Coronavirus Antikörpertest: Welche Produkte gibt es, wo kann man sich testen lassen - und wer trägt die Kosten?

War ich bereits mit dem neuartigen Coronavirus infiziert und habe es nicht gemerkt? Eine Frage, die derzeit viele Menschen umtreibt. Denn wer sich einmal infiziert hat, der kann andere nicht mehr anstecken und ist vor einer erneuten Erkrankung geschützt - so zumindest die landläufige Meinung. Stimmt die wirklich, wann sollte man einen Antikörpertest machen lassen, wo ist das möglich - und wer trägt die Kosten dafür?

Ein Mann benutzt den COVID-19 Antikörper-Testkit zum Eigentest im Privat-Einsatz am Küchentisch, mit der sterilen Einwegkapillare saugt er den Bluttropfen von seinem Mittelfinger für den Teststreifen.
Sollte man sich auf Antikörper gegen das neuartige Coronavirus testen lassen? Eine Frage, die derzeit viele Menschen umtreibt. Bildrechte: imago images/MiS

Falsche Sicherheit durch Antikörper-Tests?

Habe ich mich bereits mit dem Coronavirus infiziert? Eine Frage, die zahlreiche Menschen umtreibt. Denn dann, so glauben viele, sei man vor einer erneuten Infektion sicher - und könne auch andere Menschen nicht mehr anstecken. Doch belegt ist das bislang nicht.

Fällt ein Antikörpertest auf SARS-CoV-2 positiv aus, bedeutet das bestenfalls, dass der Getestete mit dem Virus infiziert war. Viele andere wichtige Fragen bleiben ungeklärt. Ob und für wie lange man vor einer Reinfektion geschützt ist, darüber kann nur spekuliert werden.

Ein weiteres Risiko: Selbst bei einer hohen Spezifität kann ein Antikörpertest ein falsch-positives Ergebnis liefern. Für den Getesteten wäre das fatal. Es läge nahe, sich in falscher Sicherheit zu wiegen, Abstands- und Hygieneregeln zu missachten - und damit eine neue Infektionskette zu provozieren.

Relevante Daten für Politik, Wirtschaft und Medizin

Für Politik und Wirtschaft sind Antikörpertests von ganz anderer Relevanz. Sie erhoffen sich von den einzelnen Testreihen epidemiologische Daten, die ihnen erlauben, das soziale und wirtschaftliche Leben wieder aufzubauen.

Auch für Mediziner und Epidemiologen sind diese Daten von Interesse. Denn solange kein Impfstoff und kein Medikament gegen die Corona-Pandemie auf dem Markt sind, kann nur eine Durchseuchung der Bevölkerung - eine sogenannte Herdenimmunität - das Infektionsgeschehen stoppen. Und über genau diese geben die Antikörpertests Aufschluss. Außerdem können Fehlerquoten innerhalb von Studien rechnerisch ausgeglichen werden. Beim Test eines einzelnen Patienten ist das nicht möglich.

Schafherde auf den Poller Wiesen
Haben sich 60 bis 70 Prozent einer Bevölkerung mit einem Virus infiziert und Antikörper dagegen gebildet, spricht man von einer Herdenimmunität. Bildrechte: imago images/Future Image

Finger weg von Corona-Antikörper-Selbsttests!

Noch sind viele Antikörpertests auf das neuartige Coronavirus mit Unsicherheit behaftet. Vor allem von sogenannten Schnelltests aus Internet oder Apotheke sollte man tunlichst die Finger lassen, denn ihre Ergebnisse sind sehr unsicher. Und: Selbst wenn man sich auf sein Testergebnis verlassen könnte, kann man damit letztendlich nicht viel anfangen.

Sichere Test-Ergebnisse beim Arzt

Möchte man sich auf das Ergebnis seines Antikörpertests verlassen können, sollte man den Test bei seinem Arzt vornehmen lassen. Der nimmt Blut ab und lässt den Test in einem Labor auswerten. Beim Arzt werden Antikörpertests in erster Linie bei Patienten angewendet, die zuvor nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert bzw. an COVID-19 erkrankt waren oder in der Vergangenheit ähnliche Krankheitssymptome hatten, ohne auf Corona getestet worden zu sein.

Bei einer Antikörper-Testung werden dem Patienten im Abstand von sieben bis 14 Tagen zwei Blutproben entnommen. Die zweite Probe sollte nicht vor der dritten Woche nach Symptomeintritt genommen und im selben Labor untersucht werden. Befürwortet der Arzt eine Testung, trägt die Kosten dafür die Krankenkasse.

Zu einer Testung aus rein privatem Interesse raten viele Mediziner derzeit nicht. Dafür sei Sars-CoV-2 in Deutschland "noch nicht ausreichend" verbreitet.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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