Nachhaltigkeit App rettet Lebensmittel vor dem Müll

82 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder Deutsche im Schnitt jährlich weg. Die App "Too good to go" will Abhilfe schaffen: Restaurants, Bäckereien und andere Betriebe, die Essen übrig haben, können es online anbieten, statt es in den Müll zu werfen. In Sachsen-Anhalt ist das noch wenig verbreitet – aber trotzdem ein Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit.

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN-ANHALT

App-Nutzer Sören Schust und Hotelleiterin Sina Parschmann
App-Nutzer Sören Schust, der sich Essen vom Buffet holt, und Leiterin des Magdeburger Hotels "Mercure" Sina Parschmann. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Sören Schust holt sich morgens um halb elf schon sein Mittagessen. Baked Beans, Buletten und gekochte Eier – neben Wurst, Käse und Marmelade sind auch sie beim Frühstück des Mercure-Hotels im Magdeburger Süden übriggeblieben. Alles warmgehalten und zu gut für die Tonne; eben "zu gut zum Wegwerfen", so wie auch die App sinngemäß übersetzt heißt. Über sie hat Schust die Box bestellt, die er sich nun selbst füllen kann. "Ich arbeite hier um die Ecke, da ist das super praktisch", meint Schust. 3,50 Euro kostet ihn das, bezahlt wird per Online-Bezahldienst "PayPal" oder Kreditkarte über die App "Too good to go". Die Preise für eine Essensbox liegen zwischen zwei und vier Euro.

Die Leiterin des Hotels, Sina Parschmann, ist froh über jede verkaufte Box. "Das ist etwas, was uns sehr beschäftigt in der Gastronomie: die Resteverwertung. Vieles lässt sich leider nicht weiterverwerten. Eine App wie 'Too good to go' ist genau das, was wir brauchen." Einerseits wolle sie so etwas für die Umwelt tun. Durch die App kämen aber auch neue potenzielle Gäste ins Hotel.

App in Sachsen-Anhalt noch wenig verbreitet

12 Unternehmen machen in Magdeburg bisher mit, 10 in Halle und insgesamt 40 in Sachsen-Anhalt. 1.300 App-Nutzer haben laut der Organisation bisher rund 3.200 Mahlzeiten bestellt. Es komme langsam ins Rollen, heißt es von "Too good to go" – Hotspot in Deutschland ist Berlin mit über 500 teilnehmenden Betrieben, gefolgt von Hamburg (mehr als 400 Betriebe), München und Köln (je mehr als 120 Betriebe).

Privathaushalte sind Hauptverursacher für Müll

Screenshot der App Too good to go
In der App werden Betriebe, in denen Lebensmittel übrig bleiben, mit grünen Punkten angezeigt. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Zu finden sind die Betriebe auf einer Straßenkarte. Grüne Punkte auf den jeweiligen Adressen zeigen an, dass dort Boxen bestellt werden können. Meist werden sie abends angeboten, wenn nach Ladenschluss alle Reste weggeschmissen werden müssten.

Laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen geht mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel zwischen "Acker und Gabel" verloren. Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden allein in Deutschland pro Jahr weggeworfen. Privathaushalte sind dabei die Hauptverursacher.

Apps für nachhaltige Ernährung liegen im Trend

Essen in einer Verpackung am Buffet
Unterschiedliche Projekte sollen helfen Lebensmittel vor dem Müllkorb zu retten. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Die Bundesregierung hat 2012 die Aktion "Zu gut für die Tonne" gestartet. In der "Reste-App" gibt es Wissenswertes zu Lebensmitteln, Rezepte für Mahlzeiten aus Resten und einen Einkaufsplaner. Andere Projekte wie "Olio" setzen auf die Verteilung von Essen zwischen Nachbarn im direkten Austausch – ähnlich wie foodsharing.de. Und "Lebensmittel retten Magdeburg" betreibt über die Stadt acht Kühlschränke verteilt, die von Nutzern gefüllt und geleert werden können. Auch gibt es in Sachsen-Anhalt einige Geschäfte, die ganz ohne Plastik-Verpackungen auskommen.

Christine Warnecke
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Christine Warnecke ist gebürtige Niedersächsin und arbeitet seit September 2017 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Radio- und Online-Redaktion, insbesondere das Studio Magdeburg. Davor hat sie in Praktika bei der Bild-Zeitung Hannover, bei Radio mephisto 97.6 und der Zeitung "Costa del Sol"-Nachrichten in Spanien Erfahrung gesammelt.

Sie studierte Journalistik an der Universität Leipzig und volontierte bei der Neuen Westfälischen Zeitung in Bielefeld. Nach diesem Abstecher in den Teutoburger Wald fühlt sie sich nun fast überall nahe der elbischen Fluten wohl.

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Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Juli 2018 | 12:04 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2018, 08:38 Uhr