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Um den steigenden Benzinpreisen entgegenzuwirken gibt es den Tankrabatt-Vorschlag. (Archiv) Bildrechte: dpa

Maximal zwei Euro pro Liter?Hohe Benzinpreise - Kritik nach Lindners Tankrabatt-Vorschlag

Stand: 17. März 2022, 18:54 Uhr

Um Geringerverdiener an der Tanksäule zu entlasten, hat Finanzminster Christian Lindner einen Tankrabatt ins Spiel gebracht. Dafür erntet er Kritik von Experten: Der Vorschlag sei "nicht zielführend".

Erstmals seit den Höchstständen der vergangenen Tage sind die Spritpreise wieder deutlich gesunken. Der Dieselpreis gab binnen eines Tages um 4,2 Cent pro Liter nach, Super E10 verbilligte sich um 3,3 Cent. Wie der ADAC am Donnerstag (17.03.) mitteilte, lag der bundesweite Tagesdurchschnittspreis für Diesel bei 2,25 Euro pro Liter. Bei Super E10 waren es 2,159 Euro. Im Vergleich zum Stand vor Beginn des Krieges in der Ukraine ist Diesel damit noch knapp 59 Cent pro Liter teurer, E10 kostet knapp 41 Cent mehr.

Finanzminister Lindner bringt Tank-Zuschuss ins Spiel

Um den hohen Preisen entgegenzuwirken hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner einen befristeten staatlichen Tank-Zuschuss ins Spiel gebracht. Er will den Spritpreis damit auf unter zwei Euro pro Liter Diesel oder Benzin drücken. Die "Menschen in der Mitte der Gesellschaft, die aufs Auto angewiesen sind", sollten mit den steigenden Benzin- und Dieselpreisen nicht allein gelassen werden, so Lindner. "Die breite Mitte der Gesellschaft darf nicht in Vergessenheit geraten." Lindner wirbt dafür, einen Tankrabatt einzuführen, der den Verbraucherinnen und Verbrauchern direkt an der Tankstelle zugute kommen soll. Der Staat würde den Tankstellenbetreibern die Differenz erstatten.

Experten: Fragwürdiger Vorschlag

Wirtschaftsexperten und Sozialverbände kritisieren den Vorschlag als ökologisch und sozialpolitisch fragwürdig. Der vorgeschlagene Tank-Zuschuss sei nicht das richtige Instrument, sagt beispielsweise Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, der in dem Zusammenhang von einer "Umverteilung von unten nach oben" sprach. "Entlastungen sollten nicht mit der Gießkanne erfolgen, sondern gezielt", so Fuest.

Energiegeld als Alternative?

Auch die "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm betonte: "Die Diskussion um Tankrabatte ist völlig aus der Zeit gefallen. Wir müssen die unteren und mittleren Einkommen entlasten. Tankrabatte entlasten aber Gutverdienende stärker, weil diese mehr Autos besitzen und weitere Strecken fahren." Entlastungen im Energiebereich müssten zielgerichtet sein. Eine Idee ist das sogenannte "Energiegeld". Dadurch hätte jeder Bürger mehr Geld auf dem Konto und vor allem Geringverdiener würden davon profitieren - und nicht nur in Bezug auf die gestiegenen Spritpreise.

Lindner will "gutes Paket schnüren"

Für Entlastungen wegen der hohen Energiepreise lägen nach Angaben von Christian Lindner mehrere Vorschläge auf dem Tisch. "Jetzt geht es darum, dass wir daraus ein gutes Paket schnüren." Hier müsse die Koalition "in den nächsten Tagen rasch zusammenkommen", so der Finanzminister.


(BRISANT/ten/dpa/afp)

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Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 17. März 2022 | 17:15 Uhr