Coronavirus Impfung und Genesung: Der beste Schutz gegen Corona

Die sogenannte hybride Immunität, auch Super-Immunität genannt, ist aktuell der beste Schutz, den die Wissenschaft gegen das Coronavirus kennt. Damit sind Menschen gemeint, die sowohl geimpft sind als auch eine Infektion durchgemacht haben. Ist damit möglicherweise das Ende der Pandemie in Sicht? BRISANT klärt auf.

ein negativ Corona-Testkit
Corona Impfung und genesen, diese Menschen können von einer Super Immunität profitieren. Bildrechte: IMAGO / Steinach

Wenn es um die Immunität gegen das Coronavirus geht, taucht immer häufiger der Begriff "Super-Immunität" bzw. "Hybrid-Immunität" auf. Diese Form der Immunität soll eine stärkere und länger anhaltende Immunantwort des menschlichen Körpers auf eine Infektion mit dem Coronavirus mit sich bringen.

Immunsystem: Antikörperspiegel und Gedächtniszellen

Von der hybriden Immunität spricht man bei Menschen, die sowohl geimpft als auch genesen sind. Sie entwickeln offenbar einen besonders guten Schutz, da Antikörper nicht nur durch die Impfung produziert werden, sondern auch durch die Infektion eine Aktivierung des Immunsystems stattfindet. Der Antikörper-Spiegel soll dann sehr hoch sein und die stärkste Immunantwort auf eine erneute Infektion mit SARS-Cov-2 bieten - zumindest für eine ganze Weile.

Bei der Immunantwort des Körpers geht es bislang vor allem um die Fragen, wie viele Antikörper sich gegen das Coronavirus bilden und wie lange sie im Körper bleiben.

Inzwischen ist klar, dass der Antikörper-Spiegel sowohl bei Geimpften als auch bei Genesenen innerhalb weniger Monate stark abnimmt. Studien aus Israel haben gezeigt, dass die Immunität deutlich länger anhält, wenn eine Person sowohl geimpft als auch genesen ist. Der Grund sind hier aber nicht direkt die Antikörper-Spiegel, sondern ein anderer wichtiger Baustein der Immunität: die Gedächtniszellen.

Illustration Antikörper
Antikörper belagern ein Coronavirus. (Illustration) Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Immunität nicht bei jedem gleich

Diese sorgen dafür, dass bei erneutem Kontakt mit einem Coronavirus sofort neue Antikörper gebildet werden. Sie erinnern sich quasi an die Viren. Das schützt zwar nicht vor einer Infektion, verhindert aber zumeist einen schweren Verlauf von Covid-19.

Die Gedächtniszellen könnten nach Auffassung von Experten nach einer Infektion möglicherweise sogar lebenslang aktiv sein. So wiesen Patienten, die sich 2002/03 mit Sars-Cov-1 infiziert hatten, laut "The Lancet Infectious Diseases" auch 17 Jahre später noch sogenannte T-Zellen gegen diesen Virentyp auf.

Jedes Mal, wenn die Gedächtniszellen erneut mit dem Coronavirus in Kontakt kommen, lernen sie offenbar dazu und sorgen für besseren Schutz. Deshalb wird auch für Genesene eine Impfung und für Doppelt-Geimpfte die Booster-Impfung dringend empfohlen.

Dennoch gilt: Immunität ist sehr individuell und von Mensch zu Mensch verschieden, so Derrick Williams, Wissenschaftskorrespondent der Deutschen Welle. Auch eine hybride Immunität bietet laut Williams voraussichtlich keinen ewigen Schutz. Das Problem könnten neue Virus-Varianten sein, die den bestehenden Schutz zum Bröckeln bringen. Dennoch sei eine hybride Immunität "der beste Schutz, den die Wissenschaft aktuell kennt", sagt auch Immunologe Carsten Watzl.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), steht in einem Labor.
Immunologe Watzl: Hybride Immunität "der beste Schutz, den die Wissenschaft aktuell kennt". (Archiv) Bildrechte: dpa

Expertenrat: Nicht absichtlich infizieren!

Auch wenn die Schutzwirkung hoch zu sein scheint, warnen Experten davor, sich nach einer Impfung absichtlich zu infizieren. Der entscheidende Grund dafür ist, dass es keine Garantie für milde Verläufe gibt. Außerdem könnte das Virus an Dritte weitergegeben werden, und es ist viel zu wenig über Long Covid, also die Langzeitfolgen einer Infektion, bekannt.

Infektionen durch Impfdurchbrüche sind aber vor allem seit der Omikron-Variante keine Seltenheit mehr. Hier kann der Effekt der Hybrid-Immunisierung pandemologisch interessant sein: Gibt es viele Geimpfte, die sich damit infizieren, besteht die Hoffnung, dass sie im Anschluss von der Hybrid-Immunität profitieren, was einen Weg aus der Pandemie bedeuten könnte.

Schleimhautimmunität - der Weg aus der Pandemie?

In der vorerst letzten Folge des NDR-Podcasts "Corona Update" bringt Charité-Virologe Christian Drosten einen weiteren positiven Effekt einer Corona-Infektion trotz vollständiger Impfung zur Sprache: die sogenannte Schleimhautimmunität.

Die Pandemie ist nicht vorbei, wenn durch die Impfung die Krankheitsschwere abgeschnitten ist, sondern erst, wenn durch bestimmte Modifikationen in der Bevölkerung auch die hohe Übertragbarkeit beendet ist.

Christian Drosten Corona Update

Mit "Modifikationen in der Bevölkerung" meint Drosten den Erwerb einer Schleimhautimmunität, wie sie jeder Mensch ohne größeres Zutun im Laufe seines Lebens bekommt, zum Beispiel gegen Grippeviren.

Das bedeutet konkret: Durch wiederholt durchgemachte Infektionen bildet sich bereits auf der Nasen- und Rachenschleimhaut eine Barriere gegen den Erreger. Diese Barriere schützt nicht nur den Betroffenen, sondern sorgt außerdem dafür, dass das Virus nicht mehr so leicht weitergegeben werden kann. Für Christian Drosten ist das der Schlüssel zur Beendigung der Pandemie.

Doch auch der hat einen Haken: Für junge, vollständig geimpfte Menschen ist die mehrfache Infektion mit dem Coronavirus in der Regel kein Problem. Risikogruppen sollten unterdessen vor jeglicher Ansteckung geschützt werden - durch Masken oder antivirale Medikamente.

(BRISANT/ten/dpa/afp/br/dw/Corona Update)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. März 2022 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren