Bestatter schieben vor einem Haus einen Sarg in einen Leichenwagen.
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Ermittlungs- und Obduktionsergebnisse Nach Armbrust-Drama: 19-jährige Vermisste offenbar unter Toten

BRISANT | 14.05.2019 | 17:15 Uhr

Nach dem Tod von vier Frauen und einem Mann in Wittingen und Passau hat die Polizei neue Erkenntnisse. Unter den Opfern in Wittingen war nach BRISANT-Informationen eine seit zwei Jahren vermisste 19-Jährige.

Bestatter schieben vor einem Haus einen Sarg in einen Leichenwagen.
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Fünf Leichen und drei Armbrüste, eine einsame Pension und eine Wohnung - das sind die Eckdaten eines mysteriösen Kriminalfalles, der sich über drei Bundesländer erstreckt. Inzwischen sind die Identitäten aller fünf Opfer geklärt.

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Passauer Opfer obudziert - erweiterter Suizid wahrscheinlich

Im Fall der drei in einer Passauer Pension mit Armbrustpfeilen getöteten Menschen geht die Staatsanwaltschaft von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus. Es gebe weiterhin keine Hinweise darauf, dass eine vierte Person an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnte, sagte am Dienstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Passau. Unklar ist nach wie vor, wie die zwei am Montag in einer Wohnung in Wittingen im Kreis Gifhorn tot aufgefundenen Frauen ums Leben kamen - und wie die Fälle genau zusammenhängen.

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung steht neben seinem Einsatzwagen.
Ein Mitarbeiter der Spurensicherung ermittelt in Wittingen. Bildrechte: dpa

Pfeile in Herz und Hals

Die Obduktion der Leichen aus Passau ergab, dass ein 53-jähriger Mann und eine 33-jährige Frau, die Hand in Hand in einem Bett lagen, jeweils durch einen Schuss ins Herz getötet wurden. Bei einer 30-Jährigen, die in dem Zimmer auf dem Boden lag, sei ein Schuss in den Hals sofort tödlich gewesen. Es deute alles darauf hin, dass die 30-Jährige erst die beiden anderen und dann sich selbst erschossen habe. Man könne das Geschehen auch als erweiterten Suizid betrachten.

Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien. Bei keiner der drei Leichen gebe es Kampf- oder Abwehrspuren. Die 30-Jährige war laut Polizei Verkaufsleiterin in einer Bäckerei. Der 53-Jährige und die 33-Jährige waren in einer Gemeinde im Westerwald in Rheinland-Pfalz gemeldet. Vor der Pension in Passau, in der sich die beiden gemeinsam mit der 30-Jährigen am Freitag eingemietet hatten, stellte die Polizei das Auto der 33-Jährigen sicher. Der weiße Pick-up werde noch untersucht.

Blick durch das Geländer einer Brücke über die Ilz auf eine Pension
Blick auf die Pension an der Ilz in Passau. Bildrechte: dpa

Noch keine Obduktionsergebnisse der Wittinger Opfer bekannt

Zudem seien in dem Pensionszimmer zwei Testamente gefunden worden, die von den beiden im Bett liegenden Personen stammten, sagte der Sprecher. Das Ergebnis der Obduktion der beiden getöteten Frauen in Wittingen stand am Dienstagmittag noch aus. In der Wohnung wurden - anders als in Passau - laut Polizei keine Armbrüste oder Pfeile gefunden. Die Leichen lagen in der Wohnung der 30-Jährigen, die in Passau starb.

Opfer von Wittingen: vermisste 19-Jährige und Grundschullehrerin (35)

Den Ermittlern nach handelte es sich bei einer der beiden Frauen um deren Lebensgefährtin, eine 35-jährige Grundschullehrerin. Sie war jüngst als vermisst gemeldet worden, nachdem sie nicht in der Schule erschien. Die zweite Tote ist eine 19-Jährige, die in dem Ort lebte und nach BRISANT-Informationen ebenfalls als vermisst gemeldet war - seit zwei Jahren. In welcher Beziehung sie zu den anderen Beteiligten stand, ist noch unklar.

Bestatter tragen einen Leichensack aus einem Haus.
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Motiv führt in Gothic-Szene im Westerwald

Die Suche nach dem Motiv führt die Polizei in den Westerwald. Hier betrieb der 53-jährige Torsten W. einen Mittelalter-Laden. Anwohner beschreiben ihn als kontaktscheu, in seiner Begleitung wurden immer wieder junge Frauen aus der Gothic-Szene gesehen, die er wie Sklavinnen behandelt haben soll - darunter auch die vier toten Frauen.

Quellen: dpa/BRISANT-Recherchen

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Mai 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 18:47 Uhr

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