Experten-Interview Gefahr durch Blaualgen - das sollten Sie wissen!

BRISANT | 26.07.2019 | 17:15 Uhr

Große Mengen an Blaualgen, wie sie zurzeit häufig in Deutschland vorkommen, können für Badegäste problematisch werden. Warum das so ist und wie man Blaualgen als Laie erkennen kann, erfahren Sie hier.

Große Mengen an Blaualgen, wie sie zurzeit häufig in Deutschland vorkommen, können für Badegäste problematisch werden. Warum das so ist und wie man Blaualgen als Laie erkennen kann, hat Jutta Fastner vom Umweltbundesamt dem MDR in Sachsen-Anhalt verraten.

Fuß in mit Blaualgen verschmutztem Wasser
Blaualgen im Wasser laden nicht gerade zum Baden ein. Bildrechte: IMAGO

Warum darf bei Blaualgen nicht gebadet werden?

Jutta Fastner: "Blaualgen kommen eigentlich in geringen Mengen in jedem Gewässer vor. Dann darf man auch baden. Problematisch wird es nur, wenn sie sich massenhaft vermehren. Es gibt verschiedene Ursachen, warum Blaualgen gefährlich sind. Einmal Schleimhautreizungen: Dann jucken die Augen oder die Haut kann jucken bei empfindlichen Menschen. Das ist auf die Cyanobakterien, den Organismus an sich, zurückzuführen. Das zweite ist, dass die Cyanobakterien Toxine produzieren können. Die wirken aber nur, wenn man das Wasser in großen Mengen schluckt. Das dritte ist: Wenn das Wasser besonders trüb ist durch Cyanobakterien, dann ist bei Badeunfällen die Rettung erschwert."

Warum reagieren Menschen so unterschiedlich?

Jutta Fastner: "Kleinkinder nehmen zum Beispiel einfach mehr Wasser auf, wenn sie spielen. Das machen Erwachsene nicht so. Manche sind empfindlicher, haben eine allergene Disposition und reagieren so mit Juckreiz."

Kann man Blaualgen denn als Laie erkennen?

Jutta Fastner: "Ja, viele Cyanobakterien können an der Gewässeroberfläche schwimmen. Das sind dann die grünen Schlieren. Die sind zu unterscheiden von Grünalgen, die lange Fäden ziehen. Manche Cyanobakterien bilden kleine Kügelchen, die man auch mit bloßem Auge erkennen kann. Wenn man knietief im Wasser steht und seine Füße nicht mehr sieht, dann ist Vorsicht geboten."

Blaualgen treten hierzulande ja immer wieder auf. Ist das eine Folge der Hitze und des Klimawandels?

Jutta Fastner: "Nein, die primäre Ursache, warum sich Blaualgen vermehren, sind die Nährstoffe, allen voran Phosphor. Natürlich treten sie im Sommer auf, weil es warm ist. Aber in einem Gewässer, in dem es keine Nährstoffe gibt, können sich Cyanobakterien nicht massenhaft entwickeln."

Also weil es so viel Phosphor gibt, blühen die Bakterien auf?

Jutta Fastner: "Genau. Das kann man sich wie beim Düngen vorstellen. Je mehr Sie düngen, desto mehr Blattmasse entwickelt die Pflanze."

Gibt es denn ein wirksames Gegenmittel?

Jutta Fastner: "Das beste Gegenmittel ist, die Nährstoffe zu reduzieren in einem Gewässer. Man kann zum Beispiel in den Kläranlagen entphosphaten. Dann hat man den Bakterien die Nährstoffgrundlage entzogen."

Grün und gelb eingefärbte Blaualgen unter dem Mikroskop
Die Bakterien in den Blaualgen können Schleimhautreizungen, also juckende Augen oder Haut, hervorrufen. Bildrechte: IMAGO/blickwinkel

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. Juli 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2019, 11:37 Uhr

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