Campingplatz in NRW Kinder jahrelang missbraucht - Teilgeständnis!

BRISANT | 31.01.2019 | 17:15 Uhr

Blick auf die Eingangstür des Gebäudes auf dem Campingplatz Eichwald, das mit Polizeisiegeln versehen ist.
Bildrechte: dpa

Im Fall des sexuellen Missbrauchs an mindestens 23 Kindern in Nordrhein-Westfalen hat ein Mann aus Stade in Niedersachsen ein Teilgeständnis abgelegt. Der 48-Jährige soll die Taten, die sich im nordrhein-westfälischen Lügde zugetragen haben, über das Internet verfolgt haben. Nach Angaben des leitenden Ermittlers, Gunnar Weiß, schaute er aber nicht nur zu. Er habe auch aktiv eingegriffen und zwei weitere Männer angeleitet, wie sie die Kinder missbrauchen sollten.

Bei der Auswertung der sichergestellten Beweismittel und bei den Anhörungen der Kinder kamen perfide Einzelheiten zu Tage, die mich und die anderen Kolleginnen und Kollegen noch lange nach Dienstende beschäftigen.

Kriminalhauptkommissar Gunnar Weiß | Leiter der Ermittlungskommission

Opfer zwischen vier und 13 Jahre alt

Tatort war ein Campingplatz, wo der 56-jährige Hauptverdächtige als Dauercamper lebte. Vermutlich mehr als 1.000 Mal sollen sich die mutmaßlichen Täter an Kindern vergangen haben, verübt in einem Zeitraum von zehn Jahren. Die Opfer seien zwischen vier und 13 Jahre alt gewesen. Alle 23 Opfer sind in Sicherheit. Die Polizei hat umfangreiche Opferschutzmaßnahmen eingeleitet.

Polizei-Hotline Die Ermittler gehen davon aus, dass es noch weitere Opfer gibt. Sachdienliche Hinweise nimmt die Kreispolizeibehörde Lippe unter der Telefonnummer 05231 609 - 3056 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Drei Festnahmen, Ermittlungskommission eingerichtet

Drei Männer - neben dem 56-Jährigen und dem 48-Jährigen aus Stade ein 33-Jähriger aus Steinheim - sitzen in Untersuchungshaft. Die Polizei hat die neunköpfige Ermittlungskommission "Camping" eingerichtet. Die Ermittler gehen davon aus, dass es noch weitere Opfer gibt.

Wir haben noch einen Haufen Arbeit vor uns.

Gunnar Weiß | Leiter der Ermittlungskommission

Haben Behörden und Jugendämter versagt?

Die Ermittlungen richten sich aber auch gegen Mitarbeiter der Jugendämter in Hameln-Pyrmont und im nordrhein-westfälischen Landkreis Lippe. Laut Staatsanwaltschaft bestehe der Verdacht der Fürsorgeverletzung. Eines der Opfer ist demnach die heute achtjährige Pflegetochter des 56-jährigen Hauptverdächtigen. Die leibliche Mutter stammt aus Hameln. Das dortige Jugendamt hatte nach Bitten der Mutter genehmigt, dass der Mann Pflegevater des Kindes wurde.

Lüdge: Ein Absperrband der Polizei ist vor einem Gebäude auf dem Campingplatz Eichwald zu sehen.
Die bisherigen Ermittlungen lassen befürchten, dass die Täter sich in mehr als 1.000 Fällen an den Kindern vergangen haben. Das bei den Tatverdächtigen sichergestellte Beweismaterial ist sehr umfangreich. Bildrechte: dpa

Strafanzeige brachte die Ermittler auf die Spur

Laut Staatsanwaltschaft waren die leibliche Mutter des Mädchens und der Hauptverdächtig lange miteinander bekannt. Ein Verdacht, dass die Frau etwas von mutmaßlichen Missbräuchen wusste, bestehe nicht. Ins Visier der Ermittler geriet der 56-Jährige schließlich im November 2018 wegen einer Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs. Er wurde festgenommen.

Wir haben nach und nach dann das Ausmaß des Falls erkannt.

Achim Tietz | Leiter des Kriminalkommissariats Detmold

"Er baute eine Wohlfühlatmosphäre auf"

Laut Ermittler hatte der arbeitslose Dauercamper über Jahre hinweg regen Kontakt zu Kindern auf dem Campingplatz, bot zahlreiche Freizeitaktivitäten an. "Er baute eine Wohlfühlatmosphäre auf", sagt der Chef der Ermittlungskommission, Gunnar Weiß. Gleichzeitig habe er den Opfern gedroht, sollten sie etwas verraten.

14 Terabyte mit 13.000 Kinderporno-Dateien sichergestellt

Laut den Beamten verabredete sich der Camper mit den beiden anderen Verdächtigen über das Internet zu den Missbräuchen. Beide wurden im Anschluss ebenfalls festgenommen. Die drei Männer sollen nicht nur Kinderpornografie ausgetauscht, sondern sie auch selbst hergestellt haben: Der 56-Jährige und der 33-Jährige hätten die Kinder im Wechsel gefilmt und missbraucht. Bei Durchsuchungen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt rund 14 Terabyte an Daten sichergestellt. "Sehr wahrscheinlich" wurde das kinderpornografische Material über das Internet weiterverbreitet. Hinweise auf einen Kinderporno-Ring gebe es aber nicht.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. Januar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 08:48 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren