Abkühlung bei Hitze
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Heiße Woche Bei Hitze cool bleiben - Tipps gegen's Schwitzen

BRISANT | 25.06.2019 | 17:15 Uhr

Heiße Saharaluft bringt Deutschland ins Schwitzen - und die Gerüchte zum Kochen: "Es gibt auf jeden Fall hitzefrei!" "Dank Ventilator bleibt die Bude kühl." Was ist dran an solchen Aussagen?

Abkühlung bei Hitze
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Es ist Sommer. Die Sonne scheint, die Temperaturmarke erreicht mehr als 30°C - wie in (fast) jedem Jahr. Mit der Hitze steigt auch die Unwettergefahr wieder an und in Biergärten und am Mittagstisch kommt die ein oder andere hitzige Diskussion übers Wetter zustande. Die einen schmunzeln über die Tipps, bei anderen wirft der nett gemeinte Ratschlag Fragen auf. Was bringt Abkühlung? Wie können Sie sich schützen? Fenster auf oder Fenster zu? Durchzug, Klimaanlage? Ja - nein - vielleicht? Ein Faktencheck!

Kachelmann findet einen Lüft-Tipp "menschenverachtend"

Wetterexperte Jörg Kachelmann bringt so mancher lieb gemeinte Tipp auf die Palme. Deshalb hat er sich mit einem Tweet und Abkühltipps an die Öffentlichkeit gewandt. Denn er findet nicht jeden Tipp praktisch und gut, sondern - um es für den konkreten Fall mit Kachelmann-Worten zu zitieren - "diesen Schwachsinn" sogar "menschenverachtend".

Kachelmanns Abkühltipps

Deshalb rät der Wetterexperte: "Wind macht nie krank und Durchzug keinen steifen Nacken!"

Moderator Jörg Kachelmann anläßlich der Aufzeichnung der MDR - Talkshow Riverboat am 17.12.2018 im Studio 3 der Mediacity Leipzig.
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Wenn Sie überleben wollen und wenn Sie vor allem sicherstellen wollen, dass Ihre Eltern und Großeltern das überleben, dann kaufen Sie jetzt - noch heute - jetzt, so lange es noch welche gibt, Ventilatoren. Stellen Sie Oma und Opa einen Ventilator vor die Nase. Das ist das Wichtigste, dass diese Wärme abtransportiert wird, wenn sie schwitzen.

Jörg Kachelmann

  • "Klimaanlage einschalten, wenn vorhanden. Eine (...) gewartete Klimaanlage macht nicht krank. Alle Bedenken vor Klimaanlagen sind lustiger Aberglaube."
  • "Kaufen Sie einen Ventilator oder mehrere. Lassen Sie sie laufen. Es passiert Ihnen nichts. Deckenventilatoren können nur bei niedriger Raumhöhe ungesund sein."
  • "Wenn Sie in beide Richtungen hinaus Fenster haben, immer alle öffnen, wenn Sie daheim sind. Genießen Sie den angenehmen Wind."
  • "Es ist dunkelster Aberglaube, dass man Fenster schließen soll, sobald es draußen wärmer ist als drin. Sie produzieren drin so viel Feuchtigkeit und Kohlendioxid bei stehender Luft, dass alle s besser ist als das Elend, das Sie mit geschlossenen Fenstern produzieren."
  • "Haben Sie alle Fenster nur in eine Richtung und womöglich tendenziell Richtung Süden, sind Sie verloren. Auch geöffnete Fenster bringen wenig, da es so kaum Luftaustausch gibt, außer wenn Sie ihn erzwingen. Fenster mit Mückengitter versehen und weit aufmachen, Ventilatoren nachts vom Fenster in den Raum ausrichten, tagsüber einfach vor Ihr Gesicht stellen.“

Baby kühlt sich ab in einer Schüssel voll Wasser
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Abkühl-Tipps - Fakt oder falsch?

Kachelmanns Tipps klingen praktikabel und nachvollziehbar. Allerdings hat die Sache mit den Ventilatoren auch einen Haken.

AUSSAGE: Bei Sommerhitze können Ventilatoren Abkühlung schaffen. BEWERTUNG: Ungewiss!

FAKTEN: Ventilatoren bringen die Luft in ihrer Umgebung in Bewegung. Wer sich in diesem Luftzug befindet, spürt eine Abkühlung, wenn Schweiß auf der Haut verdunstet. Die Raumtemperatur sinkt durch den künstlich erzeugten Wind aber nicht. Eine Studie von 2016 zu den Wirkungen von Ventilatoren konnte deren positive Effekte 2016 nicht belegen. Bei Temperaturen über 35 Grad könnte der allzu warme Luftstrom sogar zu einer Überhitzung und Dehydrierung des Körpers führen, heißt es. Wetterexperte Jörg Kachelmann ist dennoch überzeugt: "Mit einem anständigen, Wind machenden Propeller hält man fast jede Temperatur aus."

AUSSAGE: Warmer Tee kann bei Hitze mehr erfrischen als eine eiskalte Limonade. BEWERTUNG: Richtig!

FAKTEN: Wie bei kalten Duschen wird mit Kaltgetränken der Stoffwechsel angeregt, der Körper reagiert auf den Kälteimpuls mit Wärmeproduktion. Am Ende fließt sogar mehr Schweiß, der Körper verliert die dringend benötigte Flüssigkeit, man hat mehr Durst - ein gefährlicher Kreislauf. Der menschliche Körper ist darauf eingerichtet, alle Speisen und Getränke an die etwa 36,7 Grad Körpertemperatur anzugleichen. Kaltes wird erwärmt, Heißes gekühlt. Beides ist mit kleinen Anstrengungen verbunden. Hitzeprofis bevorzugen deshalb warme Getränke. Das zusätzliche Wärmesignal sorgt dafür, dass sie ständig - aber nur leicht - schwitzen, was zu Verdunstungskühle führt. Der in Nordafrika besonders beliebte Pfefferminztee hat zudem eine kühlende Wirkung.

AUSSAGE: Eine kalte Dusche stoppt die Schweißproduktion. BEWERTUNG: Falsch!

FAKTEN: Durch das kalte Wasser geht die Körpertemperatur erstmal runter, das Gehirn bekommt ein Kältesignal. Die unter der Oberfläche gelegenen Blutgefäße ziehen sich zusammen, um Wärmeverlust zu verhindern. Nach der Dusche muss sich der Körper dann wieder auf die heiße Außentemperatur einstellen. Die Gefäße reagieren mit verstärkter Schweißproduktion. Experten raten deshalb dazu, im Hochsommer nicht unter Körpertemperatur zu duschen.

AUSSAGE: Mittags ist es am heißesten. BEWERTUNG: Falsch!

FAKTEN: Die Sonne steht um die Mittagszeit zwar am höchsten und gibt die stärkste Strahlung ab. Die Lufttemperatur erreicht ihr Maximum aber erst mit einigen Stunden Verzögerung. Erst wenn die Erdoberfläche soweit aufgeheizt ist, dass auch Straßen, Dächer und andere Objekte wieder Wärme abgeben, entstehen nach Aussage von Wetterexperten die Höchstwerte des Tages. Hinzu kommt, dass der Höchststand der Sonne in Deutschland nicht um 12 Uhr mittags erreicht wird, sondern wegen der Sommerzeit nicht vor 13 Uhr. So ist es beispielsweise in Görlitz, am östlichsten Zipfel Deutschlands. Die Stadt liegt genau auf dem 15. Längengrad, sie ist deshalb idealtypisch für die Berechnung der "Normalzeit" in Deutschland. In Aachen an der Westgrenze erreicht die Sonne Ende Juni erst mehr als eine halbe Stunde später, also gegen 13.40 Uhr, ihren Höchststand. Je nach Umgebung wird die höchste Temperatur deshalb erst am späteren Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr gemessen.

AUSSAGE: Bei Temperaturen über 35 Grad gibt es hitzefrei. BEWERTUNG: Falsch!

FAKTEN: Es gibt kein "Hitzefrei-Gesetz", das eine Höchsttemperatur im Klassenzimmer oder am Arbeitsplatz vorschreiben würde. Die meisten Bundesländer haben die Entscheidung darüber, wann der Unterricht im Klassenzimmer nicht mehr zumutbar ist, an die einzelnen Schulen delegiert. Dort wird aber auch organisiert, dass Schüler und Lehrer gemeinsam an kühlere Orte wie Parks wechseln können oder zum Beispiel Hausaufgaben entfallen. Die Kids einfach nach Hause schicken geht ohnehin nicht: Die Schulen sind zur Aufsicht verpflichtet. Im Beruf stehen die Chance auf hitzefrei noch schlechter. Zwar muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Mitarbeiter im Job vor Gesundheitsgefahren geschützt sind. In den "Technischen Regeln für Arbeitsstätten" wird zum Thema Raumtemperatur aber keine absolute Höchstgrenze genannt. Büros seien ab 35 Grad nicht als Arbeitsräume geeignet. Das gelte aber nur, wenn keine Kühlmaßnahmen ergriffen werden. Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen "soll +26 °C nicht überschreiten", geben die Experten im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums vor. Wenn es draußen noch wärmer wird, müssten Schutzmaßnahmen ergriffen werden - etwa mit Sonnenschutz-Systemen, einer Lockerung von Kleidungsvorschriften, Gleitzeitregelungen oder der Bereitstellung von Trinkwasser.

AUSSAGE: Beduinen schützen sich mit dunkler Kleidung gegen Hitze. BEWERTUNG: Richtig!

Entscheidend ist aber eher der Schnitt als die Farbe der Kleidung. FAKTEN: Weiße Kleidung wirft das Sonnenlicht zurück, schwarze dagegen saugt es auf. Dennoch bevorzugen viele Wüstenbewohner in Nordafrika und dem Nahen Osten dunkle Gewänder. Israelische Forscher haben das schon 1980 genauer untersucht und Vergleichsmessungen mit Beduinen in der Negev-Wüste vorgenommen. Das Ergebnis: Die Farbe der Gewänder machte kaum einen Unterschied, wohl aber der Schnitt. Denn die Beduinen tragen ihre Roben locker um den Körper - so kann zwischen den Lagen Luft hindurchströmen, die die Wärme abtransportiert und die Haut so kühlt. Probanden in eng sitzenden hellbraunen Uniformen oder kurzen Hosen wiesen dagegen höhere Hauttemperaturen auf.

Ein schwimmendes Thermometer zeigt in einem Becken im Kleefelder Bad eine Wassertemperatur von knapp 24 Grad Celsius an.
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DRK-Tipps für den Umgang mit Hitze

Vier essentielle und leicht zu merkende Tipps hat das DRK in Löhne parat:

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 14:32 Uhr

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