürtgen amüsiert über seinen gelungenen Coup, nicht aber über einen Verifikationswillen bei Bild:

"Die Sicherheitsschranken der 'Bild' scheinen lediglich gewesen zu sein, ob es die Person, die da angerufen hat, wirklich gibt, ob sie Deutsch spricht und ob er sagen kann, was in den Mails steht. Aber das konnten wir natürlich ziemlich gut. Mehr war nicht erforderlich. Immerhin musste bis zur Titelgeschichte auf Seite 1 aber ein paar Mal telefoniert werden."

Die Herkunft der Mails hatte Bild von einem Cyber-Security-Professor prüfen lassen. Seine Meinung: der Verfasser sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" jemand "mit Zugang zu Systemen der SPD". Allerdings hatte die Redaktion wohl nicht daran gedacht, einfach die Domain-Endungen zu checken. Nochmal Hürtgen:

"Wir kennen diesen angeblichen Cyber-Professor nicht, vielleicht ist er auch ein Satiriker. Man hätte aber sehr leicht sehen können, dass es sich zumindest um einen Fake handeln kann. Die 'Bild'-Zeitung hatte zu keinem Zeitpunkt Beweise, dass es sich um einen wirklichen Mailverkehr von Kühnert handelt. Und allein die Domainendung 'jusos.de' hätte alle Alarmglocken schrillen lassen müssen, weil die Jusos wie alle anderen in der SPD die Endung 'spd.de' verwenden."

…und wie Bild sich rauswinden will

Kritik an dem ursprünglichen Bild-Aufmacher von Freitag hatte es ja auch schon vor der Titanic-Enthüllung gegeben: dünne Beweislage, etc. Bild-Chef Julian Reichelt versuchte sich nun Deutschlandfunks Medienmagazin @mediasres gegenüber so herauszuwinden:

"Die Echtheit der uns anonym zugestellten E-Mails haben wir immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet".

Damit hat er schon Recht. Im Kleingedruckten, bzw. ganz am Ende des ersten Artikels am Freitag stand "für die Echtheit der E-Mails gibt es keinen Hinweis". Im gestern erschienenen Erklärstück zur Entstehung der Blamage von Reichelt heißt es außerdem, man habe die Informationen aus den (wie wir nun wissen gefaketen) Mails eigentlich nicht veröffentlichen wollen. Reichelt schreibt weiter:

"Dies änderte sich, als die Justiziarin der SPD Bild am Nachmittag telefonisch und schriftlich kontaktierte. Sie informierte die Redaktion, dass die SPD prüfe, in der Angelegenheit Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Dies tat die SPD später auch. Das Landeskriminalamt ermittelt wegen übler Nachrede und Verleumdung und hat Bild um die Überlassung der E-Mails gebeten. Am Donnerstag um 16.15 Uhr beschloss Bild deshalb, über die Strafanzeige der SPD und deren Anlass, die E-Mails, zu berichten. Erst im weiteren Verlauf des Nachmittags wurde das Thema zur Schlagzeile."

Und:

"Wir bedauern, dass wir nicht von Anfang an berichten konnten, dass mutmaßlich ein Satire-Magazin hinter den gefälschten Mails von Kevin Kühnert steckt."

Dass es das Thema trotz unsicherer Quellenlage aber gleich am Freitag auf die Titelseite schaffte (den Informanten traf die Redaktion zudem erst am Montag danach, vorher bestand der Kontakt laut Bild und Titanic nur telefonisch, per Mail und bei Twitter) wurde bisher nicht bedauert oder als Fehler eingeräumt (wobei Reichelt sich im Interview mit dem Tagesspiegel vor einem Jahr noch als Mr. Ehrlichstes-Medium-Deutschlands inszeniert hatte). Auf Anfrage des ARD-faktenfinder sah die Bild jedenfalls keinen Fehler im eigenen Vorgehen:

"So teilte Sprecher Christian Senft unter Verweis auf die eigene Berichterstattung mit, die Echtheit der anonym zugestellten E-Mails habe man stets deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet."

Auch nicht mit den Verrenkungen, die Reichelt bei Twitter macht:

"Natürlich darf Satire so etwas, aber sie versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht."

Wie journalistisch es tatsächlich ist, einen Verdacht mit so dünner Beweislage als Titelstory zu bringen, die Frage kann man sich aber durchaus auch stellen. Moritz Tschermak sieht das beim BildBlog, der schon früh einen Fake gerochen hatte (Freitag: "Da kommt also irgendein Hanswurst mit offensichtlich gefälschten Beweisen daher — und 'Bild' macht daraus eine Geschichte? Eine Titelgeschichte? Wie einfach ist es bitte, mit seiner Desinformation auf die 'Bild'-Titelseite zu gelangen?"), ähnlich. Er vollführt quasi einen verbalen Kniefall vor der Titanic-Redaktion:

"Die 'Titanic'-Redaktion hat mit dieser Aktion nicht versucht, 'journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren'. Sie hat es geschafft, das nicht-journalistische Arbeiten von 'Bild' zu verdeutlichen. Denn es bleibt (…) dabei: Die 'Schmutz-Kampagne' wurde erst in dem Moment zur 'Schmutz-Kampagne', als die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands aus der ganzen Sache eine große Titelgeschichte gemacht hat. Die 'Schmutz-Kampagne' ist bei 'Bild' entstanden. Vorher war es lediglich ein Spinner (beziehungsweise 'Titanic'-Redakteur Moritz Hürtgen) mit offensichtlich gefälschten E-Mails, für den sich niemand interessiert hätte."

Und:

"Die 'Titanic'-Aktion zeigt, dass man bei Julian Reichelt, Filipp Piatov und der gesamten 'Bild'-Redaktion sehr gute Chancen hat, mit Desinformationen ins Blatt zu gelangen, wenn man nur die richtigen Knöpfe drückt. Im aktuellen Fall hat die 'Titanic'-Redaktion sehr geschickt eine Mischung aus SPD (bei 'Bild' nicht sehr beliebt) und dem bösen Russen (bei 'Bild' nicht sehr beliebt) gewählt."

War das denn auch die Absicht der Satirezeitschrift? Die Satiriker gaben dazu natürlich ein satirisches Statement:

"Wir wollten überprüfen, ob für uns eine strategische Medienpartnerschaft mit 'Bild' möglich ist. Ist sie", sagte Titanic-Chef Tim Wolff dem Stern.

Auf dem Trittbrett der Yücel-Aufmerksamkeit

Nochmal ein Blick Richtung Türkei, nun, nachdem die größte Berichterstattungswelle (hier und hier auch im Altpapier) über die Freilassung Deniz Yücels etwas abgeebbt ist. In seinem "Brief aus Istanbul" fragt Bülent Mumay heute im FAZ-Feuilleton (für 45 Cent bei Blendle), ob Außenminister Sigmar Gabriel die in der Türkei weiter in Haft sitzenden Journalisten, Wissenschaftler und politischen Gefangenen "veralbern" wolle:

"Im Mai 2017 sagten Sie: 'Die Türkei entfernt sich Schritt für Schritt von demokratischen Standards und rechtsstaatlichen Prinzipien.' Doch nach Deniz’ Freilassung fiel Ihnen plötzlich ein, welch großartiger Rechtsstaat die Türkei sei, die türkische Regierung habe stets Wert darauf gelegt, die Justiz nicht politisch zu beeinflussen. Wollen Sie tatsächlich die Freilassung von Deniz, der ohne jede rechtliche Grundlage, nur um als Trumpf bei Verhandlungen benutzt werden zu können, verhaftet worden war, mit der Unabhängigkeit der türkischen Justiz erklären? Ist das Ihr Ernst? Bitte verhöhnen Sie nicht meine mehr als 150 inhaftierten Kollegen und Zigtausende Menschen, deren Leben aufgrund von Urteilen der unter Regierungsbefehl stehenden Justiz aus der Bahn geworfen wurde."

In einem Zapp-Beitrag rief Christian Mihr, Chef der Reporter ohne Grenzen, dazu auf, die Pressefreiheit in der Türkei nicht aufzugeben:

"Alle Journalistinnen und Journalisten, die ich in der Türkei kenne, bitten immer wieder: 'Bitte erklärt die Pressefreiheit nicht für tot! Wir versuchen hier, Pressefreiheit tagtäglich zu leben'".

Auch Katharina Willinger, ARD-Korrespondentin in Istanbul, sieht das ähnlich:

"Der Kollege hat ein Stück weit recht, wenn er sagt, dass es die Pressefreiheit in der Türkei noch gibt. Auch wenn das zynisch klingen mag, weil hier über 150 Kollegen in Haft sitzen: Ich bin hier und kann meine Arbeit machen. Und es gibt auch immer noch türkische regierungskritische Zeitungen und Radiosender, die ihre Arbeit machen. Davon zu sprechen, dass die Freiheit in der Türkei komplett tot ist, halte ich deswegen für überspitzt formuliert."

Und bei dem Thema riecht natürlich auch die AfD wieder eine Chance, für Wirbel zu sorgen und ihre Grenzen durch Provokation wieder etwas weiter auszudehnen. Die Partei fordert nun (nach allerlei Social-Media-Angriffen auf Yücel) laut dwdl-Meldung von der Bundesregierung, einen satirischen Text Yücels (genau, es geht um Äußerungen wie "Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite") öffentlich zu missbilligen. Medienmenschen – und natürlich auch andere Menschen mit Satirekompetenz und Sinn für Pressefreiheit – sind darüber not so amused. In der Welt  schreibt z.B. Sascha Lehnartz:

"Dabei beweisen die kontextfrei herumgeschleuderten Zitate eigentlich nur eins. Entweder, die Lesekompetenz bei der AfD ist bedenklich gering. Oder die Partei hat gerade nichts Besseres zu tun, als auf dem Trittbrett der medialen Aufmerksamkeit für die Freilassung Deniz Yücels eine niederträchtige Kampagne gegen bestens integrierte Deutschtürken mit doppelter Staatsbürgerschaft zu fahren."

In einer epd-medien-Meldung (leider aktuell nicht online) wird der DJV-zitiert:

"Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warf der AfD-Fraktion vor, das Parlament für Medienhetze zu missbrauchen. Es sei 'geradezu absurd, dass die AfD den Bundestag als Bühne für ihr gestörtes Verhältnis zur Presse- und Meinungsfreiheit benutzen will', kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall."

Etwas Positives oder zumindest Amüsantes lässt sich an dem Zirkus aber doch noch finden. (Wenn Sie sehr häufig Aufrege-Reflexe über die AfD verspüren: das hilft.) Nochmal Welt-Zitat:

"Ein gewisser Besinnungsprozess scheint unterdessen bei Frau Weidel stattgefunden zu haben, denn der Antrag verzichtet darauf, die ehrabschneidende Behauptung zu wiederholen, Yücel sei weder Deutscher noch Journalist."

Goldene Tourismustaxe

Auf einen Besinnungsprozess warten auch Kritiker der Goldenen Kamera in diesem Jahr. Die goldenen Nupsis werden ja heute Abend wieder verliehen. Anh Tran kritisiert die Gala bei Übermedien.de (€), als staatlich unterstütztes "Werbe-Event" für den Funke Verlag, denn:

"Für den Deutschen Fernsehpreis gibt es schon seit einigen Jahren keinen Sendeplatz mehr im Programm. Die mehrstündige Funke-Veranstaltung hingegen wird wieder live im ZDF übertragen, unterstützt von zahlreichen Sponsoren wie BMW oder TUI Cruise – und der Hansestadt Hamburg. Die Hamburger Bürgerschaft unterstützt das Event – wie schon in den vergangenen drei Jahren – mit 150.000 Euro. Das Geld stammt aus den Einnahmen der Kultur- und Tourismustaxe, die in Hamburg seit 2013 erhoben wird."

Dass diese öffentlichen Gelder für solche Veranstaltungen ausgegeben werden, stehe schon seit Jahren in der Kritik. Ursprünglich wurde nämlich mal versprochen, dass die Mittel aus der Taxe "zu 100 Prozent in touristische, kulturelle und sportliche Projekte" investiert werden sollen.

Aber vielleicht ist es sogar besser, dass das Ganze nicht öffentlich für Sportlerinnen, Rentner und Touristinnen zugänglich ist. Vergangenes Jahr gab es nach der Gala eher unschmeichelhafte Reaktionen wie "peinlich" (Augsburger Allgemeine), "Fremdscham-Alarm" (Meedia.de), "Schauder-Gala" (Spiegel).

Altpapierkorb (Reichelt-Kurs bei Bild, Staubsauger-Innovationskraft für ProSiebenSat.1, #IchBinHier)

+++ Im Spektrum zwischen "Wutbürger-Organ und Boulevard-Groteske": Wo findet man aktuell die Bild?, fragt sich Stefan Winterbauer bei Meedia.de. "Unter dem neuen Allein-Chef Julian Reichelt befindet sich Springers Boulevardzeitung auf einem Kurs, der ungut an vergangene Zeiten erinnert", schreibt er. Und stellt fest: "Bei der publizistischen Linie der Reichelt-Bild lassen sich grob zwei große Tendenzen feststellen: 1. Die Bild wird aggressiver und rechter. 2. Die Bild wendet zunehmend Methoden der Yellow-Press an, indem sie Fakten hier und da nach gusto zurechtbiegt, um Aufmerksamkeit zu binden." 2. War doch immer schon Bilds Kernstrategie, oder irre ich mich?

+++ Die Presse-Grossisten und die Verlagsallianz aus Burda, Bauer, Springer & Co haben sich nach langem Ziehen und Zerren nun doch auf neue Konditionen einigen können, berichtet Horizont. "Die neuen Handelsverträge dürften gravierende Folgen haben, vor allem für die derzeit noch fast 50 Grossisten (vor zehn Jahren waren es 100, vor fünf Jahren 70) – ihre Anzahl dürfte durch Fusionen weiter sinken. Denn mit den verringerten Margen werden nur die effizientesten und modernsten größeren Betriebe wirtschaften und investieren können", schreibt dazu Roland Pimpl.

+++ Saugt bzw. berichtet man künftig ProSiebenSat.1 ohne Filter? Höhö, der muss heute einfach gemacht werden, denn die Mediengruppe holt ab Juni laut Tagesspiegel Max Conze von Dyson an seine Spitze (hier auch die offizielle PM von P7S1), nachdem Thomas Ebeling nun ausscheidet (der, wir erinnern uns, seine Zuschauer als "ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm" bezeichnete). Wenn ProSiebenSat.1 damit die Medienbranche revolutioniert wie Dyson den Staubsaugermarkt, gibt es entgegen vieler Prognosen vielleicht doch bald kein lineares Fernsehen mehr. Kurt Sagatz schreibt zu der Personalie: "Die Ernennung des 48-jährigen Conze als neuen ProSiebenSat-1-Chef kann durchaus als Richtungsentscheidung gewertet werden. Dyson gilt als Hersteller von technologisch hochentwickelten Staubsaugern und Ventilatoren als äußerst innovatives Unternehmen."

+++ Und noch ne Personalie. War ja eigentlich schon klar, hier aber nochmal offiziell: WDR-Intendant Tom Buhrow stellt sich zur Wiederwahl. Am 23.3. wird entschieden. Mehr dazu gibt‘s z.B. bei digitalfernsehen.de.

+++ Auf der FAZ-Medienseite (oder bei Blendle für 45 Cent) hat Axel Weidemann nochmal einiges zum Patente-Klüngel beim Institut für Rundfunktechnik (IRT) aufgeschrieben.

+++ Was macht eigentlich Hannes Ley mit den Erfahrungen aus dem Social-Media-Löschtrupp #ichbinhier? Im Tagesspiegel-Interview mit Sophie Krause sagt der Gruppengründer: "Wir gehen auf die Redaktionen zu und sagen ihnen, dass alles organisiert ist, was in den Kommentarspalten abläuft. Viele sehr aktive User gehören teilweise rechtsextremen Gruppen an und planen gezielt Shitstorms. Sie haben sogar Anleitungen, wie man dabei vorgehen muss. Wir beobachten immer wieder dieselben User, die in den Kommentarspalten auftauchen. Wir wissen aber nur bedingt, wo sie sich organisieren."

+++ Kaum jemand kennt die AGBs von Facebook wirklich, ergibt eine Studie. Wundert’s irgendwen? Eike Kühl stellt bei Zeit Online noch mehr Fragen, z.B.: Sind Nutzer selber schuld? Oder brauchen wir mehr Regulierung?

+++ Twitter will Bots und Spammer stärker einschränken. Aggressive automatisierte Aktionen und die automatisierte Nutzung mehrerer Accounts werden laut eines Blogeintrags bei Twitter verboten.

+++ Marlen Hobrack schreibt bei Zeit Online über eine fehlende mediale Darstellung von Sexualität bei Mädchen: "Während es für die sexuellen Bedürfnisse der Jungen selbst in der Phase der Frühadoleszenz Bilder gibt – vom 'feuchten Traum' bis zur ungewollten, dem Jungen höchst peinlichen Erektion – gibt es Vergleichbares für Mädchen nicht. Keine Filmszene etwa, in der ein Mädchen vom ersten Feuchtwerden, von einem unwillkürlich erfolgten Orgasmus gar, überrascht wird." Sie sieht dabei auch einen Zusammenhang zur Empörung über die Kika-Doku "Diaa, Malwina und die Liebe": "Was im Falle der KiKA-Doku so sehr empörte, ist vor allem das Ergebnis einer in unserer Kultur hartnäckig ausgeblendeten Erkenntnis: dass auch Mädchen sexuelle Wesen sind, dass auch Mädchen geil werden. Natürlich ist das ein heikles, ein zu oft ins Schlüpfrige gewendetes Thema. Aber es deswegen zu ignorieren, gar zu tabuisieren, hilft nicht weiter."

+++ Wie #metoo in Japan und Südkorea so aussieht schreibt Christoph Neidhart im Außenpolitik-Teil der Süddeutschen.

+++ Zum Schluss noch die TV-Kritiken: Bei Zeit Online gibt’s ein Interview mit dem Neu-Serienmacher Christian Schwochow (Der Turm, Die Täter – Heute ist nicht aller Tage). Mit seiner neuen Serie "Bad Banks" wollte er "verstehen, wer die Akteure dieser Welt sind". Die Serie sei nicht so schwarz-weiß, wie der Titel vermuten lässt. "Mein Ansatz als Filmemacher ist, zu versuchen, meine eigenen Bilder im Kopf aufzubrechen. Ich wollte also definitiv keine Serie machen, in der wir sechs Stunden lang nur über Schweine und Verbrecher erzählen. (…) Wir versuchen vielmehr, die Ambivalenzen, die Abgründe, aber auch die Faszination dieser Welt zu fassen." Das Ganze gibt’s ab heute in der ZDF-Mediathek und am 1. und 2.3. im TV (arte).  

Über Ihren Senf zu unserer Kolumne freuen wir uns in den Kommentaren. Neues Altpapier gibt’s wieder am Freitag.

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1 Kommentar

22.02.2018 12:33 Radiokritik 1

Hier gibt es noch ein schönes Interview von Moritz Hürtgen @medias res: "Hand auf's Herz, haben sie Julian Reichelt in die Bild-Chefredaktion geschleust?"
http://www.deutschlandfunk.de/titanic-bild-und-miomiogate-die-bild-ist-ein-hervorragendes.2907.de.html?dram:article_id=411320