Nach Todesfällen Mögliche Nebenwirkung: Blutgerinnsel durch Astrazeneca-Impfstoff?

Neuer Wirbel um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Weil Gerinnungsstörungen wie Blutgerinnsel als Nebenwirkung einer Impfung mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers befürchtet werden, haben Dänemark, Norwegen und Island die Impfungen damit vorerst gestoppt. Einzelne Fälle mit diesen Nebenwirkungen sind auch in Österreich aufgetreten.

Eine Spritze wird mit dem Impfstoff AstraZeneca aufgezogen
In Dänemark wird vorerst nicht mehr mit dem Vakzin von Astrazeneca gegen das Coronavirus geimpft. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Dänemark, Norwegen und Island setzen die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca wegen möglicher Nebenwirkungen vorerst aus. Thailand will den Impfstart mit dem Vakzin zunächst verschieben.

Der Grund: Wie die dänische Gesundheitsbehörde mitteilte, liegen ihr Berichte über "schwere Fälle der Bildung von Blutgerinnseln" bei Geimpften vor. In diesem Zusammenhang soll es zu einem Todesfall gekommen sein.

Bisher sei allerdings noch nicht abschließend geklärt, ob es einen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Gerinnungsstörungen gibt. Deshalb sei das 14-tägige Aussetzen der Impfungen als eine Vorsichtsmaßnahme zu bewerten. Es sei gut dokumentiert, dass das Mittel sowohl sicher als auch effektiv sei.

Gerinnungsstörungen auch bei Geimpften in Österreich

Ähnliche Fälle waren zuvor aus Österreich gemeldet worden. Nach Informationen des ORF sollen drei Krankenschwestern nach einer Impfung mit dem Vakzin unter schweren Gerinnungsstörungen bzw. Blutgerinnseln gelitten haben. Eine 49-Jährige sei daran gestorben.

Ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfung und nachfolgender Erkrankung gibt, wird derzeit von der österreichischen Bundesagentur für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) untersucht.

Impfungen mit einzelner Astrazeneca-Charge gestoppt

Aufgrund des Todesfalls hatte Österreich die Impfungen mit einer bestimmten Charge des Astrazeneca-Impfstoffs gestoppt. Vier andere EU-Länder - Estland, Litauen, Lettland und Luxemburg - folgten diesem Beispiel. Mittlerweile haben sich auch Italien und Rumänien dazu entschieden.

Die betroffene Impfstoff-Charge von rund einer Million Impfdosen war an 17 europäische Länder verschickt worden.

In Deutschland vorerst kein Astrazeneca-Impfstopp

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin sieht zunächst keinen Anlass für einen Stopp der Astrazeneca-Impfungen in Deutschland. "Nach jetzigem Stand gibt es noch keine Hinweise darauf, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Corona-Impfung ursächlich in Verbindung steht", erklärte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag. Auch andere Länder - wie Frankreich oder Schweden - wollen den Impfstoff weiterhin nutzen.

Das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut erklärte, es stehe mit der dänischen Arzneimittelbehörde und der EMA in Kontakt und untersuche "die Sachlage" in Deutschland. Bisher habe die EMA bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass die Zahl der Thromboembolien niedriger sei als bei der Zahl von Impfungen zu erwarten wäre. Sie stuft das Vakzin weiterhin als gut verträglich ein, der Nutzen der Impfung überwiege die bekannten Risiken.

Blutgerinnungsstörungen bislang keine bekannte Nebenwirkung

Bislang sind Blutgerinnungsstörungen nicht als Nebenwirkung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca identifiziert worden.

Auch die Zulassungsstudie des Vakzins hat keinen Unterschied zwischen den tatsächlich geimpften Studienteilnehmern und der Kontrollgruppe, die ein Placebo erhielt, ergeben, was das Auftreten von Blutgerinnungsstörungen wie Blutgerinnsel oder verstopfte Blutgefäße betrifft.

Seltene Nebenwirkungen können erst spät erkannt werden

Trotz groß angelegter Zulassungsstudien können sehr seltene Nebenwirkungen erst als solche erkennbar werden, wenn Millionen von Menschen geimpft sind. An der Zulassungsstudie von Astrazeneca hatten insgesamt 50.000 Menschen teilgenommen.

Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca ist seit Januar in der EU zugelassen. In Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern, darunter auch Dänemark und Österreich, war das mit der Universität Oxford entwickelte Vakzin zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen, weil belastbare Daten für die Wirksamkeit bei älteren Menschen zunächst fehlten. Inzwischen wird der Impfstoff auch für Senioren empfohlen.

Lieferschwierigkeiten: Weniger Astrazeneca-Impfstoff für die EU

Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca hat seine Prognose für die Lieferung von Corona-Impfstoffen an die EU unterdessen erneut gesenkt.

Im ersten Quartal werden es statt 40 Millionen Impfdosen etwa 30 Millionen sein. Das ist mittlerweile nur noch ein Drittel der ursprünglich vertraglich zugesicherten Impfdosen.

Quellen: AFP/science.orf.at/Reuters

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. März 2021 | 17:15 Uhr

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