Vom Festland nach Helgoland André Wiersig: Extremschwimmer und Botschafter der Meere

Extremschwimmer André Wiersig ist als erster Mensch vom Festland nach Helgoland geschwommen. Doch er hat auch bereits die "Ocean’s Seven" bezwungen und eine Mission: Rettet die Weltmeere! Denn der Plastikmüll nimmt Überhand.

Ein Mann schwimmt von einem Boot weg. Ein Mann in einem Kanu begleitet den Schwimmer.
Die letzten Meter vor Helgoland Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Extremschwimmer André Wiersig ist als erster Mensch vom Festland nach Helgoland geschwommen. Für die knapp 50 Kilometer durch die Nordsee brauchte der 49-Jährige rund 18 Stunden.

Um 2 Minuten nach Mitternacht stieg Wiersig ins 16 Grad kalte Wasser - begleitet von zwei kleinen Booten. In einem davon saß Wiersigs Schwager Jürgen Peters, der ihn seit Jahren unterstützt. Auch sein Fotograf Dennis Daletzki und ein Experte für Meereskunde waren mit an Bord.

Extremschwimmer Andre Wiersig wird bei seiner Ankunft auf Helgoland von Ehefrau Beate begrüߟt.
An der Helgoländer Düne wartet Ehefrau Beate auf André Wiersig. Bildrechte: dpa

Der erfahrene Nautiker errechnete immer wieder die optimale Strecke. Um kurz nach 18 Uhr ging der Langstreckenschwimmer wieder an Land - und nahm als erstes seine Frau Beate in die Arme.

Facebook-Live-Video während der Strecke hier ansehen:

Aufgeben ist keine Option

Zu schaffen machte ihm nach eigener Aussage eine starke Strömung auf halber Strecke. "Da kam ich stundenlang nicht von der Stelle", sagte der Langstreckenschwimmer der Deutschen Presse-Agentur. "Aber ich habe keine Sekunde überlegt, aufzugeben." Es sei ein großartiges Erlebnis gewesen, die wilde Nordsee so intensiv zu erleben.

Ein Jahr Vorbereitung sei notwendig gewesen, hatte der Extremsportler aus Paderborn im Vorfeld erzählt. Trainiert wurde an einem sonnigeren Ort: Mallorca.

Ein Mann steht an einem leeren Strand und schaut lächelnd in die Kamera.
Kurz nach Ankunft auf Helgoland: Langstreckenschwimmer André Wiersig ist sichtlich erleichtert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Botschafter der Meere: Plastikmüll reduzieren

Die Wahnsinnsstouren, die sich André Wiersig antut, haben einen ernsten Hintergrund: Wiersig ist Botschafter der Deutschen Meerestiftung. Das Überleben der Ozeane ist ihm eine Herzensangelegenheit. Der 49-Jährige sagt: "Ich schäme mich für uns alle". Und meint damit den Berg an Plastik, der in unseren Meeren herumschwimmt. Wiersig hält Vorträge und geht an Schulen, um über Umweltverschmutzung aufzuklären.

Er erzählt unter anderem, wie er durch Berge von Müll schwamm oder sich in einer Plastikplane verhedderte. Oder sich an einer herumtreibenden Europalette eine Platzwunde am Kopf holte.

Schwimmer Andre Wiersig bei der Frankfurter Buchmesse
André Wiersig trat unter anderem bei der Frankfurter Buchmesse auf. Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency

"Da verändert sich was. Auf einmal ist man in derselben Situation wie die Tiere. Und ich habe es als Aufgabe mitgenommen, davon zu erzählen", sagte Wiersig in einer NDR-Doku. "Wir müssen uns verändern. Sonst ist bald Feierabend." Denn jährlich landen nach Angaben des WWF fast 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren.

Wir müssen uns verändern. Sonst ist bald Feierabend.

André Wiersig NDR

Deutschland hält seit Jahren einen traurigen Rekord in Europa: Wir produzieren mit Abstand den meisten Verpackungsmüll. Auf jeden Einwohner entfallen laut Deutscher Umwelthilfe 227 Kilogramm Verpackung pro Jahr. Weil immer mehr To-go-Angebote und Single-Größen angeboten werden.

Plastikmüll im Alltag vermeiden: So einfach geht's!

Eine Hand hält ein Einkaufsnetz
Wer beim Einkauf die eigene Tasche vergessen hat, muss für seine Tüte - egal ob aus Papier oder Plastik - bezahlen. Das ist gesetzlich geregelt. Deshalb: Immer schön ans gute alte Einkaufsnetz denken! Bildrechte: imago/Petra Schneider
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Mehrweg-Frischenetze
Nicht nur das Einkaufsnetz, auch ein so genanntes Mehrweg-Frischenetz für den Kauf von Obst und Gemüse sollte man immer dabei haben. Bildrechte: imago images / Karina Hessland
Pfand-Kisten in einem Edeka Frischecenter
Fällt der Einkauf ungeplant etwas größer aus - oder hat man in der Hektik die eigene Tasche vergessen, bieten viele Supermärkte zum sicheren Transport Pfandkisten an. Bildrechte: imago images / biky
Eine Kundin beim Einkaufen von unverpacken Lebensmitteln
Unverpackt-Läden gibt es schon in vielen Städten. Wer dort einkauft, bringt sich seine Verpackung selbst mit. Bildrechte: imago/Michael Schick
Mit Bienenwachstüchern kann man Lebensmittel, wie Brot, Obst, Kuchen und Gemüse umweltschonend und hübsch einpacken und lange frisch halten
Alufolie war gestern! Heute wickelt man sein Pausenbrot in ein Bienenwachstuch. Das kann man übrigens ziemlich einfach selbst herstellen. Bildrechte: TOFF & ZÜRPEL/ Nestler & Glandt GbR
Bambus-Kaffee-Becher
Coffee-to-go ist eine feine Sache! Doch wer häufiger darauf zurückgreift, der sollte immer einen Mehrwegbecher in der Tasche haben ... Bildrechte: imago images / Jan Huebner
Einwegbesteck aus Holz
Ab 2021 in der EU verboten: Plastikteller und Einwegbesteck aus Kunststoff. Schon heute gibt es günstige Alternativen aus Palmblättern - oder auch essbare Varianten. Bildrechte: imago/Jochen Tack
Trinkhalm aus Glas in einem Wasserglas
Ebenfalls tabu ab 2021 sind Trinkhalme aus Plastik. Alternativ kann man Strohhalme aus Glas oder Metall nutzen. Ein kleines Bürstchen zur Reinigung gibt's meist inklusive. Bildrechte: imago images/Bernd Friedel
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Doku über André Wiersig hier ansehen:

Als erster Deutscher die "Ocean's Seven" durchschwommen

Wiersig ist der erste Deutsche, der die sieben wichtigsten Meerengen der Welt durchschwommen hat. Und er ist der erste, der alle Strecken im ersten Versuch gemeistert hat.

Die sieben Strecken auf fünf Kontinenten gelten als ultimative Herausforderung im Freiwasserschwimmen und als Äquivalent zu den sieben höchsten Berggipfeln der Erde. Die Regeln haben seit 1875 Bestand: Nur Badekappe, Badehose und Brille sind erlaubt. Kein Neoprenanzug! Nur 20 Menschen haben bis jetzt die "Oceans's Seven" gemeistert.

Das sind die "Ocean’s Seven"

Ärmelkanal zwischen England und Frankreich
Kaiwi-Kanal auf Hawaii
North Channel zwischen Schottland und Irland
Straße von Catalina vor der Küste Kaliforniens
Tsugaru-Straße zwischen Honshu und Hokkaido im Norden Japans
Cook-Straße zwischen der Nord- und  Südinsel Neuseelands Straße von Gibraltar zwischen Spanien und Marokko

Quelle: dpa/NDR/facebook

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. August 2021 | 17:00 Uhr

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