Collage zur Medienkollumne Das Altpapier vom 23. März 2018: Das Altpapier sagt ja zu #DeleteFacebook und kündigt seinen Account. Anderen Medienmenschen fällt das schwerer – 15 Jahre und zu jung für Facebook müsste man halt sein.
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Das Altpapier am 23. März 2018 Einer muss es ja machen

Das Altpapier sagt ja zu #DeleteFacebook und kündigt seinen Account. Anderen Medienmenschen fällt das schwerer – 15 Jahre und zu jung für Facebook müsste man halt sein. Doch zum Glück nimmt sich die Politik der Datenschutz- und sonstigen Probleme nun an, und wenn der Koalitionsvertrag sagt, Algorithmen sind offenzulegen, dann wird das schon so kommen. Oder? Außerdem: Ups, sorry für die Ming-Vase. Der lange Abschied des Günter Bannas. Ein Altpapier von Juliane Wiedemeier.

Collage zur Medienkollumne Das Altpapier vom 23. März 2018: Das Altpapier sagt ja zu #DeleteFacebook und kündigt seinen Account. Anderen Medienmenschen fällt das schwerer – 15 Jahre und zu jung für Facebook müsste man halt sein.
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Kriege, Krankheiten, Nagelpilz. Es gibt so Dinge, denen ist man als Einzelmensch ziemlich ausgeliefert. Überraschung! Eine Mitgliedschaft bei Facebook gehört nicht dazu. Man muss da nicht mitmachen, nicht einmal als Medium, und daher haben wir als Altpapier-Autoren entschieden, unseren Account dort dicht zu machen. Wir haben lange genug vom unsozialen, "sozialen" und sogenannten sozialen Netzwerk geschrieben, um diese Einschätzung dann über jenes zu verbreiten. Jetzt reicht’s.

Der Grund sind nicht die Nachrichten vom Wochenanfang, sie gaben uns nur den finalen Schubs. Der Laden ist unsympathisch, intransparent und unberechenbar, saugt Daten wie Staub und bläst sie weiter wie Laub, scheut Verantwortung so sehr wie Steuern und überhaupt: Zuckerbergs Mark und Konsorten scheint so ziemlich alles egal, außer natürlich fette Werbeetats.

(Wow, fast einer dieser Raps, den diese jungen Leute heutzutage an den Start bringen. Sagt man das noch, oder war das nur der Name einer Studi-VZ-Gruppe?)

Wann tritt das in Kraft? Nicht ganz unverzüglich, denn wir möchten allen Facebook-Freunden noch die Gelegenheit geben, über unseren sympathischen, öffentlich-rechtlich korrekten Newsletter oder den RSS-Feed in Kontakt zu bleiben. Montagfrüh ziehen wir aber final den Stecker. Falls man uns lässt. Man hört da ja die absurdesten Sachen.

Wir sehen uns auf der anderen Seite (also dieser). Denn Themen wie Datenschutz, Hate Speech, Fake News oder die Folgen der sich wandelnden Kommunikationsroutinen für unsere Demokratie bleiben bestehen. Falls Sie dazu (oder auch sonst) Gesprächsbedarf haben, ist ganz nach unten gescrollt die Kommentarsektion für Sie geöffnet.

Facebook-Mitgliedschaft: Should I stay or should I go?

15 Jahre alt müsste man sein. Dann kann man sich nicht nur die Freiheit herausnehmen, diesen ganzen Cambridge-Analytica-Skandal den Clusterfuck sein zu lassen, als den er sich heute präsentiert, um sich stattdessen wichtigen Dingen wie der perfekten Schriftart für die nächste Liebesschlossgravur zu widmen. Man hat sogar die Möglichkeit, einfach gar nicht erst bei Facebook zu sein. So schreibt es zumindest Merle Göbel im Tagesspiegel:

"Facebook war einfach 'schon immer' da seit wir Jugendlichen uns erinnern können – und es kommt einem irgendwie altbacken vor, weil es von älteren Generationen genutzt wird. Außerdem gibt es keinen Gruppenzwang, Facebook zu nutzen, weil es niemand in Deinem Freundeskreis hat."

Na, auch schon lange nicht mehr so alt gefühlt? Leider ist das nicht die einzige schlechte Nachricht, denn die Jugend von heute ist natürlich nicht sozialmedienabstinent, sondern einfach lieber bei Snapchat und Instagram, und da werden sie schon auch schöne Daten zu sammeln wissen.

Doch Du kannst nicht immer 15 sein, und als Leser dieser Kolumne fühlen Sie sich zudem vermutlich auch noch beruflich zur Facebook-Mitgliedschaft verpflichtet – argumentiert zumindest Nils Jacobsen bei Meedia:

"Events werden geteilt, manche Arbeitsprozesse in Facebook-Gruppen ausgelagert, Unternehmens- oder Medienseiten wollen mit Posts befüllt und gemanagt werden (…) – vor allem jedoch verläuft die Kommunikation auf schnellstem Wege immer wieder über den Facebook Messenger, so sehr hat sich Berufliches und Privates in der Facebook-Ökonomie längst vermischt. Wer kein Facebook-Konto besitzt, hat es in der Medien-, Werbe- oder PR-Branche eindeutig schwerer und befindet sich in einer Dauerrechtfertigungsschleife."

Dagegen würde ich gerne halten, dass zwei Faktoren diesen Umstand bedingen: Masse und Bequemlichkeit. Seitdem (kleiner Exkurs) Kopenhagen seine Fahrradwege ausgebaut hat und man mit dem Rad schlichtweg schneller durch die Stadt kommt als mit dem Auto, ist der Radverkehr explodiert. Nichts ist zwangsläufig, nicht einmal unter hippen Medieninfluenzern. Aber man kann sich natürlich auch erstmal durch die unzähligen gerade erscheinenden Artikel wie "So füttert man Facebook mit möglichst wenig Daten" (sz.de), "So schützen Sie Ihre Facebook-Daten besser" (Zeit Online) oder "So geben deine Freunde deine Facebook-Daten NICHT an dubiose Apps weiter" (Hallo, Watson.de!) klicken und für das gute Gewissen ein paar Euro an Christopher Wylies Crowdfundingkampagne spenden, der

"need to raise funds to cover my own legal costs needed because I spoke out. But I am also raising funds to help other whistleblowers (who currently cannot be named) so they can get the same legal support and advice from Bindmans LLP as I have."

Rechts auf der Seite findet sich allerdings ein "I’ll share on Facebook"-Button, als Nussschalenvariante des Problems.

Wir wollen die Algorithmen sehen!

Kleines Zwischenfazit gefällig? Es lautet Stockholmsyndrom. Höchste Zeit also, nach der Politik oder sonstigen höheren Mächten zu schreien, damit sie uns aus unserer selbst verschuldeten Unmündigkeit befreien. Oder, in den Worten Dirk Helbings auf Seite 2 der SZ:

"Deshalb muss jetzt die Basis einer digitalen Vertrauensgesellschaft gelegt werden. Das setzt einen einfachen Zugang zu allen Daten, Metadaten und erzeugten Profilen über uns voraus sowie eine technische Umsetzung der informationellen Selbstbestimmung. Noch entwickelt sich die Demokratie marktkonform und die Wirtschaft technologiegetrieben. Stattdessen sollte die Wirtschaft so gestaltet werden, dass sie allen Menschen dient, und Technologie sollte das Mittel sein, dies zu erreichen."

Prima. Dann machen wir das doch einfach so.

Deutschlands neue Justizministerin Katarina Barley gibt sich auf jedem Fall motiviert.

"Ich verlange Aufklärung darüber, wie es zu diesem Vorgang kommen konnte, ob Nutzerinnen und Nutzer deutscher Accounts davon betroffen sind und was Facebook gedenkt zu tun, um die Wiederholung solcher Fälle zu verhindern",

zitiert sie Heise (mit dpa).

Im Interview mit Caren Miosga bei den Tagesthemen gestern räumte sie zwar ein, dass Kontrolle im Netz schwierig sei. Aber das ginge schon klar, schließlich sei im Koalitionsvertrag vereinbart, "dass wir die Internetkonzerne zwingen wollen, ihre sogenannten Algorithmen offenzulegen."

Yep.

Miosga war da auch skeptisch, aber Barley glaubt, die Firmen griffen so stark in die Persönlichkeit (ihre Worte) von Menschen ein, dass sich daraus dieses Recht ergebe. Und nach den großen Erfolgen der alten Groko im Umgang mit deutschen Autofirmen, die durch Ignorieren sämtlicher Gesetze die Gesundheit der gesamten Bevölkerung gefährden, sollte man in diesen Ansatz der neuen Groko zur Regulierung US-amerikanischer Internetmultis doch große Hoffnungen setzten.

Oder alternativ auf die europäische Ebene schielen, wo Ende Mai die Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt, von der man dieser Tage des Öfteren hört, weil Verstöße mit Sanktionen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes bedacht werden können, was selbst Facebook schmerzen dürfte. Meint zumindest Jan Philipp Albrecht, der als Datenschutzexperte für die Grünen im Europaparlament sitzt, sich im Interview mit Marlies Uken bei Zeit Online jedoch auch selbstkritisch gibt. Schließlich drängt sich die Frage auf: Warum zur Hölle erst jetzt?

"Wir haben uns jahrelang einlullen lassen von einer Digitalwirtschaftslobby, die immer nur gesagt hat: Bloß keine Regulierung, wir sind doch noch so kleine Start-ups. Das war eine komplette Fehleinschätzung.

Hinzu kommt: Wir hätten hier in Europa mehr in Datenschutz investieren müssen. Dann hätten wir jetzt, wo das Silicon Valley das Vertrauen der Verbraucher verliert, eine europäische Alternative. Es gibt doch auch hier Digitalunternehmen, aber die werden nicht gefördert, und noch nicht einmal die öffentliche Hand kauft ihre Produkte. Die Verwaltung kauft am Ende auch nur Microsoft. Das funktioniert so nicht."

Oder eben doch.

Bund und EU sind also spät dran, aber immerhin bemüht, was man von ihren US-Kollegen nicht behaupten könne, meint zumindest Michael Hanfeld auf der Medienseite der FAZ (Blendle-Link):

"Das fängt damit an, dass man die Einwilligung seiner Kunden braucht, wenn man an ihre Daten will, und erklärt, was man damit vorhat. In den Vereinigten Staaten müsste die Medienaufsicht FCC für so etwas sorgen. Sie hätte sich schon in der Zeit der Obama-Regierung darum kümmern müssen, doch fiel dieser das nicht ein, stehen die Silicon-Valley-Konzerne und deren Chefs doch mehrheitlich stramm zu den Demokraten. Dem Präsidenten Trump müsste aus ideologi­schen Gründen eigentlich daran gelegen sein, die Mächtigen im Valley einzuhegen. Doch sind ihm deren Digitalwaffen im Wahlkampf viel zu nützlich gewesen, als dass er Interesse daran hätte, sie zu entschärfen."

Warum die Aufregung? Läuft doch schon immer so!

Überhaupt: Obama. Schon dessen letzte Präsidentschafts-Kampagne machte sich Daten von Facebook zunutze, und zwar in einem Ausmaß, das Cambridge Analytica nur als blöde Aufschneider erscheinen lasse (was manche dem Laden eh vorwerfen, Stichwort "Bürogestaltung Goldeneye"), berichten Justus Bender und Morten Freidel heute auf S. 4 der FAZ:

"Schon im Jahr 2015 war für Carol Davidsen die Zeit gekommen, ganz offen über diese Dinge zu sprechen. Die frühere Datenbeauftragte der Obama-Kampagne hielt einen Vortrag und erzählte von Facebooks Datenschutzrichtlinien im Jahr 2012. Damals erlaubte Facebook es, dass Nutzer ihre Freundeslisten an Unternehmen oder Wahlkampagnen verrieten. Wer auf Facebook ein Computerspiel spielte oder eben eine Wahlkampf-Anwendung verwendete, musste nur mit einem Mausklick zustimmen – und schon wurde eine Liste seiner Facebook-Freunde übermittelt. Mit der Zeit wurden die Daten immer vollständiger, Freunde von Freunden wurden erfasst. Die Wahlkämpfer wussten also, welche Anhänger sie auf wen ansetzen konnten, um auch diesen für Obama zu gewinnen. 'Wir waren tatsächlich in der Lage, das gesamte soziale Netzwerk in den Vereinigten Staaten aufzunehmen', sagte Davidsen. Und sie betonte, wer in Amerika alles auf Facebook registriert sei: 'Das sind die meisten Menschen.'"

Zu dieser Argumentation gesellt sich ein, höhö, Facebook-Post von Michael Seemann aka mspro, der ebenfalls auf Obama verweist und zudem die Aufregung um die Rolle von Facebook so gar nicht verstehen kann.

"dann wird gerne die schuld für diesen fuckup beim geschäftsmodell von facebook gesucht. was kompletter unsinn ist. eine offene api zu den userdaten macht überhaupt gar keinen sinn, wenn man werbung verkaufen will. im gegenteil: die userdaten sind der usp, den man auf keinen fall aus der hand gibt.

die offene api ist im gegenteil ausdruck von facebooks damaligen bemühungen, weg vom werbegeschäftsmodell zu kommen. sie wollten eine app-plattform werden, ähnlich ios und adroid. das hat nicht geklappt, weil die smartphonerevolution sie weg von der website riss."

Schauen Nerds einfach anders auf Datenschnittstellen und was da alles durchsickert? Jein.

"Cambridge Analytica hat die Facebook-Schnittstellen genutzt. Da war kein Hack involviert, kein Einbruch, kein Eindringen. (…) Aus meiner Sicht sitzen alle Beteiligten im Glashaus. Cambridge Analytica hat ihre Opfer mit irreführenden Versprechungen belogen. Das ist unmoralisch, ja, aber nicht verboten. Facebook macht nichts anderes, die ganze Zeit",

erklärt Felix von Leitner aka Fefe im Interview mit Alexander Becker bei Meedia. Was nicht heißt, dass er sich nicht doch über das Netzwerk aufzuregen vermag:

"Facebook ist aus jedem Blickwinkel, den ich finden kann, Täter. Facebook hat diese immense Datensammelmaschine gebaut. Facebook hat sein Tun hinter Kleingedrucktem und vagen Formulierungen versteckt, um die Menschen gezielt im Dunkeln zu lassen. Facebook hat ein Milliardengeschäft darauf gebaut, die so gewonnenen Daten gegen diejenigen zu verwenden, von denen sie erhoben wurden: für gezielte Werbung. Gezielte Werbung ist ein Euphemismus für Manipulation. Werbung sind irreführende Versprechungen, und gezielte Werbung heißt, dass man die irreführenden Versprechungen so auswählt, dass sie ihr Ziel, also die Irreführung, effektiver erreichen."

Ein "Ups, sorry Leute" reicht nicht mehr

Jetzt wäre wohl ein guter Zeitpunkt, um zumindest noch kurz darauf zu schauen, was Facebook selbst denn aus dem aktuellen Skandal lernen möchte. Oder eben nicht, wenn ich die Einschätzungen auf den gestern hier schon erwähnten, nur semizerknirschten Post Mark Zuckerbergs verkürzt zusammenfassen darf.

Längere Versionen, diese Kolumne verpflichtet, gibt es natürlich auch:

  • "Das wirkt ein bisschen so, wie wenn man in einem Museum eine wertvolle Ming-Vase umstösst und dann schulterzuckend ein entschuldigendes 'Ups' von sich gibt und davonschleicht. (…) (W)as bietet Facebook zur Krisenbewältigung? Ein Facebook-Posting! Wo ist der externe Gutachter? Wo sind die Listen mit Apps, die Daten unrechtmässig geerntet haben? Sind Nutzer, deren Daten unautorisiert benutzt wurden, bereits benachrichtigt und gegebenenfalls entschädigt worden? Wer beantwortet Journalisten und Nutzern ihre drängenden Fragen?" (Christiane Hanna Henkel, NZZ).

  • "Die wichtigste, aber nur indirekt ausgesprochene Botschaft: An Facebooks Geschäftsmodell wird sich nichts ändern. Selbst weniger Nutzerdaten zu erheben ist keine Option für das Unternehmen." (Patrick Beuth und Angela Gruber, Spiegel Online)

  • "Das zeigt, dass Zuckerberg es immer noch nicht begriffen hat. Einsicht könnte so klingen: "Wir waren riesige Idioten. Wir haben nur den wirtschaftlichen Erfolg gesehen und dem alles untergeordnet und geopfert. Wir haben uns nicht die Bohne für die User interessiert." (Jörg Schieb, WDR-Blog Digitalistan)

  • "Doch folgt das Verhalten des Konzerns einem altbekannten Muster. Eine Reaktion kommt erst, wenn Facebook mit dem Rücken zur Wand steht und keinen anderen Ausweg sieht als eine Entschuldigung. Dann gelobt es feierlich, sich zu bessern, nur um wenig später wieder erwischt zu werden. (Tomas Rudl, Netzpolitik.org)

Um den Kreis zu schließen: Vielleicht sind wir am Ende doch darauf angewiesen, uns selbst zu helfen, und das könnte über ein Leben nach Facebook funktionieren. (Was natürlich nicht bedeutet, dass sich so alle aktuell auf das Netzwerk projezierten Probleme lösten, doch darüber sprechen wir dann nach der nächsten Maus.)

Oder wir hoffen, dass wenn alle Datenschutz-Sorgen, EU-Regeln und freundlichen Offenlegungs-Wünsche deutscher Regierungen nicht fruchten, vielleicht doch ein anderes Argument im Silicon Valley zieht, das Rolf Schröter, Leiter des Marketing-Ressorts der W&V, so von Werbefachmann zu Werbefachmann eben dort formuliert:

"Mark Zuckerberg sollte erkennen, dass seine Beziehung auf dem Spiel steht. Die Beziehung zwischen Facebook und seinen Nutzern. Die größte Gefahr für ihn liegt gar nicht darin, dass die Politik regulieren will oder dass die Wettbewerbsbehörden korrigieren müssen. Sondern: Wenn Facebook das Vertrauen seiner Nutzer verspielt, dann vernichtet es seine Geschäftsgrundlage – und die all seiner Geschäftspartner. Sprich: auch die unserer Branche.

Wäre Mark Zuckerberg mein Freund, würde ich ihm sagen: Mensch Mark, lass das PR-Gelaber, vergiss kurz mal das Geld und tu was, was Deinen Nutzern wirklich nützt. Das hilft uns allen. Wir sitzen doch alle im gleichen Boot."

Altpapierkorb (MDR-Gastfreundschaft für RT, Goodbye Günter Bannas, WTF JWD)

+++ "Mit dem auf Druck zustande gekommenen Verkauf der Gruppe existiert vor den Wahlen 2019 nun keine einzige unabhängige Mediengruppe mehr. Außer ein paar linksgerichteten Zeitungen mit kleiner Auflage, für die die Zeiten schwer sind, aufgrund finanzieller Probleme oder weil die Leitung verhaftet wurde." Bülent Mumay auf der Medienseite der FAZ (Blendle-Link) über den Verkauf der Dogan-Mediengruppe an die Demirören-Gruppe in der Türkei (Altpapier gestern).

+++ Ein AfD-Politiker lässt sich aus einem MDR-Studio zu einer Tirade gegen den Islam bei RT International zuschalten, und das wirft Fragen auf. Wie: Warum hat der MDR das gemacht? Dazu Matthias Meisner im Tagesspiegel.

+++ Noch bevor er sich als Informant vorstellen konnte, hatte die Bild-Zeitung ihn schon zur Schlagzeile gemacht. Ist eine Erkenntnis zu #miomiogate aus dem Interview, das Stefan Niggemeier für Übermedien mit dem Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen geführt hat.

+++ Ulrike Simon ist ihre Spiegel-Daily-Kolumne entglitten. Ein paar Hauptstadtjournalisten hatte sie angefragt, ob sie nicht ihren FAZ-Kollegen Günter Bannas mit einer Anekdote in die Rente (Altpapier) verabschieden wollten, und siehe da: wollten sie. Alle. "P.S. Bitte lassen Sie sich von der Länge des nun Folgenden nicht schrecken", so Simon.+++ Nicht nur jünger, weiblicher und bunter, sondern sogar staatsferner sei er geworden, der ZDF-Fernsehrat, bescheinigt ihm zumindest seine Vorsitzende Marlehn Thieme im epd-medien-Interview (derzeit nicht online).

+++ Online-Umfragen, die nur so aussehen, als seien sie repräsentativ, sind nicht okay, meint der Presserat, meldet @mediasres.

+++ "Pflichtstoffe sind nicht das Metier von JWD, in dessen Universum die Uhren anders ticken. Gerade das könnte und soll die Faszination der neuen Zeitschriftenmarke ausmachen, nach der Devise: Nichts muss, alles kann. Und bei allem steht die Lust am Experimentieren im Vordergrund." Das schreibt Georg Altrogge bei Meedia über das neue Gruner+Jahr-Magazin JWD, kurz für Joko Winterscheidts Druckerzeugnis, dem nur hinzuzufügen bleibt: WTF, GA?! Für DWDL hat Alexander Krei reingeschaut, und für seine evangelisch.de-Kolumne auch Altpapier-Kollege Christian Bartels, der wie immer die Gelegenheit für einen Schritt zurück nutzt und meint: "Die Vielfalt des Angebots steigt, was man auch Fragmentierung nennen könnte. Die Aufmerksamkeit für einzelne Angebote sinkt dagegen (…). Das wichtigste Gegenmittel, das deutsche Verlage anwenden, lautet also: weitere Titel herauszubringen, die seltener erscheinen und mit zeitloseren Inhalten – für Aktualität sind in absteigender Folge ja Internet, Radio, Fernsehen und Tageszeitungen zuständig – in den Regalen umso länger auf Käufer warten können."

+++ "Sie war zwar nicht die erste TV-Kommissarin hierzulande – das war Renate Burger (Ingrid Fröhlich) 1978 bei Soko 5113, ebenfalls im ZDF –, aber sie war eine ungemein wichtige. Nicht nur, weil sie eine Frau war; prägend war besonders, wie sie Frau war, Frau sein durfte." David Denk auf der SZ-Medienseite über "Bella Block" bzw. Hannelore Hoger, die am Samstag nach 24 Jahren und 38 Filmen das letzte Mal im ZDF ermittelt.

+++ "Der typische deutsche Freiberufler im Journalismus ist aktuell zwischen 23 und 71 Jahre alt, männlich (58,8%) und verfügt über etwa 18 Jahre Berufserfahrung." Dieser Satz ist natürlich Quatsch. Aber was Nina Steindl, Corinna Lauerer und Thomas Hanitzsch von der Ludwig-Maximilians-Universität München über freie Journalisten in Deutschland erfragt und nun beim European Journalisms Observatory zusammengefasst haben, kann man sich dennoch anschauen, u.a. deswegen: "Der hauptberufliche freie Journalist ist offenbar auf dem Rückzug: während es 1993 noch 18.000 waren, hat sich die Zahl bis 2017 um fast die Hälfte auf 9.600 reduziert. Der Verdienst reicht oftmals nicht aus, um die Existenz zu sichern, sodass Tätigkeiten in der PR oder Unternehmenskommunikation hinzukommen."

Das nächste Altpapier erscheint am Montag, allerdings, kleiner Reminder, nicht mehr bei Facebook.

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