Erster Fall in Deutschland Afrikanische Schweinepest - Welche Gefahr besteht für Mensch und Haustier?

Die Tierseuche Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. Nach dem Fund eines verendeten Wildschweins an der deutsch-polnischen Grenze, gab es am Donnerstag die Bestätigung des Verdachts. Muss ich jetzt etwas beim Spaziergang mit dem Hund beachten? Darf meine Katze noch raus? Viele Fragen stellen sich jetzt auch Haustierbesitzer. Die Sorge ist jedoch größtenteils unbegründet.

19.06.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Kaliss: Wildschweine stehen in einem Wildgatter.
Die Afrikanische Schweinepest wurde im Kadaver eines Wildschweins an der deutsch-polnischen Grenze nachgewiesen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte dazu am Donnerstag (10.09.2020), dass sich ein Verdachtsfall bei einem Wildschwein-Kadaver in Brandenburg "leider bestätigt" habe. Der Kadaver wurde wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt im Spree-Neiße-Kreis gefunden, in der Gemeinde Schenken-Döbern. Eine Probe wurde Mittwochabend ins Friedrich-Loeffler-Institut, das nationale Referenzlabor für solche Fälle, gebracht und dort virologisch untersucht. Am Donnerstagmorgen lag das Ergebnis vor.

Brandenburg reagiert auf Fund

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher erklärte, um den Fundort des Tieres, das vermutlich aus Polen kam, werde ein "vorläufig gefährdetes Gebiet mit einem Radius von mindestens 15 Kilometer" abgegrenzt, das bis nach Polen hineinreichen werde. In diesem Gebiet herrsche zum Beispiel ein striktes Jagdverbot, um keine Wildschweine aufzuschrecken.

Infektion meist Todesurteil für Schweine

Welche Folgen hat die Afrikanische Schweinepest? Für Wildscheine und Hausschweine endet die Seuche "fast immer tödlich", sagte Klöckner. Das Virus sei "hoch infektiös" und "hoch stabil" - das heißt, es übersteht selbst große Temperaturschwankungen, etwa wenn Fleisch eingefroren wird. Selbst geringste Kontaminierungen beispielsweise an Jagdtrophäen oder Spuren an Stiefeln bergen die Gefahr einer Weiterverbreitung des Virus.

ARCHIV - 29.01.2018, Hessen, Wetzlar: Ein Schild mit der Aufschrift «Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk-» steht im hessischen Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial an einen Tieranhänger gelehnt.
Die Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. (Archiv) Bildrechte: dpa

Keine Gefahr für Menschen und Haustiere

Für Menschen und andere Säugetiere wie Hund und Katze ist die Afrikanische Schweinepest hingegen ungefährlich, da sie ausschließlich Schweine befällt und nicht auf andere Säugetiere übertragbar ist. Selbst beim Verzehr von gegebenenfalls kontaminiertem Fleisch gehe keine Gefahr für den Menschen aus, so Klöckner. Der Verband der Fleischwirtschaft versicherte ebenfalls, der Verzehr von Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnissen sei "unbedenklich".

Klöckner warnt vor Panikmache

Vor Ort gelte es nach Angaben von Klöckner jetzt zu klären, ob es über den Kadaver hinaus eine Verbreitung in dem Gebiet gebe. Ziel sei es, das Geschehen einzugrenzen. Für Landwirte könnten nun Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland etwa nach Asien drohen. Klöckner warnte aber vor Panikmache bei den wirtschaftlichen Folgen: "Es ist ein Wildschwein gefunden worden in einem Landkreis."

Julia Klöckner
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner warnt vor Panikmache nach dem Fund eines infizierten Wildschwein-Kadavers. Bildrechte: dpa

Exportwirtschaft in Sorge

Dennoch muss sich die Landwirtschaft auf wirtschaftliche Folgen einstellen. Klöckner betonte, dass der Handel mit Schweinen und Schweinefleisch innerhalb der EU weitgehend aufrechterhalten werden könne - von Einschränkungen betroffen wären nicht Betriebe in ganz Deutschland, sondern nur in dem konkreten Gebiet. Nach Angaben des Ministeriums ist aber davon auszugehen, dass Schweinefleischexporte aus Deutschland besonders nach Asien weitgehend wegfallen dürften. Das Ministerium sei aber in Kontakt mit mehreren Nicht-EU-Staaten, um ebenfalls nur regionale Beschränkungen zu vereinbaren, hieß es.

ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. September 2020 | 17:15 Uhr

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