Das Wrack eines Audi R8 wird auf der A3 mit Hilfe eines Krans geborgen.
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Reifenplatzer auf bayerischer Autobahn Sportwagenfahrer rast mit Audi R8 in den Tod

BRISANT | 03.07.2019 | 17:15 Uhr

Bei einem Unfall mit einem Sportwagen ist ein 26 Jahre alter Mann auf der Autobahn 3 im Landkreis Aschaffenburg gestorben. Offenbar war ein Reifenplatzer Ursache für das Unglück.

Das Wrack eines Audi R8 wird auf der A3 mit Hilfe eines Krans geborgen.
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Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, war der Mann mit seinem Audi R8 mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Leitplanke gefahren und noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen erlegen.

Komplettsperrung der A3 - Motorblock und Tank brennen

Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass ein geplatzter Reifen die Ursache des Unfalls war. Bei dem Aufprall wurden sowohl der Motorblock als auch der Tank herausgerissen. Beides ging in Flammen auf. Die Autobahn war nach dem Unfall am Dienstagabend in Fahrtrichtung Frankfurt zwischen Bessenbach und Weibersbrunn für mehrere Stunden komplett gesperrt.

Reifenplatzer - besondere Gefahr im Sommer

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Die Urlaubsreisewelle ist im Anrollen. Bevor es losgeht, sollten Sie unbedingt Ihre Reifen überprüfen. Durch die Sommerhitze werden Autoreifen besonders stark beansprucht. Hohe Geschwindigkeiten und viel Last durch Reisegepäck strapazieren die Reifen. Platzt der Reifen während der Fahrt, sind schwere Unfälle immer wieder die Folge.

Was ist ein "Reifenplatzer"?

Kaputter Autoreifen
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Eigentlich ist die Bezeichnung "Reifenplatzer" irreführend. Die Ursache für das, was landläufig so bezeichnet wird, ist meist nicht ein zu hoher Reifendruck, sondern zu wenig Luft zwischen Felge und Reifen. Dann besteht die Gefahr, dass der Reifen eingedrückt wird und zu viel Reibung entsteht. Die Folge: erhöhter Kraftstoffverbrauch. Die Lauffläche des Rades erhitzt sich. Irgendwann ist die Hülle zerstört und die Luft entweicht. Entweder schleichend oder schlagartig in einem explosionsartigen Druckabfall - dem "Reifenplatzer".

Luftdruck überprüfen!

Reifenplatzer
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Prüfen Sie den Luftdruck aller Reifen vor allem vor längeren Autofahrten am kalten Reifen und unbeladen. Wie hoch der optimale Druck sein sollte, steht bei vielen Autos an der Innenseite des Tankdeckels oder an der B-Säule der Fahrertür des Wagens. Falls nicht, hilft ein Blick in die Betriebsanleitung. Experten raten den Reifeninnendruck regelmäßig zu kontrollieren - aller vier Wochen am besten. Denn durch die Durchlässigkeit des Gummis verlieren Reifen im Monat durchschnittlich 0,2 bar.

Alte Reifen austauschen!

Messung der Reifenprofiltiefe mit einer Ein-Euro-Münze.
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Reifen sind teuer. Trotzdem empfehlen Experten, sie nach sechs Jahren auszutauschen. Wie alt Reifen sind, ist an der "DOT-Nummer" ablesbar. Sie ist auf jedem Reifen eingeprägt. Die letzten beiden Ziffern stehen für das Herstellungsjahr. Die ersten beiden für die Woche. Das Profil der Reifen sollte laut Gesetz mindestens 1,6 Millimeter tief sein. Das sei zu wenig, meinen Experten. Sie empfehlen mindestens drei Millimeter Profiltiefe. Einfacher Trick: Mit einer Ein-Euro-Münze lässt sich die Profiltiefe bestimmen. Verschwindet der goldene Rand komplett, ist das Profil drei Millimeter tief. Das heißt: Alles okay mit dem Reifen.

Gefahrenquelle Bordsteinkante

Eine Reifen-Gefahrenzone sind Parkflächen an Gehwegen. Wer auf eine Bordsteinkante fährt, riskiert immer eine Schädigung des Reifens. Besonders hoch ist das Risiko, wenn die Reifen frontal und mit hoher Geschwindigkeit gegen ein Hindernis gelenkt werden. Aber auch ein seitliches Entlangschürfen ist gefährlich. Dann bilden sich kleine Einschnitte, über die Wasser in den Unterbau des Reifens eindringen kann. Die Folge: Er verwittert innerlich. Das muss von außen nicht sichtbar sein. Nägel oder spitze Gegenstände können einem Reifen ebenfalls die Luft ausgehen lassen.

Was tun im Ernstfall?

Panne
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Die wichtigste Regel: Ruhe bewahren! Dann Warnblinkanlage an und gefühlvoll bremsen. Meist bricht der Wagen in eine Richtung aus. Versuchen Sie, sanft gegenzulenken. Falls der Wagen dann in die andere Richtung zieht, wieder sanft gegenlenken. Falls das nicht funktioniert, der Wagen stark ausbricht und richtig ins Schleudern gerät, hilft nur noch eine Vollbremsung.

Der Wagen sollte an einer geeigneten Stelle zum Stehen gebracht werden. Danach bringen Sie sich in Sicherheit, ziehen eine Warnweste an, stellen ein Warndreieck auf. Experten raten dazu, mit dem eigenen Wagen einmal ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. Nur so wissen Sie im Ernstfall, wie Ihr Wagen reagiert. Die Kosten: rund 100 Euro.

So sollen Reifen sicherer und nachhaltiger werden

Hersteller forschen in zwei Richtungen an der Weiterentweicklung von Reifen: Zum einen sollen die Laufflächen aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt und so umweltfreundlicher werden. Zum anderen wird an der Verbindung von der Lauffläche zur Felge getüftelt. So sollen Reifen unplattbar werden.

Idee 1: Löwenzahn-Kautschuk soll eine Lösung werden. Materialforscher der Fraunhofer-Institute in Münster und Halle wollen den Saft des Löwenzahns zur Herstellung von Kautschuk nutzen. Der wird dringend in der Reifenindustrie gebraucht.

Idee 2: Tweels. Das sind Lamellen-Räder, bei denen die Laufflächen mit der Felge fest verbunden sind. Sie funktionieren ohne Luft, sind besonders robust und aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften wenig anfällig gegen Ecken, Kanten und scharfe Gegenstände.

"Tweels" sind Räder, deren Mantel fest über Lamellen mit der Felge verbunden sind. Sie gelten als besonders robust und sind unplattbar.
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Bislang sind "Tweels" fast ausschlielich an Baufahrzeugen im Einsatz. Außerdem lassen sie sich an Gefährte montieren, die auf Rasenflächen fahren: z. B. Golfcarts und Rasentraktoren. Ihre Herstellung ist aufwendiger als bei herkömmlichen Reifen. Die Kosten liegen im dreistelligen Bereich.

"Tweels" sind Räder, deren Mantel fest über Lamellen mit der Felge verbunden sind. Sie gelten als besonders robust und sind unplattbar.
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Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Juli 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2019, 22:36 Uhr

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