Auffrischung Stiko empfiehlt Booster-Impfung nach drei Monaten

Auffrischimpfungen gelten als wichtig gegen die Omikron-Variante, obwohl auch sie keinen 100-prozentigen Schutz vor Ansteckung bieten. Die Ständige Impfkommission schafft nun den Rahmen für beschleunigtes Boostern. Ein weiteres Argument für die Booster-Impfung ist die EU-Entscheidung, die Gültigkeit der Impfzertifikate zeitlich zu begrenzen.

Impfampullen mit Biontech Impfstoff steht für die Vorbereitung zum Impfung bereit.
Bosster-Impfungen sollen künftig schon nach drei Monaten stattfinden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Auffrischimpfungen wegen der Omikron-Variante des Coronavirus bereits nach mindestens drei statt nach sechs Monaten. Die Empfehlung zum verkürzten Impfabstand gelte ab sofort für Erwachsene, teilte das Gremium am Dienstag (21.12.) mit. Sie ziele auf einen verbesserten Schutz vor schweren, durch Omikron hervorgerufenen Erkrankungen in der Bevölkerung ab und auf eine verminderte Übertragung der Variante. Es sei damit zu rechnen, dass Omikron das Infektionsgeschehen hierzulande "innerhalb kürzester Zeit" bestimmen werde.

Impfschutz-Reduktion nach drei bis vier Monaten

Ältere und vorerkrankte Menschen sollen laut Stiko wegen ihres höheren Covid-19-Risikos die Spritze bevorzugt erhalten. Die beiden mRNA-Impfstoffe, die zum Boostern verwendet werden (Comirnaty von Biontech/Pfizer und Spikevax von Moderna), seien "hinsichtlich ihrer Wirksamkeit völlig gleichwertig".

Aktuelle Daten deuteten auf einen deutlich verringerten Impfschutz nach der Grundimmunisierung gegenüber der Omikron-Variante hin, erklärte die Stiko. Dieser nehme nach drei bis vier Monaten signifikant ab. Nach einer Auffrischimpfung steige die Schutzwirkung vor symptomatischer Infektion mit der Omikron-Variante jedoch wieder deutlich an. Es sei derzeit davon auszugehen, dass auch der Schutz vor schweren Verläufen zunehme. Zur Dauer des Schutzes könne man derzeit noch nichts sagen.

Das RKI schätzt das Risiko für zweifach Geimpfte und Genesene seit Montag (20.12.) wegen Omikron als hoch ein. Für Ungeimpfte bleibt es demnach "sehr hoch". Für Menschen mit Auffrischimpfung sprach das Institut von moderatem Risiko. Wissenschaftler haben Omikron-Ansteckungen auch schon bei Menschen dokumentiert, die bereits eine Auffrischimpfung erhalten hatten.

Omikron 3D Collage mit Impfdose
RKI: Nach Booster nur noch moderates Risiko wegen Omikron. (Archiv) Bildrechte: imago images/Alexander Limbach

Boostern allein nicht ausreichend

Fachleute betonten, dass Boostern allein gegen die stark mutierte Omikron-Variante nicht ausreichen dürfte. "Eine massive Ausweitung der Boosterkampagne kann die Dynamik verlangsamen und damit das Ausmaß mindern, aber nicht verhindern", hieß es etwa in einer Stellungnahme des neuen Expertenrats der Bundesregierung, dem auch Stiko-Chef Thomas Mertens angehört.

Laut mathematischer Modelle könne eine Überlastung des Gesundheitssystems und die Einschränkung der kritischen Infrastruktur nur "zusammen mit starken Kontaktreduktionen eingedämmt werden". Ähnlich äußerte sich am Dienstag auch das Robert Koch-Institut.

Als wenig sinnvoll hatten Immunologen hingegen das Boostern bei immungesunden Menschen nach noch kürzerer Zeit beurteilt, etwa nach vier Wochen. Der Booster wirke dann viel schlechter, weil bestimmte immunologische Prozesse noch nicht abgeschlossen seien.

Impfzertifikat gilt neun Monate ab Grundimmunisierung

Corona-Impfnachweise ohne Auffrischung werden in der Europäischen Union künftig nur noch neun Monate lang gültig sein. Wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte, tritt die Regelung am 1. Februar in Kraft, sofern die Mitgliedstaaten oder das Europaparlament nicht mit den erforderlichen Mehrheiten ihr Veto einlegen. Dies gilt als unwahrscheinlich, weil die Entscheidung mit den Mitgliedstaaten abgestimmt wurde.

Die auf 270 Tage festgelegte Gültigkeitsdauer der Impfzertifikate gebe den "Bürgern und Unternehmen die Sicherheit, ihre Reisen sicher zu planen", erklärte EU-Justizkommissar Didier Reynders. Es sei nun an den Mitgliedstaaten die Auffrischungsimpfungen rasch zu verabreichen, "um unsere Gesundheit zu schützen und die Sicherheit des Reisens zu gewährleisten".

(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. Dezember 2021 | 17:15 Uhr

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