Tod durch Ertrinken Regeln und Tipps - Was tun bei Badeunfällen?

Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke und Sonne satt: Das zieht zahlreiche Badelustige ans Wasser. Doch ausgebildete Bademeister sind "Mangelware" und nicht jede Badestelle ist bewacht. Wie kann man dem vorbeugen? Und wie als Ersthelfer Leben retten?

Familie plantscht in der Donau, 2017
Baden Sie nur an bewachten Stellen! Bildrechte: imago images / imagebroker

Ertrinken - der leise Tod

Kaum ist der Sommer so richtig da, steht Freibädern, Baggerseen und anderen Badegewässern ein Ansturm bevor. Doch bei allem Spaß im kühlen Nass: Beim Baden ist Vorsicht geboten! Vor allem Kinder sollten - auch wenn sie schwimmen können - niemals unbeaufsichtigt ins Wasser gelassen werden.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnt vor Übermut und Selbstüberschätzung beim Baden. Der Grund: Jedes Jahr ertrinken Hunderte Menschen in deutschen Gewässern.

Wichtige Regeln für Schwimmer

Wie viele Menschen ertrinken in Deutschland?

Im Sommer 2020 ertranken mindestens 378 Menschen beim Baden. Das ist ein leichter Rückgang von 417 im Jahr zuvor.

Wo ist das Risiko am höchsten?

An unbewachten Binnengewässern (Seen, Teichen und Flüssen) kamen im vergangenen Jahr 335 Menschen ums Leben, das waren 88 Prozent aller Opfer. An von Rettungsschwimmern bewachten Badestellen und in Schwimmbädern ist es zu deutlich weniger Vorfällen gekommen.

Was ist insbesondere bei Kindern zu beachten?

Wasser zieht Kinder magisch an. Eltern sollten sie daher nie aus den Augen lassen. Das gilt übrigens auch für den flachen Gartenteich. Kleine Kinder können bereits im wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrinken. Auch Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken.
Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, ist das für Außenstehende mitunter schwer zu erkennen, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder". Denn: Kinder ertrinken "leise". Sie rufen weder um Hilfe noch wedeln sie mit den Armen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Ertrinken?

Übermut, mangelnde Schwimmfähigkeiten, Selbstüberschätzung, Alkohol und die Unkenntnis möglicher Gefahren führen der DLRG zufolge am häufigsten zum Ertrinken - vor allem bei Männern. Vier von fünf Todesopfern sind männlich.

Darf ich erhitzt ins Wasser springen?

Das sollte vermieden werden. Manche Gewässer sind immer noch recht kühl. Ein Sprung ins Nass kann zu Unterkühlung und Krämpfen führen. Der Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser kann auch den Kreislauf belasten und vor allem für ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Herz-Kreislauf-System gefährlich sein. Schwimmer sollten langsam ins Wasser gehen und den Körper ans kalte Wasser gewöhnen. Sobald man friert, heißt es: Raus aus dem kühlen Nass!

Was ist bei der Wahl einer Badestelle zu beachten?

Unbekannte Gewässer bergen Gefahren. Deshalb nie übermütig in einen See springen. Die DLRG empfiehlt, nur an bewachten Badestellen schwimmen zu gehen und die Warnhinweise zu beachten. Eine rote Flagge am Meer bedeutet striktes Badeverbot. Im Sommer wird dies immer wieder ignoriert.

Bei Wellengang entsteht eine Strömung, die staubsaugerartig ins offene Meer zurückzieht. Dies ist vor allem für Kinder im flachen Wasser gefährlich, weil sie leicht umgerissen werden können.

Kann auch in Flüssen gebadet werden?

Generell ist es nicht verboten. Gefahr besteht allerdings durch gefährliche Strömungen, die an der Wasseroberfläche oft kaum erkennbar sind, durch den Schiffsverkehr, Brückenpfeiler oder Buhnen. Größere Flüsse sind kein geeigneter Badeort für Kinder und ungeübte Schwimmer.

Schwimmunterricht: Kinder mit Schwimmhilfe im Wasser
Kinder sollten frühzeitig schwimmen lernen und es regelmäßig üben. Bildrechte: DLRG

Regeln für die Rettung aus dem Wasser

  • Wer einen Menschen entdeckt, der im Wasser in Not geraten ist, sollte laut um Hilfe rufen. Der Notruf ist bei allen Erste-Hilfe-Situationen die erste und wichtigste Handlung, damit so schnell wie möglich professionelle Rettungskräfte eingreifen können.

  • All diejenigen, die sich nicht in der Lage fühlen, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen, sollten am Ufer verbleiben und sich genau merken, wo sich die hilfesuchende Person befindet, um diese oder weitere Informationen an die Rettungskräfte weiterzugeben.

  • Nur geübte Schwimmer sollten versuchen, zu retten. Bei starkem Wellengang, Strömung oder Wind ist die Gefahr für den Helfer besonders hoch.

  • Bei der Rettung sollte man immer einen Gegenstand mitnehmen. Das kann auch einfach ein Ast sein. Dem Opfer sollte man niemals die Hand geben. Grund: Ein Ertrinkender bekommt in der Regel panische Angst, schlägt unkontrolliert um sich und wird versuchen, sich an jedem Gegenstand festzuhalten, den er greifen kann. Der Retter könnte selbst unter Wasser gezogen werden.

  • Gibt es keine Chance, den Ertrinkenden auf diese Weise zu retten, sollte sich der Retter mit einem möglichst großen, schwimmenden Gegenstand, zum Beispiel einem Surfbrett, nähern.

  • Trivial, aber lebenswichtig: Beim Herausziehen darauf achten, dass der Kopf über Wasser bleibt.

Wie leiste ich Erste Hilfe?

Der Verunglückte darf auf keinen Fall allein gelassen werden. Um eine Unterkühlung zu vermeiden, muss er oder sie sofort zugedeckt werden. Pralle Sonne vermeiden!

Als erstes sollte die Atmung überprüft werden. Ist keine spürbar, sollten Sie als Ersthelfer sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen.

Drücken Sie mit einer Herzdruckmassage dem Patienten 100 Mal pro Minute (!) mittig auf den Brustkorb, etwa fünf Zentimeter tief, so wird der Herzmuskel aktiviert. Darauf folgen zwei Beatmungen. Wiederbelebungsmaßnahmen sollten so oft wiederholt werden, bis Hilfe eintrifft.

Tipp: Der Disco-Hit "Staying Alive" hat den idealen Rhythmus!

Ist Wasser in der Lunge, beispielsweise wenn jemand lange unter Wasser war, sollte mit der Beatmung begonnen werden, bevor die Herzdruckmassage durchgeführt wird.

Weitere Baderegeln der DLRG

  • Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich.
  • Bade nicht, wo Schiffe und Boote fahren.
  • Auch wenn es Spaß macht: Tauche andere nicht unter.
  • Wer nicht schwimmen kann, darf nur bis zum Bauch ins Wasser.
  • Luftmatratze, Autoschlauch oder aufblasbares Spielzeug bieten keine Sicherheit.
  • Gefährde niemanden beim Sprung ins Wasser.
  • Bei Gefahr sofort Hilfe rufen.
  • Halte das Wasser und seine Umgebung sauber. Abfälle gehören in den Mülleimer.



(BRISANT/dlrg)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. September 2021 | 17:15 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren