Umfrage Steigende Benzinpreise: Was bringt ein Tempolimit auf den Autobahnen?

Aufgrund der steigenden Preise für Diesel und Benzin ist die Mehrheit der Deutschen für ein Tempolimit auf Autobahnen. Das zumindest hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergeben. Für die meisten Menschen ist demnach eine Maximalgeschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde akzeptabel. Wieviel Sprit - und Geld - könnte man dadurch einsparen?

Mehrheit laut Umfrage für Tempolimit

Um die stetig steigenden Sprit- und Energiepreise abzufedern, werden immer mehr Stimmen laut, die sich für ein Tempolimit auf Autobahnen aussprechen. Für 57 Prozent der Menschen in Deutschland ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen kein Tabu mehr. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergeben.

Bei der Umfrage wurden mehr als 2.000 Personen über 18 Jahre zu dem Thema befragt. Nur 33 Prozent gaben an, gegen eine Maximalgeschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen zu sein. Die restlichen zehn Prozent waren unschlüssig. Die Umfrage zeigt auch, dass vor allem Frauen und ältere Menschen ein Tempolimit befürworten. Männer und jüngere Personen seien eher dagegen.

Unabhängigkeit vom russischen Ölmarkt und Klimaschutz

Begründet wird die Befürwortung eines Tempolimits insbesondere damit, dass die Einsparungen beim Spritverbrauch eine schnellere Unabhängigkeit vom russischen Ölmarkt bewirken könnten. Aber auch das Klima spiele dabei eine wichtige Rolle.

Wie das Umweltbundesamt schreibt, sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung eine schnelle und kostengünstige Möglichkeit, um CO₂-Emissionen einzusparen. Allerdings gehen auch hier die Meinungen auseinander, ob die Einsparungen durch ein Tempolimit den Eingriff in die Freiheit der Autofahrer rechtfertigen.

Doch auch das Mikroplastik in unserer Umwelt könnte durch ein Tempolimit verringert werden. Denn der Großteil davon stammt vom Abrieb von Autoreifen. Beschleunigt und bremst man weniger abrupt, ist der Abrieb geringer.

Tempolimit senkt Spritverbrauch

Fakt ist, je schneller man fährt, desto mehr Sprit verbraucht das Auto. Wegen des Luftwiderstands steigt der Spritverbrauch bei hohen Geschwindigkeiten sogar besonders schnell an. Ein Tempolimit könnte demzufolge den Verbrauch senken - und als logische Folgerung die Abhängigkeit vom russischen Öl verringern. Ein Auto verbraucht bei einer mittleren Geschwindigkeit von 100 km/h statt 120 km/h bei gleicher Streckenlänge rund 15 % weniger Kraftstoff und damit 15 % weniger Spritkosten.

Die Umwelt- und Naturschutzorganisation Greenpeace ging für ihre Berechnung sogar von einem Tempolimit von 100 Kilometer pro Stunde aus. Demnach machen die zwei Millionen Tonnen Benzin und Diesel, die Deutschland durch Tempo 100 jährlich sparen könnte, insgesamt 3,8 Prozent des deutschen Kraftstoffabsatzes und 2,1 Prozent der Ölimporte aus.

Importe aus Russland halbieren

Deutschland bezog vor dem Ukraine-Krieg rund ein Drittel seines Öls aus Russland - das waren 2020 rund 28 Millionen Tonnen. Bis zum Sommer will die Bundesregierung diese Importe halbieren.

Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto.
Bis zum Sommer will die Bundesregierung die Ölimporte aus Russland halbieren. Bildrechte: dpa

(BRISANT/dpa/Umweltbundesamt/Greenpeace)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. April 2022 | 17:15 Uhr

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