Umstrittene Aktion Stadt Celle tötet Maulwürfe mit giftigem Gas

Um die Maulwürfe im Französischen Garten loszuwerden, hat die Stadt Celle offenbar Gift gegen die geschützten Tiere eingesetzt - und einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Video löst Aufschrei aus

Ein Passant beobachtete, wie der Mitarbeiter Gas in die Hügel füllte. Wie die Tiere anschließend taumelnd ihre letzten Meter krochen, filmte er. Zehntausende haben die Bilder mittlerweile im Netz gesehen. Dass der Maulwurf eine zu schützende Art ist, steht fest. Das weiß auch die Stadt Celle. Das Töten stellt im Übrigen eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld geahndet werden.

Stadt erteilt sich selbst die Genehmigung

Um einen Maulwurf töten zu dürfen, braucht es eine Begründung und eine Ausnahmegenehmigung. Die wurde "von den Kollegen der Unteren Naturschutzbehörde" eingeholt, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Diese ist nach Bundesartenschutzverordnung für die Erteilung der Genehmigung zuständig. Im Prinzip hat sich die Stadt Celle damit die Genehmigung selbst erteilt, denn die Behörde ist bei der Stadt angesiedelt.

Alle Versuche zuvor erfolglos

Als Begründung für die Beseitigung der Hügel und am Ende auch des Maulwurfs gibt die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht an. Das heißt: Die Hügel auf den Rasenflächen seien Stolperfallen. Bevor der Schädlingsbekämpfer mit der Gasflasche ausrückte, hatte die Stadt nach eigenen Angaben auch andere Methoden angewendet. Sie hatte es mit Planieren der Hügel versucht, gar mit dem Einsatz von den Maulwurf störenden Duftstoffen. Nichts aber habe geholfen. Am Ende blieb nur der Einsatz von Gas.

OB will Vorgehensweise für die Zukunft ausschließen

Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) äußerte sich auf Facebook in seiner Rubrik "Klartext" zum Thema. In einem kurzen und knappen 21-Sekunden-Video stellte der OB am Mittwoch klar, dass sich seine "Mitarbeiter keines Fehlverhalten schuldig gemacht haben". Das sehen viele Menschen in Celle anders. In der überaus emotional geführten Diskussion hat sich Nigge abseits seiner Überzeugung, dass seine Mitarbeiter nicht falsch gehandelt hätten, aber auch entschuldigt: "Ich habe an uns als Verwaltung einen anderen Anspruch eines ethischen und moralischen Handelns und werde diese Vorgehensweise in der Stadt Celle für die Zukunft ausschließen."

"So etwas wie hier darf nicht sein"

Maulwurf sitzt auf einer Hand
Bildrechte: Colourbox.de

Die Entschuldigung des Politikers für das Vorgehen hebt auch der NABU hervor. Grundsätzlich bestehe keine Gegnerschaft zwischen den Naturschützern und der Stadt, man arbeite in einigen Projekten zusammen. "Aber so etwas wie hier darf nicht sein". Es sei zu begrüßen, dass sich viele Bürger der Stadt dagegen ausgesprochen hätten. Die Konsequenzen müsse die Stadt jetzt tragen. Andere Naturschützer gehen weiter. Der BUND will Medienberichten zufolge die Stadt verklagen.

Methoden, um Maulwürfe zu vertreiben

Ein absolut zuverlässiges Mittel, um Maulwürfe zu vertreiben, gibt es nicht. Geplagte Gartenbesitzer können aber folgende Methoden ausprobieren, die sich im Einzelfall bewährt haben:

  • Für Bewegung auf dem Rasen sorgen: Die beste und wahrscheinlich auch natürlichste Methode, einen Maulwurf loszuwerden, ist Betrieb auf dem Rasen. Fußballspieler, tobende Kinder, umhertollende Hunde - auf Erschütterungen reagiert der scheue Einzelgänger sensibel und sucht sich kurzfristig ein neues Zuhause.
  • Auf Geräusche setzen: Unangenehme oder laute Geräusche sollen den lärmempfindlichen Maulwurf ebenfalls verjagen. Dafür beispielsweise eine Metallstange in die Erde stecken, leere Blechdosen daran befestigen - den Rest erledigt der Wind. Ebenfalls mit der Kraft des Windes funktioniert diese Methode: Den Boden einer PET-Flasche abschneiden und mit der offenen Seite nach oben in die Erde stecken. Pfeift der Wind nun durch die Flasche, erzeugt das Töne, die den Maulwurf zum Verlassen seiner Behausung animieren sollen.
  • Auf Gestank setzen: Maulwürfe haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Dauerhafte Geruchsbelästigung soll sie vertreiben - etwa durch klein geschnittene Knoblauchzehen oder Zwiebeln, die in alle Maulwurfsgänge gegeben werden. Danach die Löcher wieder mit Erde verschließen. Manche Gartenbesitzer setzen auf den Verwesungsgeruch von Fischköpfen. Doch Vorsicht, solche Abfälle können Ratten anlocken.
  • Maulwurfsvlies oder -gitter verlegen: Bei dieser Methoden wird in Beeten und Rasen ein spezielles Vlies oder ein Gitter eingebracht. Sie hindern den Maulwurf daran, sich nach oben durchzugraben. Bei großen Grundstücken ist das jedoch eine teure Angelegenheit, zudem ist das Verlegen nur beim Neuanlegen des Gartens empfehlenswert.
  • Kaiserkrone pflanzen: Die Kaiserkrone ist optisch eine Bereicherung für jeden Garten, für den Maulwurf aber ein möglicher Grund, ihn zu verlassen. Er hält sich ungern in der Nähe dieses schönen Liliengewächses auf, denn der Duft ist ihm zuwider. Die Knollen und Blätter der Kaiserkrone sind für Menschen und Haustiere allerdings giftig, deshalb sollte man beim Pflanzen und Schneiden am besten Handschuhe tragen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. März 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 18:14 Uhr

Das könnte Sie interessieren