Neue Impfempfehlung Corona-Impfstoff von Astrazeneca jetzt auch für Menschen ab 65 empfohlen

Millionen Dosen Astrazeneca-Impfstoff sollen in Deutschland zum Einsatz kommen. Doch zuletzt wurde viel über das Präparat diskutiert, was seinen Ruf beschädigte. Eine neue Entscheidung der Ständigen Impfkommission könnte das wieder ändern.

Ampulle mit Astrazeneca Impfstoff wird in die Kamera gehalten.
Der Astrazeneca-Impfstoff wird jetzt auch für über 65-Jährige empohlen. (Archiv) Bildrechte: imago images/IP3press

Anders als zuletzt wird der Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca in Deutschland nun auch für Menschen ab 65 Jahren empfohlen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) teilte am Donnerstag (04.03.) in einer Vorab-Erklärung mit, die Impfung mit dem Mittel "für alle Altersgruppen, entsprechend der Zulassung zu empfehlen".

Stiko: Wirksamkeit von Astrazeneca "eindeutig belegt"

Die Entscheidung beruht laut Stiko "auf einer intensiven Analyse und Bewertung von neuen Studiendaten, die erst innerhalb der vergangenen Tage als Vorab-Publikationen verfügbar wurden". Die Wirksamkeit des Impfstoffs sei in Bezug auf die Verhinderung von Covid-19-Erkrankungen und insbesondere auch in Bezug auf die Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe "eindrücklich belegt" worden, erklärte das Gremium mit Blick auf Daten aus England und Schottland, wo das Präparat breit eingesetzt wird.

Gesundheitsminister Spahn: Gute Nachricht für die Älteren

Die Vorab-Erklärung begründete das Gremium mit der außergewöhnlichen Situation und dem großen, verständlichen Informationsbedürfnis der Bevölkerung. Zuvor hatte bereits das Bundesgesundheitsministerium den Schritt angekündigt. So sprach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von einer guten Nachricht für alle Älteren, die auf eine Impfung warten. "Sie können schneller geimpft werden." Die neuen Studiendaten belegten zudem, dass der Impfstoff noch wirksamer sei, wenn der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung zwölf Wochen betrage. Auch dies empfehle die Stiko ausdrücklich. Die Empfehlungen würden nun "sehr zeitnah" in der Impf-Verordnung umgesetzt.

Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Spahn spricht von einer guten Nachricht für ältere Menschen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Zunächst nur Impf-Empfehlung für unter 65-Jährige

Ende Januar hatte die Stiko - anders als die EU-Arzneimittelbehörde EMA - den Impfstoff zunächst nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlten. Das löste eine Debatte um die Sicherheit des Präparats aus. Eine Überprüfung hatte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens daraufhin angekündigt - und betont, nie den Impfstoff an sich kritisiert zu haben. Es sei immer nur um die zunächst dünne Datenlage gegangen. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna waren zuvor jeweils ohne Einschränkungen beim Alter in der EU zugelassen worden.

Experten bemüht, Sicherheit von Astrazeneca zu betonen

In einer Debatte um Astrazeneca in den vergangenen Wochen in Deutschland betonten Experten immer wieder die Sicherheit und Wirksamkeit des Präparats. Die Stiko hatte in ihrer Empfehlung vom 29. Januar geschrieben, das Vakzin werde als "geeignet zum Individualschutz und zur Bekämpfung der Pandemie" angesehen -so wie die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna auch. Bislang gebe es aber keine Studien, in denen die drei Impfstoffe direkt miteinander verglichen wurden. Bei allen drei Impfstoffen können Nebenwirkungen wie etwa Kopfschmerzen, Fieber oder Schmerzen an der Einstichstelle auftreten. Diese Reaktion zeigt Experten zufolge, dass der Körper Abwehrstoffe bildet.

Ein Fläschchen (l-r) mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer und ein Fläschchen des Corona-Impfstoffs des US-Konzerns Moderna stehen auf einem Tisch im Hartford Hospital.
In der EU sind bisher drei Präparate für die Impfung gegen Covid-19 zugelassen. (Archiv) Bildrechte: dpa

EMA startet Prüfverfahren für Sputnik V

Unterdessen könnte bald ein vierter Corona-Impfstoff in der EU zugelassen werden. So will die EMA ein schnelles Prüfverfahren für das russische Vakzin "Sputnik V" eröffnen. Das teilte die Behörde am Donnerstag mit. Die Entscheidung basiere auf Ergebnissen von Laborversuchen und klinischen Studien bei Erwachsenen. Nach den Studien rege "Sputnik V" die Bildung von Antikörpern gegen das Virus an und könne beim Schutz vor Covid-19 helfen. Als Reaktion auf das angekündigte Prüfverfahren stellte Russland in Aussicht, ab Juni Impfdosen für 50 Millionen Europäer zu liefern.

ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. März 2021 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren