Bombe Dresden entschärft
Diese Bombe hatte Rettungskräfte und Bewohner zwei Tage in Atem gehalten. Bildrechte: MDR/Bibiana Barth

Geduldsprobe zu Ende Bombe entschärft - Aufatmen in Dresden

BRISANT | 24.05.2018 | 17:15 Uhr

Tausende Dresdner hatten sich schon auf die dritte Nacht in Notquartieren eingestellt. Dann kam die Entwarnung der Polizei: "Die Fliegerbombe ist entschärft." Sehnsüchtig hatten die Anwohner auf diese Nachricht gewartet.

Bombe Dresden entschärft
Diese Bombe hatte Rettungskräfte und Bewohner zwei Tage in Atem gehalten. Bildrechte: MDR/Bibiana Barth

Es ist die Nachricht, auf die Tausende Dresdner seit Beginn der Evakuierungsaktion Dienstagnacht gewartet haben: "Die Fliegerbombe ist entschärft." Am Donnerstag kurz vor 17 Uhr teilt die Polizei mit, dass die Anwohner zurück in ihre Wohnungen können. Nach gut 48 Stunden ging damit die aufwendigste Bombenentschärfung in Dresden zu Ende.

Löschroboter und Panzerbagger

Für die Polizei hatte der Einsatz viele Besonderheiten. Nicht nur, dass mehr als 9.000 Dresdner ihre Wohnungen verlassen mussten und zwei Nächte lang in Notquartieren ausharrten. Auch die Entschärfung selbst erwies sich als höchst kompliziert, urteilte Polizeisprecher Thomas Geithner.

Der erste Entschärfungsversuch klappte nicht. Beim zweiten Anlauf explodierte die Bombe teilweise und der aufgeschichtete Schutzwall brannte stundenlang. Mit einem Löschroboter und einem Panzerbagger tasteten sich die Sprengstoffexperten vorsichtig heran. Immer wieder erschwerten aufflammende Glutnester die Löscharbeiten. Nach mehreren Kontrollen konnte der Sprengmeister Entwarnung dann geben. Ein Teil des Sprengstoffes habe sich "detonativ umgesetzt", der andere brannte folgenlos ab. Die Experten nennen das Deflagration. Im Fall einer kompletten Detonation ohne Schutzvorkehrungen hätte man mit Splittern im Umfreis von etwa 800 Meter rechnen müssen.

Nach Bombenfund: Dresden kehrt langsam zur Normalität zurück

Bombe Dresden entschärft
Nach fast 48 Stunden gibt die Polizei am Donnerstag Entwarnung: Die Bombe ist entschärft. Bildrechte: MDR/Bibiana Barth
Bombe Dresden entschärft
Nach fast 48 Stunden gibt die Polizei am Donnerstag Entwarnung: Die Bombe ist entschärft. Bildrechte: MDR/Bibiana Barth
Bombe Dresden entschärft
Sprengmeister Holger Klemig ist erleichtert. Bildrechte: MDR/Bibiana Barth
Bombe Dresden PK
Zusammen mit Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar (M.) und Feuerwehrchef Andreas Rümpel (r.) stellten sich den Fragen der Reporter. Bildrechte: xcitePRESS
Schutt Bombe Dresden
Zum ersten Mal können nun auch Journalisten einen Blick hinter den Schutzwall werfen. Unter den verkohlten Papierresten bargen Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes den Blindgänger. Das Gebiet um die Fundtstelle fast zwei Tage lang abgeriegelt. Nur der Sprengmeister durfte sich in der Nähe der Fundstelle aufhalten. Bildrechte: MDR/Bibiana Barth
Bombe Dresden entschärft
Besonders brisant: In der Nähe der Bombe befand sich auch eine Tankstelle. Bildrechte: MDR/Bibiana Barth
Luftbild Bombe
Tag 3 an der Bombenfundstelle hatte zunächst nicht gut begonnen: Nach einem zweiten Entschärfungsversuch brannte das um die Bombe gelagerte Dämmmaterial. Luftaufnahmen der Polizei zeigen den Krater. Bildrechte: Polizeidirektion Dresden
Teildetonation der Fliegerbombe vom Emerich-Ambros-Ufer aus aufgenommen
Kurz nach Beginn der zweiten Entschärfung hatte es einen Knall gegeben, Rauch stieg auf. Zunächst war nicht klar, was genau passiert ist. Dann teilte die Polizei mit, dass der Zünder zwar entfernt werden konnte, dabei aber Funken ein Feuer entfacht hatten. Bildrechte: Sindy Gehrisch
Bombe Dresden Feuerwehr
Nachdem es zunächst hieß, man wolle das Feuer herunterbrennen lassen, entschieden sich die Einsatzkräfte am Donnerstagmittag doch, das Feuer zu bekämpfen. Bildrechte: xcitePRESS
Ein Löschroboter ist an der Fundstelle der Bombe in Dresden im Einsatz.
Diese Aufgabe übernahm ein Löschroboter. Nach wie vor darf sich niemand in der Nähe der Bombe aufhalten. Auf maximal 300 Meter dürfen die Einsatzkräfte heran. Anwohner müssen weiter in Notquartieren ausharren. Bildrechte: xcitePRESS
Polizei sperrt Straße ab
Seit Dienstagabend ist das Areal gesperrt. Eine Entschärfung ist im ersten Anlauf am Mittwochvormittag fehlgeschlagen. Bildrechte: Roland Halkasch
Bombe Dresden Betonblöcke
Am Mittwochnachmittag begannen die Einsatzkräfte mit den Vorbereitungen für den zweiten Entschärfungsversuch. Mit Betonblöcken, Papierballen und mit Sandsäcken errichteten sie einen Schutzwall um die Bombe. Bildrechte: Tino Plunert
Bombenfund in Dresden
Die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg war am späten Dienstagnachmittag bei Bauarbeiten auf der Löbtauer Straße, Ecke Wernerstraße entdeckt worden. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch
Bombenfund in Dresden
Die Polizei hatte den Fundort umgehend gesichert, in dessen Nähe sich auch eine Tankstelle befindet. Anwohner wurden noch am Abend aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch
Evakuierung Dresden Bombe
Die Sperrzone erstreckt sich auf 400 Meter im Umkreis des Fundortes. Sie musste am Nachmittag nach Norden noch einmal erweitert werden. Bildrechte: Polizeidirektion Dresden
Bombe Dresden
Die Dresdner Verkehrsbetriebe brachten Anwohner mit Sonderbussen aus der Sperrzone. Bildrechte: Roland Halkasch
Heim Ago - Bombenfund Dresden
Unter den mehr als 9.000 Betroffenen sind auch viele Pflegeheimbewohner. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
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"Am Ende des Tages können wir froh sein"

"Die Bombe war hochgefährlich. [...] Dieser Einsatz hat nicht nur die Dresdner, sondern auch Feuerwehr, Rettungskräfte und die Polizei in Atem gehalten", sagte Polizeipräsident Horst Kretzschmar. "Am Ende des Tages können wir froh sein, dass wir unsere beiden Hauptziele erreicht haben", sagte der Polizeipräsident. Zum einen sei kein Mensch in Gefahr geraten, zum anderen habe man die materiellen Schäden so gering wie möglich gehalten. Nur die Zeit sei die "Unbekannte" gewesen, die für alle Beteiligten am anstrengendsten war. Nach fast 48 Stunden Einsatz sei es aber gelungen, die die Lage zu meistern.

Bombe Dresden
Bildrechte: Tino Plunert

Im Verlauf dieses Entschärfungsversuches wurde uns aber bewusst und klar, dass das nicht wie üblich funktionieren wird. Allgemeinverständlich: Da gehen dann die Nackenhaare hoch. Das weiß man: Man muss an der Stelle aufhören mit dem, was man eigentlich vorhat.

Holger Klemig | Sprengmeister

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018, 09:06 Uhr

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