Mögliche Nebenwirkungen Astrazeneca - Warum ein Impfstopp mehr schadet, als weiter zu impfen

Viele Länder Europas haben einen Impfstopp für Astrazeneca verhängt. Grund sind Todesfälle durch Blutgerinnsel. Ein Zusammenhang mit der Impfung des Astrazeneca-Vakzins ist bisher nicht bestätigt. Jetzt hat auch Deutschland nachgezogen und will die Impfungen zunächst aussetzen. BRISANT erklärt, warum diese Entscheidung aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdig ist.

Impfstoff Astrazeneca
Besser als sein Ruf: Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Zahlreiche Länder in Europa setzen die Corona-Schutzimpfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca vorerst aus. Entweder komplett oder auch mit einzelnen Chargen des Vakzins. Den Anfang hatte Dänemark am vergangenen Donnerstag gemacht. Mittlerweile hat auch Deutschland nachgezogen.

Blutgerinnsel und Thrombosen als Nebenwirkung?

Der Impfstoff des schwedisch-britischen Konzerns steht in Verdacht, Blutgerinnsel zu verursachen. Ein Mensch war in Dänemark gestorben, ein weiterer in Österreich. Doch ein direkter Zusammenhang mit der Impfung ist bisher nicht belegt und nach Ansicht von Experten eher unwahrscheinlich.

Impfstopp als Vorsichtsmaßnahme

Die dänischen Behörden betonen, dass der Impfstoff sicher und effektiv sei. Man wolle jedoch die Untersuchung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA abwarten. Von dort kommt die Nachricht, dass Blutgerinnsel nicht als Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffs "AZD1222" bekannt und auch nicht in verschiedenen Studien beobachtet worden seien.

Thrombosen keine Nebenwirkung von Astrazeneca

Nach Angaben der EMA wurden bis zum 10. März 30 Fälle von sogenannten thrombo-embolischen Ereignissen (= Thrombose) bei mehr als fünf Millionen mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpften Personen in ganz Europa gemeldet. Für Deutschland liegen die Zahlen statistisch etwas höher: sieben Fälle bei 1,6 Millionen Impfungen. (Stand 15. März).

Diese Anzahl mag beunruhigen, doch sie ist nicht höher als der statistische Durchschnitt in der Allgemeinbevölkerung. In Deutschland sterben jährlich bis zu 100.000 Menschen an einer Lungenembolie. Diese Krankheit ist damit nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Schutzimpfung
Deutschland impft weiterhin mit Astrazeneca. Bildrechte: dpa

Gleichwohl teilte die EMA am Freitag mit, dass "schwere Allergien" als mögliche Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffs auftreten können.

Kein Hinweis auf Thrombose durch Impfung

In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Überwachung der auftretenden Nebenwirkungen bei Impfungen zuständig. Dort steht man mit der dänischen Arzneimittelbehörde und der EMA in Kontakt und untersucht die Sachlage in Deutschland.

Das Paul-Ehrlich-Institut äußerte sich wie folgt:

Bislang gibt es keine Hinweise, dass der Todesfall in Dänemark mit der Corona-Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff von Astrazeneca in kausaler Verbindung steht.

Paul-Ehrlich-Institut

Mittlerweile ist das Institut zurückgerudert und empfiehlt, die Impfungen auszusetzen, bis die Europäische Arzneimittelbehörde erneut über die Zulassung des Vakzins von Astrazeneca entschieden hat.

Die in Verruf stehende Impfstoff-Charge ABV5300 mit einer Million Impfdosen, die an 17 europäische Länder verschickt worden war, ist in Deutschland nicht eingesetzt worden. Deshalb ging das Impfen mit Astrazeneca hierzulande zunächst weiter.

Experten: Astrazeneca ist nicht gefährlich

Experten warnen vor übertriebenen Reaktionen. Nicht mehr zu impfen wäre weitaus gefährlicher, als das Astrazeneca-Vakzin weiterhin zu spritzen. Vor allem, weil noch immer ausreichend Impfstoff fehle und das Coronavirus noch immer sehr gefährlich sei. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte: "Thrombosen sind eine häufige Folge von Covid. Davor genau schützt der AstraZeneca Impfstoff."

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kritisierte zunächst die Aussetzung der Impfungen. Jetzt spricht er von einer "reinen Vorsichtsmaßnahme".

Wir setzen aus, um zu überprüfen.

Jens Spahn

Das Ergebnis der Überprüfung sei offen. Allen sei die Tragweite dieser Entscheidung sehr bewusst, betonte Spahn.

Die Thrombosefälle seien "sehr selten", hob er zugleich hervor. Doch für das Vertrauen in den Impfstoff sei es am wichtigsten, den fachlichen Empfehlungen zu folgen.

Bekannte Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffs

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen des Astrazeneca-Vakzins in klinischen Studien waren:

  • Empfindlichkeit und Schmerzen an der Injektionsstelle
  • Kopfschmerzen, Müdigkeit
  • Muskelschmerzen, Unwohlsein
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit

Im Impfstoff sind L-Histidin und Polysorbat80 als Hilfsstoffe enthalten. Polysorbat80 ist ein Emulgator und wird als Lebensmittelzusatzstoff E 433 in Kosmetika, Eiscreme, Margarine und Medikamenten eingesetzt.

L-Histidin ist eine Aminosäure und natürlicherweise in proteinhaltigen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch und Soja enthalten. Sie sorgt im Körper für den Sauerstofftransport. Aus Histidin stellt der Körper das Hormon Histamin her - was bei Allergien vermehrt ausgeschüttet wird.

Quelle: dpa,AFP,PEI,EMA,DGA,gelbe-liste,epd

(Aktualisiert am 15.03., 17:00 Uhr)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. März 2021 | 17:15 Uhr

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