Boxen | WM-Kampf Bösel und Fornling vor dem doppelten Titelkampf: "Playtime is over"

Der große Showdown um die IBO-Krone und Interimsweltmeisterschaft der WBA im Halbschwergewicht zwischen Europameister Dominic Bösel und IBO-Titelverteidiger Sven Fornling rückt näher. Am Mittwoch (13. November) zeigten sich beide Kämpfer bereits bis zur Nasenspitze siegessicher.

Dominic Bösel (li.) und Sven Fornling
Nasenspitze an Nasenspitze - Dominic Bösel (li.) und Sven Fornling (re.) im Finale der Pressekonferenz am Mittwoch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Ende einer beinah 50-minütigen, aber kurzweiligen Pressekonferenz drückten die beiden Kontrahenten Dominic Bösel und Sven Fornling handgestoppte 18 Sekunden lang ihre Nasen gegeneinander und stierten dabei ganz tief in die Augen des Anderen. Dass der amtierende IBO-Titelträger Fornling folgend sogar Bösels angebotenen Handschlag verweigerte, sprach Bände.

Bösels Heimvorteil lässt Fornling kalt

"Playtime is over", sagte der Schwede anschließend mit finsterer Miene in die MDR-Kamera. Die Zeit für Spielchen ist vorbei. Gut dreieinhalb Tage vor ihrem langersehnten Aufeinandertreffen um die IBO-Krone und Interimsweltmeisterschaft der WBA im Halbschwergewicht schaltete vor allem der Schwede in den Angriffsmodus. "Für mich ist es kein Fifty-Fifty-Duell – wenn ich zeige, was in mir steckt, knocke ich ihn aus. Ich bin relaxed, ich bin der Champion und am Samstag werden wir sehen, was für ein guter Kämpfer ich bin", gab sich der 30-Jährige selbstbewusst.

Auch, dass die Gunst des Hallenser Publikums dem kaum 50 Kilometer von Halle entfernt an der Unstrut aufgewachsenen Bösel zufällt, ließ Fornling demonstrativ kalt. "Es gibt keinen Heimvorteil", lächelte er siegesgewiss, "ich habe diese Situation schon viele Male in meiner Karriere gehabt – je lauter es ist, je mehr mich die Leute hassen, umso besser fühle ich mich." Minimale Sorgen bereitete dem zweifachen Vater am Mittwoch lediglich "das Aussehen meiner schönen Nase" – diese war von einem kleinen Trainingscut leicht gezeichnet.

"Es wird richtig krachen"

Bösel beobachtete Fornlings Verbalgeraden wiederholt genüsslich schmunzelnd und ließ sich von dessen aufreizenden Brüskierungen keineswegs einschüchtern. "Er ist von sich überzeugt und ich von mir – das muss man als Boxer sein, sonst braucht man nicht antreten", sagte der ebenfalls 30-Jährige diplomatisch.

Fornlings Vorlagen ließ der SES-Kämpfer dann trotzdem nicht ungekontert verhallen: "Mich hat noch nie jemand richtig ausgeknockt. Wir wissen, dass Sven nicht der Riesen-K.o.-Schläger ist – er schaut immer schön über seine Handschuhe, da wird es richtig krachen. Ich bin schneller und der bessere Boxer", antwortete Bösel vorfreudig.

Quervergleich mit Murat zugunsten Fornlings

Der gebürtige Freyburger schlief als kleiner Junge in den 90er Jahren in Bettwäsche des damaligen Weltmeisters und heutigen MDR-Experten Henry Maske, boxt selbst seit 25 Jahren – der Doppel-Titelkampf am Samstagabend wird der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere.

Dominic Bösel bei der Vorbereitung zum anstehenden WM Kampf gegen Wikinger Fornling in Halle Saale
Dominic Bösel steht vor dem bislang größten Kampf seiner Karriere. Bildrechte: imago images/VIADATA

Eine Niederlage erlitt Dominic Bösel in seinen bislang 30 Profikämpfen – 2017 im Duell mit Karo Murat. Danach war sogar eine Hirnblutung aufgetreten, verriet der Unterlegene jüngst in der "SportBild". "Ich war zu dem Zeitpunkt nicht topfit", gesteht der derzeitige WBA-Ranglisten-Erste und unterstrich: "Aber ich habe alles auskuriert, konnte voll durchtrainieren, Boxen macht mir wieder richtig Spaß." Gegen Karo Murat wiederum gewann Fornling 2018 den IBO-Titel.

Großes Interesse am Kampf

Bösels angekündigte Topform käme genau zur richtigen Zeit. Denn: "Es ist einer der wichtigsten Kämpfe der vergangenen Jahre mit ganz viel Brisanz. Box-Deutschland hat noch gar nicht richtig begriffen, welchen Stellenwert dieser Kampf hat", betonte SES-Promoter Ulf Steinforth.

Dominic Bösel (li.), SES-Promoter Ulf Steinforth (mi.) und Sven Fornling (re.) auf der Pressekonferenz am 13.11.2019.
SES-Promoter Ulf Steinforth inmitten der beiden Titelkämpfer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das öffentliche Interesse ist enorm. Nicht nur der MDR überträgt live – auch der US-Sportsender ESPN sendet für die Boxfans in den Vereinigten Staaten. Zudem hat sich allein aus Fornlings Heimatland Schweden bereits mehr als ein Dutzend Journalisten akkreditieren lassen. Und die gute Nachricht für kurzfristig Entschlossene: Tickets für die Messe Arena in Halle sind weiterhin erhältlich, ergänzte Steinforth.

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mhe

"Sport im Osten: Boxen live" aus Halle am 16. November von 22.35 bis 0.35 Uhr im MDR FERNSEHEN und im Livestream.

Sven Fornling in der Pressekonferenz. 1 min
Bildrechte: Sport im Osten

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 16. November 2019 | 22:35 Uhr

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