Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie" und steht auf einer Leinwand.
Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie". Bildrechte: dpa

Sprachkritik "Anti-Abschiebe-Industrie" ist Unwort des Jahres

BRISANT | 15.01.2019 | 17:15 Uhr

Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie" und steht auf einer Leinwand.
Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie". Bildrechte: dpa

Der Begriff "Anti-Abschiebe-Industrie" ist zum Unwort des Jahres 2018 gewählt worden. Das hat die Sprecherin der Unwort-Jury, Nina Janich, in Darmstadt bekanntgegeben. Es handelt sich um einen Begriff, den der CSU-Politiker Alexander Dobrindt geprägt hat. Zur Begründung hieß es, der Ausdruck unterstelle denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützten, sie wollten auch kriminelle Flüchtlinge schützen und damit Geld verdienen.

Insgesamt knapp 900 Vorschläge

Die Jury kritisierte außerdem die Begriffe "Menschenrechtsfundamentalismus" und "Ankerzentrum". Der Vorschlag "Anti-Abschiebe-Industrie" wurde zehn Mal als Unwort-Kandidat eingesandt. Insgesamt gingen bei der Jury knapp 900 Vorschläge ein, darunter etwa 500 unterschiedliche Ausdrücke. Mit Abstand am häufigsten genannt wurde der Begriff "Asyltourismus".

Über die Auszeichnung Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt. Initiiert hat die Aktion der Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser, der von 1991 bis 2010 auch Juryvorsitzender war. Seit 2011 ist die Darmstädter Sprachwissenschaftlerin Nina Janich Jury-Sprecherin.

Die Auszeichnung dient der Sprachkritik und soll das Bewusstsein für die Verwendung von Begriffen schärfen. Nominiert werden können Bezeichnungen, die beispielsweise gegen das Prinzip der Menschenwürde oder die Prinzipien der Demokratie verstoßen, weil sie einzelne Gruppen diskriminieren oder euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind.

Die Auswahl erfolgt in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Jeder kann bis zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres Unwort-Vorschläge machen. Eine unabhängige Jury wählt dann das "Gewinnerwort" aus diesen Einsendungen aus.

Die Unwörter der vergangenen Jahre
2017 Alternative Fakten  
2016 Volksverräter  
2015 Gutmensch  
2014 Lügenpresse  
2013 Sozialtourismus  
2012 Opfer-Abo  
2011 Döner-Morde  
2010 Alternativlos  

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Januar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 19:25 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren