Sport | Jahresrückblick | Oktober | Boxen | WM Rückblick: Krasniqi knockt Box-Weltmeister Bösel aus

Ein Monat - eine Meldung. Für unseren Rückblick auf 2020 haben wir uns zwölf Sport-Themen des Jahres herausgesucht. Im Oktober: Krasniqi knockt Box-Weltmeister Bösel aus.

Dominic Bösel vs. Robin Krasniqi
Robin Krasniqi (re.) schlägt Dominic Bösel nieder Bildrechte: Bernd Wende/Fotowende

Corona machte vor dem WM-Fight im Halbschwergewicht von Dominic Bösel nicht halt. Der ursprüngliche Gegner Zac Dunn kam nicht aus Melbourne heraus. Die Australier wollten mittels eines extrem strengen Shutdowns der Plage Herr werden. Das eigentlich für März geplante Duell wurde zunächst verschoben und kam dann gar nicht zustande.

Live in der ARD

Stattdessen sah sich der Freyburger Bösel Robin Krasniqi gegenüber. Der Münchner war von 2018 bis 2019 Europameister im niedrigeren Supermittelgewicht, galt aber vor allem als eine Art ungelöstes Versprechen. Die ganz großen Titel verpasste der gebürtige Kosovare Krasniqi (33) bislang. 2013 unterlag er in London Nathan Cleverly (Wales), 2015 in Rostock Jürgen Brähmer. Nun also die nächste Chance in Magdeburg: Es ging um die WM-Titel im Halbschwergewicht der Verbände WBA und IBO. Die WBA gehört zu den wichtigsten Verbänden weltweit. Der Fight lief live in der ARD, erstmals seit dem 6. Dezember 2014 wieder "Boxen im Ersten".

Boxen Pressetraining vor Bösel vs. Krasniqi
Boxen Pressetraining vor Bösel vs. Krasniqi Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Stunde des Außenseiters schlug in Runde drei

Dominic Bösel vs. Robin Krasniqi
Dominic Bösel nach dem Knockout Bildrechte: Bernd Wende/Fotowende

Die Favoritenrolle war klar verteilt. Krasniqis Siegquote bei einem Sportwettenanbieter lag bei 4,40, Bösel kam auf 1,30. 2.000 Zuschauer in der GETEC-Arena und 2,5 Millionen TV-Zuschauer waren beim Duell der SES-Stallgefährten live dabei. Und sie erlebten, wie sich der Außenseiter in Runde drei zum Emporkömmling schlug: Erst traf er Bösel so, dass der zu Boden musste, dann erhob sich der amtierende Weltmeister, aber Krasniqi ließ nicht nach, nutzte die Chance: Ein erster rechter Haken prallte noch an Bösels Deckung ab, der zweite saß - der Favorit ging zu Boden, Ringrichter Oliver Brien brach den Kampf schnell ab - Sieg durch technischen Knockout!

Krasniqi jubelte mit Knie auf dem Boden, wie der Torschütze bei einem Fußballspiel. Der Lokalmatador kassierte seine zweite Niederlage im 32. Kampf und meinte: "Ich bin erschrocken. Mit so etwas rechnet man nicht. Ich bin sprachlos." Krasniqi freute sich über den 51. Erfolg im 57. Auftritt.

Dominic Bösel vs. Robin Krasniqi
Der Jubel von Robin Krasniqi Bildrechte: Bernd Wende/Fotowende

"Habe nie aufgegeben"

"Das ist der größte und schönste Tag in meinem Leben. Auf diesen Moment habe ich 15 Jahre gewartet. Nach zwei WM-Niederlagen wurde mir gesagt, das ist dein Ende. Aber ich habe nie aufgegeben", sagte Krasniqi. Er hatte als Jugendlicher den Kosovo-Krieg miterlebt und war 2004, mit 17 Jahren, ohne Sprachkenntnisse zu seinem Vater nach München geflohen. Der war ein politisch Verfolgter im Kosovo und betrieb nun einen Obst- und Gemüsehandel. Mittlerweile lebt Robin Krasniqi in Gersthofen in der Nähe von Augsburg, betreibt ein Boxgym sowie eine Eisdiele - und baut sich in der alten Heimat ein Feriendomizil.

Dominic Bösel vs. Robin Krasniqi
Robin Krasniqi mit den WM-Gürteln Bildrechte: Bernd Wende/Fotowende

Boxer am Boden 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SpiO Talk mit Dominic Bösel 22 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

cke

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Boxen im Ersten | 10. Oktober 2020 | 23:15 Uhr

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