Axel Schulz, 2015 in Dresden
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Boxen | Chemiepokal Axel Schulz im Interview - Keine Profikarriere ohne Chemiepokal

An den Chemiepokal hat der frühere Profi-Boxer Axel Schulz besondere Erinnerungen. Im Interview sprich er über einen Karrieresprung 1989, die Entwicklung im Amateurboxen, die Konkurrenz zu den Profis und einen Besuch beim Chemiepokal.

Axel Schulz, 2015 in Dresden
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Frage: In diesen Tagen findet die 45. Auflage des traditionellen Chemiepokals der Amateurboxer in Halle statt. Auch Sie stehen in der Siegerliste des Turniers - welche Erinnerungen haben Sie an das Turnier?

Axel Schulz: "Das war eines der härtesten Boxturniere überhaupt, in der DDR und generell. Alles, was Rang und Namen hatte, nahm daran teil - die Russen, die Kubaner, alle starken Ostblockländer. Nur die Amerikaner nicht, aber die waren im Boxen damals auch nicht so gut."

Wissen Sie noch, wann Sie gewonnen haben?

Axel Schulz: "Das muss 1989 gewesen sein. Eigentlich wollten die mich gar nicht mitnehmen. Aber durch meinen Sieg 1986 bei der Junioren-Europameisterschaft bin ich in die Trainingsgruppe von Manfred Wolke gekommen. Und Manne hat mich gegen die ganzen Granaten im Schwergewicht perfekt eingestellt. Ich wurde 1988 DDR-Meister, durfte im Jahr darauf erstmals zum Chemiepokal und gewann gleich."

Und damit war der Grundstein für eine große Karriere gelegt …

Axel Schulz: "Das stimmt. Durch den Sieg beim Chemiepokal hatte ich das EM-Ticket in der Tasche. Bei der EM wurde ich Zweiter, dann Dritter bei der Weltmeisterschaft. Und dann kam das Angebot, zu den Profis zu gehen. Das ging alles sehr schnell. Man kann aber sagen, dass ich ohne den Chemiepokal nie Profi geworden wäre."

Verfolgen Sie denn das Amateurboxen noch?

Axel Schulz: "Ja, ich liebe das Boxen ja nach wie vor, das ist die schönste Sportart überhaupt. Und auch das Amateurboxen. Beim Chemiepokal war ich aber schon länger nicht."

Im Amateurboxen hat sich im Vergleich zu Ihrer Zeit einiges verändert. Der Kopfschutz ist weggefallen, es wird nach dem 10-Point-Must-System geboxt, in der World Series of Boxing werden fünf Runden geboxt, … Wie sehen Sie die Entwicklung im Amateurboxen?

Der ehemalige Boxprofi Axel Schulz.
Schulz: "Trainer sollten besser vergütet werden." Bildrechte: IMAGO

Axel Schulz: "Dass der Kopfschutz weg ist, finde ich sehr gut. Dadurch lernt man die Gesichter der Boxer besser kennen. Was mich aber traurig macht, ist, dass Amateure und Profis kaum zusammenarbeiten. Wenn Du ein Kind hast, dass Fußballer werden will, dann sagen die Eltern: Wir investieren alles. Selbst, wenn Du später zweite Liga spielst, ist es super. Beim Boxen sollte das auch so sein. Trainer sollten besser vergütet werden. Das große Ziel sollte sein, dass auch Amateure unter Profibedingungen arbeiten können."

In Amateurboxkreisen wird hin und wieder die Kritik laut, dass es überhaupt keine finanzielle Beteiligung gibt, wenn Boxer ins Profilager wechseln. Würden Sie eine Art Ablösesumme, wie man sie vom Fußball kennt, unterstützen?

Axel Schulz: "Auf jeden Fall. Jeder kleine Fußball-Steppke hat das Ziel, Profi bei Dortmund oder den Bayern zu sein. Alle sagen, geil, das ist ja ein tolles Ziel. Der Anspruch beim Boxen sollte auch sein, Profi zu werden. Und wenn Du das schaffst, sollten Deine Jugendtrainer auch davon profitieren. Das würde dazu führen, dass Boxer gezielt zum Profiboxen geführt werden. Wenn Du heute als 20-Jähriger sagst, Du willst Profi werden, dann lassen die Dich eiskalt fallen. So soll es aber nicht sein."

Werden Sie in dieser Woche einmal beim Chemiepokal vorbeischauen?

Axel Schulz: "Nein, das passt zeitlich leider nicht. Ich werde aber sicher mal in den MDR-Livestream reinklicken. Und für die kommenden Jahre hoffe ich, dass es mal wieder mit einem Besuch klappt."

Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Dirk Hofmeister.

Dieses Thema im Programm: MDR+ | Chemiepokal - Boxen im Livestream | 22. Juni 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2018, 17:55 Uhr

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1 Kommentar

21.06.2018 12:41 Robby 1

Guter Mann. Ich sehe ihn immer wieder gern.