Unter 60-Jährige Zweitimpfung - Astrazeneca-Geimpfte sollen Biontech oder Moderna erhalten

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern kommen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nach. Demnach sollen Astrazeneca-Erstgeimpfte unter 60 Jahren künftig bei der Zweitimpfung ein mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten.

Ein Fläschchen (l-r) mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer und ein Fläschchen des Corona-Impfstoffs des US-Konzerns Moderna stehen auf einem Tisch im Hartford Hospital.
Zweitimpfungen sollen für unter 60-Jährige nur noch mit den Präparaten von Biontech/Pfizer oder Moderna statfinden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Menschen unter 60 Jahren, die mit einer ersten Astrazeneca-Dosis geimpft wurden, sollen für die zweite Impfung auf ein anderes Präparat umsteigen. Darauf haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstag (13.04.) einstimmig geeinigt. "Die Lösung, die jetzt gefunden wurde, bietet einen guten Schutz für die Menschen", sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek.

Astrazeneca nur nach Risikoanalyse mit einem Arzt

Die Minister folgen damit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) von Anfang April. Bei den Beratungen, an denen auch Stiko-Chef Thomas Mertens teilgenommen hatte, sei klar geworden, dass die Zweitimpfung durch einen mRNA-Imfpstoff, also das Präparat von Biontech/Pfizer oder Moderna, eine gute Basis sei, um die Menschen wirksam zu schützen, sagte Holetschek. Nur in Einzelfällen und nach einer individuellen Risikoanalyse mit einem Arzt könne auch Astrazeneca bei der Zweitimpfung verwendet werden.

Hirnvenen-Thrombosen nach Impfungen

Hintergrund der Empfehlung sind Verdachtsfälle auf eine Hirnvenen-Thrombose nach der Impfung mit Astrazeneca. Experten vermuten, dass das sehr geringe Risiko vor allem jüngere Menschen betrifft. Bund und Länder hatten deshalb kürzlich beschlossen, das Astrazeneca-Mittel in der Regel nur noch Menschen über 60 verabreichen zu lassen. Laut Bundesgesundheitsministerium hatten in den vergangenen Wochen aber bereits rund 2,2 Millionen Bürger unter 60 Jahren eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten. Bis zum 8. April wurden dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge 46 Fälle einer Hirnvenen-Thrombose nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff gemeldet. Fünf Frauen und drei Männer starben. Mit Ausnahme von sieben Fällen betrafen alle Meldungen Frauen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren. Die Männer waren 24 bis 58 Jahre alt.

Auch Probleme bei Johnson & Johnson

Am Dienstag teilte der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson mit, dass er den Marktstart seines Impfstoffs in Europa verzögert, weil auch er Berichte über Hirnvenen-Thrombosen erhalten hat. Bei dieser schweren Nebenwirkung kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Dies macht sich vor allem durch Kopfschmerzen bemerkbar, auch epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen können auftreten. Diese Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten von Astrazeneca und Johnson & Johnson hängen deutschen Experten zufolge möglicherweise mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen. "Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist", sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekulativ.

Astrazeneca und Johnson & Johnson sind Vektor-Impfstoffe

In beiden Präparaten wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Es sei theoretisch auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

ten/dpa/afp

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. April 2021 | 17:15 Uhr

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