Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 17. April 2019: brennende Kathedrale Notre-Dame und Tigerkopf
Bildrechte: Collage MEDIEN360G / Panthermedia / dpa

Das Altpapier am 17. April 2019 Das Böseste wo gibt

Der ehemalige ARD-Hierarch Ulrich Deppendorf wünscht sich schon seit einen Jahren einen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal, und gerade wünscht er ihn sich noch ein bisschen mehr als sonst. Außerdem: Die Mutter des mutmaßlichen Rechtsterroristen Franco A. wünscht sich, dass ihr Sohn Journalist wird. Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 17. April 2019: brennende Kathedrale Notre-Dame und Tigerkopf
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Wenn man die Formulierung “Paris-Pleite in der ARD“ liest oder hört, geht man davon aus, dass sie sich auf ein verlorenes Fußballspiel bezieht. Und aufgrund des subtilen Stabreims hätte man sie am ehesten der Bild-Zeitung zugeordnet.

Jedenfalls wäre das noch vor 48 Stunden so gewesen. Das Kompositum “Paris-Pleite“ ersann jedoch der Tagesspiegel, und er platzierte es am frühen Dienstagabend im Vorspann eines Interviews mit dem früheren ARD-Chefredakteur Ulrich Deppendorf über dessen “Enttäuschung“ darüber, wie sie sich seine gute alte ARD am Montag in der “nun ja: 'Brennpunkt‘-Frage“ (Altpapier gestern) entschieden hatte - nämlich gegen eine Sondersendung über den Brand von Notre Dame nach der “Tagesschau“, gegen eine Live-Berichterstattung des Unglücks und für einen Tierfilm.

Mittlerweile ist die Formulierung “Paris-Pleite“ beim Tagesspiegel-Artikel zwar verschwunden, bei diversen Artikel-Verbreitungsschleudern (hier und hier) ist sie aber noch zu finden. Dass die feingeistigen Kollegen des Tagesspiegel-Medienressorts zumindest kurzfristig in Boulevard-Jargon verfielen, ist nur ein Symptom für die Erhitzung der Debatte über die Entscheidung der Debatte. Immerhin sind interessante Frontverläufe zu beobachten: Da verbrüderte sich dann prominente Auskenner aus dem ARD-Ruheständler-Milieu (neben Deppendorf noch Sonia Mikich) mit prominenten Laien (Armin Laschet), um sich dann beispielsweise von DWDL-Maestro-Thomas Lückerath, der sonst nicht zu der allereifrigsten Verteidigern der Öffentlich-Rechtlichen gehört, die Leviten lesen lassen zu müssen. Lückerath kommentiert unter anderem:

“Ja, Journalistinnen und Journalisten sowie das Publikum sind fasziniert vom Blick auf Notre Dame in Flammen. Es ist der Nervenkitzel unserer Zeit, bei einer Live-Situation mitfiebern zu können. Letztlich und heimlich in Erwartung, was wohl noch Schlimmes passieren könnte. Das ist ein menschliches Verlangen, aber kein nachrichtlicher Wert. Es ist nicht meine Erwartung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Emotionen zu bedienen, sondern Neuigkeiten zu vermelden. Die gab es jedoch nicht im Minutentakt. Ein 'Brennpunkt‘ eine Stunde nachdem das Feuer erstmals berichtet wurde, hätte wenig mehr berichten können als der Zwischenstand kurz zuvor in der 'Tagesschau.‘“

Christoph Sterz sieht’s im Deutschlandfunk ähnlich:

“Sollen sie stundenlang zeigen, wie eine Kirche brennt? Mitzählen, wie viel Löschwasser die Feuerwehr schon benutzt hat? Sich von 50 verschiedenen Passanten schildern lassen, dass der Brand eines historischen Gebäudes etwas Schlimmes ist?

Und Steffen Grimberg schreibt in seiner taz-Kolumne:

“Der Anspruch besteht schon darin, in einem “Brennpunkt“ und ähnlichen Sondersendungen mehr zu bieten als drüberwegquatschende Ahnungslosigkeit, wie man sie dann bei den Nachrichtenkanälen am Montagabend besichtigen konnte.“

Eine Gegenposition bezieht Dankwart Guratzsch (Die Welt):

“In Paris stand eines der Symbolbauwerke des Abendlandes in Flammen (…) (Doch ARD und ZDF) handelten es in ihren Nachrichten wie den Brand in einem Reifenlager oder einer Textilfabrik ab. Das also ist die Europa-Idee, die in diesen Anstalten transportiert wird.“

Angesichts dessen, wie beispielsweise Claus Kleber im “heute journal“ die Bilder aus Paris präsentierte, wäre man schon gnädig, wenn man Guratzschs Äußerung als billige Polemik einstufte.

Michael Hanfeld (FAZ) hat natürlich einiges auszusetzen daran, wie die Sender die Sache handhabten. Im Detail anders als Guratzsch sieht er’s dann aber doch:

“Den (…) 'Tagesthemen‘ und (dem) 'heute journal’ kann man (…) kaum vorwerfen, dass ihre Macher die Tragweite des Ereignisses nicht erkannt hätten.“

Aufgepoppt ist nun wieder die Frage, ob es einen öffentlich-rechtlichen Nachrichtsender braucht. Deppendorf spielt im bereits erwähnten Tagesspiegel-Interview die patriotische Karte:

“Das wirtschaftlich stärkste Land Europas benötigt einen eigenen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal.“

Unter anderem 2016 hatte es anlässlich der Terror-Anschläge von München und Nizza und des missglücktes Putschversuch in der Türkei (siehe unter anderem dieses Altpapier) eine entsprechende Debatte auch schon gegeben. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender sprachen sich damals aus: Deppendorf, Fritz Pleitgen, Ernst Elitz (siehe Horizont seinerzeit). Eher dagegen: Lutz Hachmeister (siehe das Ende dieses Artikels, den ich für die Stuttgarter Zeitung geschrieben habe). Auf jeden Fall dagegen: 58 Prozent der Bevölkerung (jedenfalls laut einer im eben genannten Horizont-Artikel aufgegriffenen Forsa-Umfrage).

2017 war die Nachrichtensender-Ja-oder-Nein-Frage noch einmal relativ ausführlich Thema im Altpapier, weil Phoenix damals 20 Jahre alt wurde. Tilmann P. Gangloff hatte aus diesem Anlass für epd medien unter anderem mit Deppendorf gesprochen - und in seinem Text unter anderem erwähnt, dass dieser “schon seit Jahren“ einen “24stündigen Nachrichtenkanal“ - “nennen wir ihn Phoenix 2 oder wie auch immer“ (O-Ton Deppendorf) - fordere.

Viele Texte, die 2016 und 2017 erschienen sind, könnte man heute mit nur geringfügigen Veränderungen erneut publizieren. Der bereits zitierte DLF-Mann Christoph Sterz kommentiert aktuell:

“Es gibt (…) keinen politischen Auftrag für öffentlich-rechtliches Nachrichtenfernsehen.“

Der ebenfalls schon zitierte Steffen Grimberg benennt den “Kern des Pudels“ folgendermaßen:

“Ja, es gibt keinen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal in Deutschland. Was wiederum a) an den Anstalten, aber noch stärker b) eben auch an der Medienpolitik liegt. Sie könnte – und müsste – ein solches Angebot beauftragen. Macht sie aber nicht, aus Rücksicht auf Menschen wie Hans Demmel. Den kennt auch Armin Laschet, Demmel war schließlich bis neulich Chef des privaten Nachrichtensenders n-tv, der zur Kölner RTL-Gruppe gehört, und ist jetzt Vorstand des Privat­sender-Lobbyverbandes Vaunet. Springers N24/welt.tv würde ebenfalls Sturm laufen.“

Deppendorf mag sich seine großen Visionen, die in seinem Kopf schon “seit Jahren“ (siehe oben) leuchten, aber nicht von medienpolitischem Detailkrimskrams verdunkeln lassen. Siehe zum Beispiel das bereits genannte Tagesspiegel-Interview:

Tagesspiegel: Wann wird es einen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal geben? Morgen, übermorgen, niemals?

Deppendorf: Ich hoffe bald, am besten morgen.

Sagen wir es mal so: Selbst wenn heute im Laufe des Tages die medienpolitischen Strategen der Staatskanzleien eine Telefonkonferenz einberiefen und dabei urplötzlich ihre Begeisterung dafür entdeckten, was sich Deppendorf wünscht (wofür nichts spricht), würde es ein paar Jahre dauern.

Auch RBB-Medienjournalist Jörg Wagner (wwwagner.tv) hat mit Deppendorf über die Sache gesprochen:

Wagner: Ist eine Live-Berichterstattung von den Löscharbeiten der französischen Feuerwehr durch die deutschen Rundfunkstaatsverträge gedeckt? Darf man den kommerziellen Nachrichtenkanälen Konkurrenz machen, wenn keine Bedrohungslage für Deutschland gegeben ist?

Deppendorf: Das ist für mich überhaupt gar nicht die Frage. Das ist auch nicht eine Frage des Rundfunkstaatsvertrages.

Generell lässt sich sagen, dass der Brand von Notre Dame und die Art, wie insbesondere der ARD am Montag darüber berichtete, für viele mal wieder ein willkommener Anlass, ihren Ennui über die Öffentlich-Rechtlichen zum Ausdruck zu bringen. Die ARD zeigt einen Tierfilm statt die brennende Notre Dame?! Dazu hat jeder Ahnungslose eine Meinung, das ist wie mit der Kritik an zu vielen Krimis und den zu hohen Ausgaben für Übertragungen von Sportereignissen (was nicht heißt, dass Kritik an besagten Entwicklungen unberechtigt ist).

Erwähnung verdient auch noch der abfällige Ton, mit dem in der “Brennpunkt“- Frage der Begriff “Tierfilm“ verwendet wird, mindestens im Subtext schwingt da mit, dass sei doch eigentlich Kinderkacke. Wir haben es hier mit der Reihe “Wilde Dynastien“ zu tun, einer aufwändigen internationalen Koproduktion, in die der WDR, der RBB und der SWR Geld reingesteckt haben. Der Mehrteiler wird oder wurde in 13 Ländern ausgestrahlt. Schauplatz der am Montag gelaufenen fünften Folge (nur noch bis 22.4. verfügbar!) ist “eines der letzten Tigerreservate“, generell geht es in der Reihe um das Thema “Arterhalt“.Bzw.: “(It) highlights five of the world’s most celebrated but endangered animals, as they do whatever it takes to survive and protect the next generation“ (Deadline).

Angesichts dessen, dass bei der Berichterstattung zum Brand von Notre Dame zu Recht große Begriffe im Spiel sind (Kulturerbe!):  Um die allerkleinsten Fragen geht es bei “Wilde Dynastien“ ja nun auch nicht - ohne dass ich damit etwas über die Qualität des Fünfteilers sagen will (ich habe nur einen kleinen Teil des Montag gesendeten Films gesehen).

Ein sehr spezieller ORF-Experte

Themenwechsel: Was ist eigentlich ein “konservativer Journalist“? Die Frage stellt sich aktuell aus einem zunächst mal harmlos erscheinenden Grund: Die FAZ hat heute ein Gespräch zur möglichen Umstellung der Finanzierung des ORF im Blatt. Der Interviewer fragt:

“Die linke Opposition, einige Medien und vor allem der ORF selbst schlagen Alarm: Damit würde seine Unabhängigkeit gefährdet. Wie sehen Sie das als konservativer Journalist?“

Der konservative Herr heißt Andreas Unterberger. Im September 2018 hat er in seinem Blog (kein Link aus gutem Grund) geschrieben

“Jetzt aber stellt sich heraus, dass (die) Informationen und Berichte über rechtsextremistische Exzesse in Chemnitz ungefähr so wahr waren wie vor 79 Jahren die Behauptungen Adolf Hitlers von einem angeblichen Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz, was er als Vorwand benutzt hat, um Polen anzugreifen, und einen sechsjährigen Weltkrieg auszulösen.“

Tja.

Sagen wir es mal so: Verglichen damit klingt Roland Tichy linksliberal. Aber im Kampf gegen das Böse bzw. das Allerböseste wo gibt (also den öffentlich-rechtlichen Rundfunk), kann die FAZ halt nicht auf solche Feinheiten achten. Unterberger ist übrigens auch regelmäßiger Autor des rechtsradikalen, vom Ehepaar von Storch (siehe Die Zeit 31/17) geprägten Portals Freie Welt.

Im FAZ-Interview sagt Unterberger unter anderem:

“Die beste Lösung (wäre): eine ersatzlose Abschaffung aller Zwangsgebühren und jeder öffentlichen Finanzierung, stattdessen eine Finanzierung aus dem Markt.“

So äußerten sich ja auch die libertären No-Billag-Befürworter (Altpapier-Spezial). Aufschlussreich ist noch ein anderer Teil des Gesprächs:

FAZ: Könnte sich eine Sendeanstalt ohne Gebühren überhaupt behaupten – auch angesichts der Konkurrenz deutsch­sprachiger Sender aus dem Nachbarland, die einen viel größeren Markt hinter sich haben?

Unterberger: Natürlich. Der größte Nutzen für Fernseh- und Radioprogramme sind ja regionale und lokale Inhalte (…) Die Beurteilung des russischen Präsidenten, oder des brasilianischen, oder wer immer die letzten Schlagzeilen gemacht hat, das gewinnt nicht die Sehermassen. 'All real news is local.‘“

Holla! Ich kann nicht einschätzen, ob im rechten Milieu die Vorstellung weit verbreitet ist, dass die (bisherigen) Öffentlich-Rechtlichen in Zukunft Lokaljournalismus machen sollten und nicht irgendwas mit Putin, aber es kann nicht schaden, das im Hinterkopf zu behalten.

Er wollte doch nur wallraffen!

Hier “kann man gerade beispielhaft beobachten, wie die Verharmlosung und Normalisierung rechtsextremer Ideologie funktioniert“, würde vielleicht taz-Redakteurin Male Gürgen zu dem FAZ-Interview sagen. Sie hat’s auch tatsächlich getwittert, aber bezogen auf einen anderen Dammbruch.

Es geht um die NZZ, die den mutmaßlichen Rechtsterroristen Franco A. (siehe etwa taz, Süddeutsche oder hier nebenan) besucht hat und auch stolz berichtet, dass “sich erstmals nun seine Familie, seine Partnerin und eine Schulfreundin zu Gesprächen bereit erklärt haben.“ Wer geglaubt hat, die neulich im SZ-Magazin erschienene Gnocchi-und-Salat-Geschichte rund um einen AfD-Mann (Altpapier, Altpapier) sei der crazy shit, darf sich auf einen neuen Höhe- bzw. Tiefpunkt, äh, freuen:

“Im Wohnzimmer steht ein grosses Büchergestell, weiße, flauschige Felle liegen auf den Bänken um den Esstisch. Alles wirkt hell und freundlich (…) Dass hier ein Soldat zu Hause ist, merkt man an der Reinlichkeit. Die Wohnung ist blitzblank geputzt. Nur der Gastgeber hat sich verändert. Franco A. wirkt immer noch durchtrainiert, aber seine Haare sind mittlerweile zu einem kleinen Zopf gebunden, Strähnen fallen ihm in die Stirn. Niemand würde ihn mehr für einen Offizier halten. Er sieht eher aus wie ein Künstler oder ein Student der Philosophie. Geblieben ist der Bart (…) Der Gastgeber macht Filterkaffee in der neuen Ikea-Küche und spricht über die gusseiserne Pfanne, mit der er gern koche, weil da nichts anbrenne. Irgendwann fragt seine Freundin: 'Wird das was für ‹Schöner Wohnen›?’"

Zu dem Aspekt, dass sich der bärtige Ikea-Fan einst als Asylbewerber ausgegeben hat, um den Verdacht für seine mutmaßlich geplanten Taten später auf Flüchtlinge lenken zu können, heißt es in dem Text, das sei “aus der Sicht seiner Familie“ eine “Art Günter-Wallraff-Projekt“ gewesen, “eine investigative Recherche über die Missstände der deutschen Flüchtlingspolitik“.

Der Wallraff in ihm lebte aber wohl schon länger:

"Eine Zeit lang arbeitet er bei McDonald’s in Offenbach. Einer seiner Anwälte sieht diese Stelle als frühen Beleg für Franco A.s Hang zu investigativen Projekten."

Kein Wunder, dass seine Mutter laut NZZ sagt:

“Ich möchte, dass das alles abgeschlossen wird. Ich wünsche meinem Sohn ein ganz normales Leben. Vielleicht wird er ja Journalist.“

Wahrscheinlich wird er sich dann vor Angeboten nicht retten können.

Altpapierkorb (Böhmermann vs. Merkel, das Schweigen des Feuilletons, Pulitzer-Preise, “Menschen hautnah“ und Artverwandtes)

+++ “Ist Böhmermanns gescheiterte Unterlassungsklage gegen Merkel, die vor drei Jahren sein 'Schmähgedicht‘ auf den türkischen Präsidenten Erdogan als 'bewusst verletzenden Text‘ bezeichnet hatte, (…) eine Niederlage?“ Diese Antwort beantworte Thoralf Cleven (RND/Leipziger Volkszeitung) mit: “Jein.“ Verena Mayer schreibt in der SZ: “Auch ein interessantes Detail kommt in dem Verfahren ans Licht: Merkel sah nicht Böhmermanns gesamte Sendung (die kurz darauf aus der Mediathek entfernt wurde), sondern nur einen Ausschnitt daraus auf dem Online-Auftritt der Bild-Zeitung.“ Darauf geht auch Felix W. Zimmermann in seinem Text für das in der Sache zwangsläufig nicht unbefangene ZDF ein:

Das Verwaltungsgericht Berlin konnte in seinem heutigen Urteil keine Rechtsverletzung erkennen und wies die Klage vollständig ab. Die Äußerung der Kanzlerin 'bewusst verletzend’ hätte sich nur auf das Gedicht selbst bezogen, deswegen sei egal, dass Angela Merkel die erläuternde Einleitung nicht gesehen habe. Vor dem Hintergrund, dass das Schmähgedicht schwerlich isoliert ohne die Einleitung interpretiert werden kann, eine fragwürdige Entscheidung.“

+++ Mehr Rechtliches: “Was dürfen Staatsanwaltschaften den Journalisten mitteilen? Und was dürfen Medienvertreter eigentlich von den Ermittlern an Auskünften verlangen? Wie die Justiz mit Medien zusammenarbeiten soll, dazu gibt es keine ausdifferenzierten Regeln in einem Gesetz. Das will nun ein Arbeitskreis aus Strafrechtsexperten und Polizeirechtlern, aus Wissenschaft und Praxis ändern.“ Darüber berichtet Markus Sehl für Legal Tribune Online. Demnach sollen “die Vorschläge der Expertengruppe“ am 6.Mai “auf einer Tagung in Mainz vorgestellt werden“.

+++ Noch vom Wochenende nachzutragen: Georg Diez hat bei Medium das weitgehende Schweigen des Feuilletons angesichts der Ermittlungen gegen das Zentrum für politische Schönheit kritisiert. Er sieht es als Beispiel für ein “vielfacettenhaften medialen Versagen“. Zur Erläuterung: “Die 'große Erschlaffung‘, von der Mark Siemons vor kurzem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichtete im Hinblick auf den Westen generell, hat besonders stark dieses Land und wohl auch die Medien ergriffen, die so sehr Teil dieser Gesellschaft und dieser Zeit sind. The Closing of the German Mind.“ Siehe auch den Twitter-Thread dazu.

+++ Dass unter anderem die Pittsburgh Post Gazette einen Pulitzer‐Preis erhalten hat, und zwar  “für mitfühlende Beiträge über das Massaker in der Tree of Life-Synagoge im Oktober 2018“ - das steht in einem epd/Jüdische- Allgemeine-Text, der einen Preis-Überblick liefert.

+++ Einige Beobachtungen zum dokumentarischen Formatfernsehen habe ich am Beispiel von unter anderem “Menschen hautnah“ und “Echtes Leben“ für die Medienkorrespondenz aufgeschrieben: “Problematisch an der Entwicklung ist nicht nur, dass der Raum für Autorenhandschriften immer kleiner wird, sondern dass sich auch die Formate nicht genug voneinander abgrenzen. Mit anderen Worten: Es fehlt an eigenen Formathandschriften (…) Die Themen, die Titel und die Machart über die Formatgrenzen ähneln (sich)“, zudem unterstreichen zahlreiche Wiederholungen “den Eindruck von Gleichförmigkeit“.

Neues Altpapier gibt es am Donnerstag.

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