Abgesperrter Kurfürstendamm in Berlin nach tödlichem Autorennen 2016
1. Februar 2016: Abgesperrte Straße im Berliner Zentrum nach tödlichem Autorennen Bildrechte: dpa

Entscheidung des Bundesgerichtshofs Mordurteil gegen Berliner Raser aufgehoben

BRISANT | 01.03.2018 | 17:15 Uhr

Abgesperrter Kurfürstendamm in Berlin nach tödlichem Autorennen 2016
1. Februar 2016: Abgesperrte Straße im Berliner Zentrum nach tödlichem Autorennen Bildrechte: dpa

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das bundesweit erste Mordurteil gegen Raser aufgehoben. Er gab am Donnerstag der Revision zweier Männer statt, die nach einem illegalen Autorennen mit tödlichem Ausgang vom Landgericht Berlin zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden waren. Im Kern geht es um die Frage, ob ein bedingter Vorsatz angenommen werden kann. Die Karlsruher Richter sahen dieses Mordmerkmal nicht gegeben und verwiesen den Fall zur Neuverhandlung zurück nach Berlin.

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Landgericht sah Mordmerkmale erfüllt

Das tödliche Autorennen auf dem Berliner Kurfürstendamm 2016 und das Urteil ein Jahr später hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt. Erstmals wurden Autoraser als Mörder verurteilt. Das Landgericht Berlin hatte beide Raser zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Es sah einen bedingten Tötungsvorsatz gegeben, die Angeklagten hätten den Tod anderer Menschen bewusst und billigend in Kauf genommen. Auch das weitere Mordmerkmal eines gemeingefährlichen Tatmittels sei erfüllt. Die jungen Männer hätten ihre PS-starken Autos nicht mehr unter Kontrolle gehabt. (Az Berlin: 4 StR 399/17)

Mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde über den Ku'damm gerast

Die zur Tatzeit 24 und 26 Jahre alten Angeklagten waren Anfang 2016 nachts mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde um die Wette über den Berliner Kurfürstendamm gerast und hatten dabei mehrere rote Ampeln überfahren. An einer Kreuzung rammte einer ein unbeteiligtes Auto. Der Wagen wurde mehr als 70 Meter weit geschleudert. Der 69-jährige Fahrer war sofort tot.

Unfallort nach tödlichem Autorennen am Berliner Kurfürstendamm Anfang 2016
Der Unfallort glich einem Trümmerfeld. Augenzeugen dachten zunächst an ein Bombenattentat. Auch die Beifahrerin des 24-Jährigen wurde schwer verletzt. Die sogenannten Ku'damm-Raser kamen mit leichten Blessuren davon. Beide waren schon mehrfach als als notorische Verkehrssünder ohne Unrechtsbewusstsein auffällig geworden. Bildrechte: dpa

Zwei andere Fälle zum Vergleich

Über zwei weitere Raserfälle verhandelten die obersten Strafrichter am 1. März parallel. Die Landgerichte Bremen und Frankfurt am Main hatten dabei, wie bislang üblich, bereits auf fahrlässige Tötung entschieden. Im Bremer Fall war ein 23-Jähriger mit Tempo 150 durch die Stadt gerast und hatte bei Rot an einer Ampel einen Fußgänger tödlich verletzt. Im Frankfurter Fall überfuhr ein 20-Jähriger mit einem Mietwagen mit 142 Kilometern pro Stunde eine rote Ampel und kollidierte mit einem aus der Gegenrichtung kommenden Linksabbieger. Dessen Fahrer starb am Unfallort. (Bremen: 4 StR 311/17, Frankfurt: 4 StR 158/17)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. März 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2018, 16:18 Uhr

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