Vor dem Boostern Ist mein Corona-Impfschutz noch wirksam - Wie sinnvoll sind Antikörpertests?

Viele fragen sich, ob die Corona-Impfung noch genügend schützt oder sie sich boostern lassen sollten. Liefert ein Antikörper-Test die Antwort? Nicht ganz, denn Gewissheit über das eigene Immunsystem bringen die Tests nicht.

Testkit für eine Laboranalyse von Covid-19 Antikörpern für Zuhause.
Bringt ein Antikörper-Test wirklich Sicherheit über das eigene Immunsystem? Bildrechte: IMAGO / Rolf Poss

Welche Antikörpertests gibt es und was messen sie?

Jeder Mensch bildet nach jeder Infektion oder Impfung, egal mit welchem Virus oder Bakterium, eine Antikörper-Immunantwort, die abgekürzt "IgG" genannt werden. Sie bilden sich rund 14 Tage nach der Infektion bzw. der Impfung.

Bestimmte IgG-Antikörper gegen das Coronavirus sind S-Antikörper, die gegen die stachelige Außenhülle des Coronavirus, das Spike-Protein, gerichtet sind. Sie dienen als Hinweis auf eine erfolgreiche Impfung. Gab es hingegen bereits eine Infektion, bildet der Körper zusätzlich Antikörper gegen das innere Nukleoprotein des Virus, die N-Antikörper.

Die neue Generation der Antikörper-Tests aus der Apotheke oder dem Internet - die sogenannten Surrogat-Neutralisationstests - messen genau diese "neutralisierenden" Antikörper. Bei beiden legt ein positives Ergebnis nahe: Man hat Antikörper, die tatsächlich wirksam sind gegen SARS-CoV-2.

Viele Antikörper gleich hohe Immunität?

Eine geringe Antikörper-Konzentration bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Immunität mehr besteht. Und andersherum: Ein hoher Antikörper-Spiegel ist noch kein Garant für absolute Immunität. Mehrere Studien haben zudem bereits nachgewiesen, dass die Wirkung einer Corona-Impfung nach rund sechs Monaten nachlässt. Aus diesem Grund vermehren sich derzeit die Impfdurchbrüche.

Auch Geimpfte können sich mit dem Corona-Virus infizieren, landen aber kaum auf der Intensivstation. Ein guter Schutz vor schweren Verläufen ist also weiterhin gegeben. Nichtsdestoweniger wird besonders älteren Menschen eine Booster-Impfung empfohlen.

Selbst eine Studie aus Australien weist ausdrücklich darauf hin, dass es keinen Grund gibt, zu glauben, eine hohe Konzentration an Antikörpern schütze vor einer Erkrankung.

Menschen in der Einkaufsstraße und Fußgängerzone in der Innenstadt von Heidelberg.
Trotz hoher Antikörperzahl kann man sich mit dem Coronavirus infizieren. Bildrechte: imago images/Ralph Peters

Antikörpertest vor Booster-Impfung sinnvoll?

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte e.V. plädiert für ein strukturiertes regelmäßiges Testen auf Antikörper, um besonders gefährdete Gruppen bestmöglich zu schützen und zeitnah boostern zu können. Antikörpertests könnten Patienten "eine gewisse Orientierung und Sicherheit geben, wie es um ihren Immunschutz steht", so der Vorsitzende, Dr. Andreas Bobrowski.

Das RKI hat dazu eine klare Meinung: Verbindliche Grenzwerte für Corona-Antikörper gibt es nicht. Laut Aussage von Immunologen variiert die Konzentration an Antikörpern je nach individuellem Gesundheitszustand und Alter. Möglicherweise ist sie zu gering, als dass der Test sie erkennt, aber stark genug, um vor einer Infektion zu schützen.

In einem Kalender steht der Schriftzug Boosterimpfung.
Die dritte Impfung ist für viele Menschen sinnvoll. Bildrechte: dpa

Auch T-Zellen an Immunantwort beteiligt

Neben den Antikörpern bildet das Immunsystem auch CD8- Zellen und T-Zellen, die "Gedächtniszellen". Sie können lange Zeit im Körper schlummern, vielleicht sogar ein Leben lang. Und sie bilden dann im Fall der Fälle auch die IgG-Antikörper, die das Virus wiedererkennen und bekämpfen. Daher bekommen Genesene nur eine einzige Impf-Dosis. Sie haben bereits genügend Antikörper gebildet.

Das britische Unternehmen Emergex entwickelt einen Impfstoff speziell für T-Zellen. Anders als die herkömmlichen Covid-Impfstoffe, die eine Antikörperreaktion hervorrufen, soll dieser Impfstoff die T-Zellen im Körper dazu anregen, die mit dem Virus infizierten Zellen zu finden und zu töten. Er soll aber nicht vor 2025 auf den Markt kommen.

Was kostet ein Antikörpertest?

Von Schnelltests oder Antikörpertests für zu Hause wird abgeraten - zu unsicher. Verschiedene Messmethoden verwirren eher als dass sie informieren. Der Preis kann um die 50 - 60 Euro pro Test liegen.

Beim Hausarzt kostet ein Test ab 20 Euro. Surrogat-Neutralisationstests beginnen bei 35 Euro. Sie werden nicht von der Krankenkasse bezahlt, nur bei "medizinischer Notwendigkeit".

Quelle: SWR/ärzteblatt/BDL/RKI/DGN/DGfI

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. November 2021 | 17:15 Uhr

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