Frauen bei der Armee Nachwuchsprobleme - Bundeswehr hofft auf mehr Soldatinnen

Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem. Um das zu lösen, werden nicht mehr nur Männer umworben, sondern auch potenzielle Soldatinnen - zum Beispiel auf dem "Girls' Day". Die Tür zur Bundeswehr steht Frauen genauso offen wie Männern. Welche Voraussetzungen man dafür erfüllen muss und ob im Kriegsfall auch der Gang an die Front droht, erfahren Sie hier.

Soldatinnen gehen durch das Camp Castor in Gao während des Besuchs der Verteidigungsministerin.
Um das Nachwuchsproblem bei der Bundeswehr zu lösen, werden gezielt auch Frauen umworben. (Archiv) Bildrechte: dpa

Rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten zählen aktuell zur deutschen Bundeswehr. Damit liegt Deutschland nach Angaben des "Global Firepower Index" im internationalen Vergleich auf Platz 22, was die größten Armeen der Welt betrifft. Große Sorgen macht neben der materiellen Ausstattung der Truppen vor allem der Nachwuchs. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 wählen immer weniger neue Rekrutinnen und Rekruten den Weg zur Bundeswehr. Im Jahr 2021 waren es knapp 16.000, zwei Jahre zuvor noch mehr als 20.000. Auch wenn es nach Angaben des Verteidigungsministeriums seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine ein gesteigertes Interesse am Dienst bei der Bundeswehr gibt, kann von großem Aufstocken keine Rede sein - auch vor dem Hintergrund der massiven Ausbaupläne der Bundesregierung in Sachen Verteidigung.

Frauen in der Bundeswehr unterrepräsentiert

Neben dem generellen Problem, genügend Nachwuchs zu aquirieren, hat die Bundeswehr auch ein Frauenproblem. Der Anteil der Soldatinnen lag 2021 bereichsübergreifend bei rund 13 Prozent. Den Generalsrang haben gerade einmal zwei der 23.500 Frauen inne - im Sanitätsdienst. Auch wenn die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, dies in einem Interview mit "t-online" mit der langen Zeit begründet, die es brauche, den Generalsrang zu erreichen, machen diese Zahlen klar, dass die Männerdomäne Bundeswehr mehr Frauen vertragen könnte.

Rekruten und Rekrutinnen nehmen anlässlich des 66. Gründungs-jahres der Bundeswehr am feierlichen Gelöbnis vor der Villa Hammerschmidt in Bonn teil.
Aktuell liegt der Anteil der Soldatinnen bei 13 Prozent. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Future Image

Bundeswehr wirbt um Mädchen beim "Girls' Day"

Hier setzt die Bundeswehr auch auf den "Girls' Day". An diesem bundesweiten Aktionstag, der dieses Jahr am 27. April stattfand, sollen Mädchen ermuntert werden, sich auch für eher Mädchen-untypische Berufe zu begeistern. Im Kern geht es um technisch, naturwissenschaftliche Laufbahnen, aber auch die Bundeswehr präsentiert sich alljährlich als potenzieller Arbeitgeber für Frauen. Dieses Jahr wurden nach Angaben der Bundeswehr an fast 100 Standorten die Kasernen geöffnet, um Einblicke in militärische und zivile Berufswelten bei der Armee zu gewähren. Zudem konnten die Veranstaltungen per Livestream verfolgt werden.

Als Frau zur Bundeswehr?

Der Weg zur Bundeswehr steht interessierten Frauen seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2000 offen. Zuvor war der Dienst bei kämpfenden Truppen undenkbar. Heute sind alle militärischen Laufbahnen möglich - von der Panzerkommandantin bis zur IT-Spezialistin, sowohl im In- als auch im Ausland. Sie stehen Männern damit in nichts nach. Die Bundeswehr unterscheidet nach eigenen Angaben lediglich bei der Bewertung von sportlichen Leistungen zwischen Männern und Frauen. Welche Voraussetzungen für eine Laufbahn bei der Bundeswehr, neben eines gewissen Alters, einer gewissen Größe und der deutschen Staatsbürgerschaft, erfüllt sein müssen, erfahren Sie hier.

Schülerinnen informieren sich beim Girls' Day 2022 im Bundesministerium der Verteidigung über die Arbeit bei der Bundeswehr.
Auf dem "Girls' Day" informieren sich Mädchen über die Arbeit bei der Bundeswehr. (Archiv) Bildrechte: dpa

Wer muss im Kriegsfall kämpfen?

Generell muss in Deutschland niemand zur Bundeswehr, der das nicht möchte. Im Kriegsfall könnte sich das allerdings ändern. Nach Angaben von Anwalt Christian Solmecke müssten alle Männer, nicht nur Reservisten, im Alter zwischen 18 und 60 das Land im Kriegsfall verteidigen. Und zwar, wenn der Bundestag mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit den sogenannten Spannungs- oder Verteidigungsfall ausruft und damit die Aussetzung der Wehrpflicht einkassiert. Der Dienst müsse nicht zwingend an der Waffe sein, sondern könne zum Beispiel auch im medizinischen Bereich sein. Auch Frauen im Alter zwischen 18 und 55 könnten im Kriegsfall zum Dienst verpflichtet werden. Per Gesetz können sie aber nicht zum Dienst an der Waffe gezwungen werden.

Im Kriegsfall das Land verlassen?

Anders als in der Ukraine, wo es Männern zwischen 18 und 60 untersagt ist, aus dem Land zu fliehen, wäre das in Deutschland generell möglich. Aber nur, wenn kein persönlicher Einberufungsbescheid der Bundeswehr vorliegt. Außerdem gilt: Als Soldat oder Soldatin darf per Grundgesetz nicht geflüchtet werden. Die sogenannte Fahnenflucht steht unter Strafe.


(BRISANT/dpa)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. April 2022 | 17:15 Uhr

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