Ansteckungsrate Erste Erfolge im Kampf gegen Corona - Was bedeutet 0,7?

Gute Nachrichten im Kampf gegen das Coronavirus. Die bisherigen Maßnahmen zeigen Wirkung! Die sogenannte Reproduktionszahl liegt derzeit bei 0,7. Was diese Zahl bedeutet und warum die Intensivbetten vielleicht doch knapp werden könnten, klären wir hier!

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Die strikten Vorgaben gegen die Ausbreitung des Coronavirus scheinen zu fruchten. Bildrechte: imago images/Xinhua

Der Ausbruch sei beherrschbar geworden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Freitag. Denn die Reproduktionszahl liegt weit unter der magischen 1. Auch das Robert-Koch-Institut ist zufrieden. Seit dem 12. April gibt es täglich weniger Neuinfektionen, aber mehr Menschen, die wieder gesund sind. Deutschland ist also auf einem richtigen Weg.

Doch Neuerkrankungen gibt es noch immer zu viele. Seit dem 18. März breitet sich das Virus vermehrt in Pflegeheimen und Krankenhäusern aus. Experten sehen also keinen Grund, Social Distancing zu vernachlässigen!

Die magische 0,7 - Was bedeutet das?

Die Reproduktionszahl ist die Anzahl der Coronainfizierten Menschen, die durchschnittlich andere, noch gesunde Menschen anstecken.

Virologen gehen davon aus, dass ein Mensch besonders innerhalb der ersten vier Tage seiner (noch bis dahin unentdeckten) Corona-Infektion andere Menschen anstecken kann. Aus diesem Grund wurde das bundesweite Kontaktverbot erlassen.

Wenn jeder Mensch im Durchschnitt zwei andere Menschen ansteckt, dann spricht man von R = 2. Die Anzahl der neuen Infektionen verdoppelt jeweils nach vier Tagen. Wenn die Reproduktionszahl größer als 1 ist, breitet sich das Virus aus und wenn sie kleiner als 1 ist, geht die Epidemie zurück.

Die Schätzung für Anfang März ergab einen Wert von 3, der danach allmählich absank, und sich etwa seit dem 22. März um 1 stabilisiert hatte. Am 9. April lag der Wert von R bei 0,9. Am 17. April lag er erstmals bei 0.7. Eine Person, die infiziert ist, steckt im Durchschnitt also weniger als eine andere Person mit Corona an. Doch das bedeutet keinen Freifahrtschein, um die Kontaktbeschränkungen aufzuheben. Denn wie die vielen Neuinfektionen besonders vieler älterer Menschen zeigen, sind wir noch lange nicht über den Berg.

Eine Mitarbeiterin zieht sich in einem Fachgeschäft für Berufskleidung einen Mundschutz an.
Ein Mundschutz schützt andere vor den eigenen möglichen Viren. Bildrechte: dpa

Wie viele Intensivbetten gibt es?

In Deutschland gibt es in 1.160 Krankenhäusern intensivmedizinische Betten. Die Gesamtzahl der Betten beträgt laut Statischem Bundesamt 28.031. Diese Zahl sollte nach dem Willen der Bundesregierung schnellstmöglich auf 40.000 aufgestockt werden. Wie viele Intensivbetten in Deutschland derzeit frei sind, ist nicht genau bekannt. Denn einen gesamtdeutschen Überblick gibt es nicht. Gesundheitsminister Spahn sprach von 10.000 freien Intensivbetten. Doch diese Zahl ist nur eine große Schätzung. Daher startet am Freitag eine Website, über die freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands registriert und abgefragt werden können. 

Warum ist die Reproduktionszahl wichtig für die Krankenhäuser?

Geschätzt brauchen zwei bis sechs Prozent der Covid-19-Patienten ein Intensivbett mit Beatmung, auf dem sie zwischen zehn und 20 Tage liegen.

Im besten Falle brauchen nur zwei Prozent der Infizierten eine Intensivbehandlung, die zehn Tage dauert. Dann ist die Grenze von 10.000 Betten bereits bei einer Reproduktionszahl von 1,25 über einen längeren Zeitraum hinweg erreicht. Schlimmstenfalls brauchen sechs Prozent der Infizierten ein Intensivbett für 20 Tage - und hier ist schon eine Reproduktionszahl von 1,1 kritisch.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. April 2020 | 17:15 Uhr

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