Schulkinder 2010 auf dem Weg nach Hause
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Sicherheit für die Jüngsten Ohne Elterntaxi! - besser zu Fuß zur Schule oder in die Kita

BRISANT | 02.10.2019 | 17:15 Uhr

Fast die Hälfte aller Grundschulkinder in Deutschland wird mit dem Auto zur Schule gefahren. Laufen Kinder schon morgens zu Fuß zur Schule oder zum Kindergarten, fördert das ihre körperliche und geistige Entwicklung.

Schulkinder 2010 auf dem Weg nach Hause
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Kinder verunglücken unterdurchschnittlich oft bei Unfällen im Straßenverkehr. Laut einer Untersuchung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) kam im Jahr 2018 im Durchschnitt alle 18 Minuten ein Kind im Alter von unter 15 Jahren im Straßenverkehr zu Schaden.

Mehr Unfälle zu Hause, beim Sport und Spielen als im Straßenverkehr

Gut 29.000 Kinder verunglückten im Jahr 2018 auf Deutschlands Straßen - ein leichter Rückgang zum Vorjahr. Viel häufiger sind Unfälle zu Hause oder beim Sport oder auf dem Spielplatz. Auch wegen der Verhältnismäßigkeit dieser Zahlen gibt es jährliche Aktionstage "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten" des Deutschen Kinderhilfswerks und des ökologischen Verkehrsclubs - VCD. Dieses Jahr fanden sie im September statt.

Grundschülerin wartet 2007 an einem Zebrastreifen
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Großer Anteil von Elterntaxis - Unfallrisiko steigt durch Verkehrschaos

Das Problem: Laut der Studie "Mobilität in Deutschland" von 2017 werden 43 Prozent der Grundschüler in die Schule gefahren. Nur rund ein Drittel der Kinder geht zu Fuß, 13 Prozent kommen mit dem Fahrrad und 10 Prozent mit dem Bus. Zu Fuß lernen Kinder, sich selbstständig und sicher im Verkehr zu bewegen. Aktive Kinder sind den Tag über entspannter und können sich besser konzentrieren. Ein anderer Aspekt: Zu den Bring- und Abholzeiten verstopfen viele Autos von Eltern die Zufahrten und erhöhen das Risiko von Unfällen im unmittelbaren Umfeld von Kita und Schule.

Schild auf dem Schulweg
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Außerdem sorgen "Elterntaxis vor Schulen und Kindergärten für Verkehrschaos", sagen das Deutsche Kinderhilfswerk und der VCD.

Für Kinder schaffen diese Autos unübersichtliche und gefährliche Situationen. Weniger Elterntaxis heißt mehr Platz und größere Sicherheit für alle Kinder. Auch die Luft, die die Kinder einatmen, wird besser.

Deutsches Kinderhilfswerk/VCD gemeinsame Erklärung

Kindern mehr zutrauen - gut für ihre Entwicklung

Die Gesellschaft müsse den Kindern wieder mehr zutrauen, heißt es weiter: "Zu Fuß zur Schule oder in den Kindergarten gehen ist insgesamt gut für die Entwicklung von Kindern. Die Kinder lernen, sich sicher im Verkehr zu bewegen. Und Eltern stärken das Selbstbewusstsein ihrer Kinder, wenn sie diese eigenständig und mit anderen Kindern zur Schule laufen oder mit dem Roller oder Rad fahren lassen."


Meinungen prominenter "Zu-Fuß-Paten"

Prominente Paten unterstützen die Aktion von Deutschem Kinderhilfswerk und VCD:

Nico Rosberg
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Seit der Geburt meiner Tochter Alaia ist mir noch bewusster geworden, dass wir alle gemeinsam dazu beitragen müssen, Kindern eine lebens- und liebenswerte Welt zu hinterlassen. Damit sie gesund und mit einer echten Zukunftsperspektive aufwachsen können. Dazu gehört es auch, dass sich Kinder ausreichend bewegen.

Nico Rosberg ehemaliger Formel-1-Fahrer

Die Aktionstage ‘Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten’ zielen darauf ab, dass Kinder nicht mit dem Elterntaxi bis vor das Schultor chauffiert werden, sondern den Schulweg möglichst eigenständig zurücklegen. In Begleitung von Freundinnen und Freunden macht das ja viel mehr Spaß, als auf dem Rücksitz im Auto die Welt an sich vorbeiziehen zu sehen. Und es sorgt vor allem schon vor dem Schulbeginn für mehr Bewegung im Alltag.

Regina Halmich Ehemalige Boxweltmeisterin und Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerks

3 Tipps: So kommt ihr Kind sicher in die Schule oder zur Kita

Das Deutsche Kinderhilfswerk und der VCD haben Tipps für Eltern, Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte ausgearbeitet. So sollen Kinder ohne Elterntaxi sicher zur Schule und zum Kindergarten gelangen:

Tipp 1: Laufgemeinschaften bilden - soziales Verhalten fördern

Kinder, die mit Freunden und Freundinnen zur Schule gehen, lernen, auch auf andere aufzupassen. Ihr soziales Verhalten wird gefördert und sie können schon auf dem Weg zur Schule Freundschaften pflegen oder schließen und ihre Nachbarschaft kennenlernen.

Tipp 2: Roller- und Fahrradständer bauen - Eigenverantwortung fördern

Ist der Schulweg zu lang, um ihn zu laufen, bieten der Tretroller oder das Fahrrad Kindern eine gute Alternative. Roller- und Fahrradständer vor Schulen und Kitas helfen das Chaos in den Griff zu kriegen und Kinder lernen, sich selbstständig um ihre Verkehrsmittel zu kümmern.

Tipp 3: Schulstraßen beantragen

Um die unübersichtlichen und gefährlichen Situationen durch Elterntaxis vor Schulen und Kitas in den Griff zu bekommen, haben Eltern die Möglichkeit, einen Brief an ihre Schulleitung zu schreiben. Schulleitungen können sich wiederum an die Kommunen wenden und diese dazu auffordern, die Straße vor der Schule oder Kita als Schulstraße mit temporären Durchfahrtsbeschränkungen auszuweisen, wenn es die Lage der Schule erlaubt. Das Deutsche Kinderhilfswerk und der VCD unterstützen die Eltern sowie die Schulleitung mit einer Briefvorlage.

Das Wort Schule steht auf der Strasse. Absicherung eines Schulweges vor einer Schule
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red/KNA/VCD/Deutsches Kinderhilfswerk: "Zu Fuß zur Schule"

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. Oktober 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2019, 18:44 Uhr

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