Blutkonserven werden knapp Ab Herbst dürfen auch Homosexuelle Blut spenden - unter einer Bedingung

Blutkonserven sind ein rares Gut in Deutschland. Da ist es beinahe absurd, dass homosexuelle Männer häufig als Blutspender abgelehnt werden. Ein Experten-Gremium hat nun einen Vorschlag erarbeitet, der das ändern könnte.

Mit der Lockerung der Corona-Regeln ist die Lust am Reisen gestiegen. Das hat nach Angaben vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) zur Folge, dass Blutspender fehlen und die Bestände an Blutkonserven schrumpfen. Mit der weiteren Lockerung der Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werde damit gerechnet, dass Menschen ihre Freizeit für weitere Aktivitäten nutzen, die bisher eingeschränkt oder gar nicht möglich waren. "Wir brauchen aber viel mehr Spender als momentan, denn jeder Mensch kann zum Notfall werden, wie bei einem Unfall, und Blutkonserven brauchen", sagt ein Sprecher des DRK.

Keine Gleichbehandlung bei Geschlecht und sexueller Orientierung

Umso unzeitgemäßer wirkt da die Regelung im Transfusionsgesetz, wonach beispielsweise homosexuelle Männer als Spender so gut wie gar nicht in Frage kommen. Schwule Männer dürfen derzeit nur Blut spenden, wenn sie mindestens ein Jahr lang keinen sexuellen Kontakt zu einem anderen Mann gehabt haben. Das könnte sich aber ab Herbst ändern. Der Grund: Die aktuell geltenden Vorgaben für homo-, bi- und transsexuelle Menschen sollen nach Angaben des "Deutschen Ärzteblattes" gelockert werden. Darauf hätten sich eine Arbeitsgruppe des Bundesgesundheitsministeriums, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Robert Koch-Instituts (RKI) sowie ein entsprechender Beirat der Bundesärztekammer verständigt.

Blutkonserven in einem Tragekorb aus Plastik
Blutkonserven werden nach Angaben des DRK in Deutschland knapp. (Archiv) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ärzte-Gremium erarbeitet Vorschlag

Herausgekommen ist ein Vorschlag, der offenbar bis September umgesetzt werden soll. Er würde es "Personen, die seit mindestens vier Monaten ausschließlich in einer derartigen Partnerschaft sexuell aktiv sind", ermöglichen, Blut zu spenden. Mit "derartige Partnerschaft" sind Paare gemeint, gleich welchen Geschlechts, die "Sexualverkehr ausschließlich innerhalb einer auf Dauer" angelegten Beziehung haben. Also soll für alle Spender, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung gelten, das Blutspenden nach vier Monaten "risikolosem Sexualverkehr", also ohne wechselnde Partner, möglich sein wird.

AIDS-Krise als Ursprung für Verbote

Seit der Aids-Krise in den 80er Jahren war es Männern, die Sex mit Männern haben, zunächst verboten, Blut zu spenden. Seit 2017 dürfen schwule, bisexuelle und transsexuelle Männer zwar wieder Blut spenden, aber nur nach einer Wartefrist von zwölf Monaten seit dem letzten Sexualverkehr. Das Spendeverbot wird bislang damit begründet, dass das Sexualverhalten der genannten Personen "ein Risiko für den Empfänger von Blutprodukten" mit sich bringen könne. Über dieses Verbot hatte es immer wieder heftige Debatten gegeben - auch im Bundestag.

Eine Frau mit Blutkonserven.
Bis 2017 wurden schwule Männer generell von der Blutspende ausgeschlossen. (Archiv) Bildrechte: imago images/Eibner

Spender-Gleichstellung ab September?

Nun steht offenbar die Wende bevor. Die geplanten Neuerungen begründet das Ärzte-Gremium wie folgt: "Spätestens nach 4 Monaten können Infektionen mit HBV, HCV oder HIV sicher ausgeschlossen werden. Eine Zulassung zur Spende 4 Monate nach Beendigung des sexuellen Risikoverhaltens führt nicht zu einer Erhöhung des Risikos für die Empfängerinnen und Empfänger von Blut und Blutprodukten." Bis die neue Regelung im September voraussichtlich in Kraft tritt, appelliert der DRK-Blutspendienst bundesweit an die Bürger, in den kommenden Tagen und Wochen Blut zu spenden. Es gelte, die Lagerbestände wieder aufzubauen, um eine sichere Blutversorgung gewährleisten zu können.

(BRISANT/dpa/kna/dt. ärzteblatt)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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