Zwischenbilanz Drei Monate Corona-Virus: Was wissen wir über Sars-CoV-2?

Seit nunmehr drei Monaten bestimmt das neuartige Coronavirus unser Leben. Ganz so "neu" ist es also nicht mehr. Doch was wissen wir mittlerweile über den Erreger, was ist überholt - und wie kann man sich bestmöglich vor einer Ansteckung schützen? Vorsicht ist nach wie vor geboten, denn vorbei ist die Corona-Pandemie noch lange nicht.

Atemschutzmaske mit Piktogrammen und Abstandspfeil
Was wissen wir nach drei Monaten Ausnahmezustand über das neuartige Coronavirus? Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Nach gut drei Monaten Ausnahmezustand kehrt Deutschland Schritt für Schritt zur Normalität zurück. Gaststätten und Restaurants dürfen wieder öffnen und die Abstände zwischen den Handtüchern am Badesee werden zusehend kleiner. Masken gehören nach wie vor zu jedem Stadtbild. Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um sich vor dem neuartigen Coronavirus zu schützen - und von welchen wurde mittlerweile Abstand genommen? Und: Was wissen wir mittlerweile über das Virus, das die ganze Welt in Atem hält?

Abstandsregel und Maskenpflicht gelten weiterhin!

Das neuartige Coronavirus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Der Hauptübertragungsweg ist die sogenannte Tröpfcheninfektion, die vorrangig über die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen erfolgt. Deshalb haben sich ein Mund-Nasen-Schutz, Gesichts-Visiere und das Abstandhalten als wichtigster Schutz vor einer Ansteckung erwiesen. Das bestätigen mittlerweile mehrere Studien.

Mundschutzmaske aus Kunststoff zum Schutz vor dem Coronavirus
Maske, Visier und Abstand sind am effektivsten, um sich vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu schützen. Bildrechte: imago images/Müller-Stauffenberg

Keine Großveranstaltungen bis Ende Oktober

Ein Mindestabstand und die Vermeidung von Tröpfcheninfektionen können vor allem bei großen Veranstaltungen, auf Partys in geschlossenen Räumen und in Diskotheken nicht gewährleistet werden. Deshalb bezeichnet man sie als sogenannte Superspreading Events. Ist nur ein Infizierter unter den Gästen, können sich zahlreiche Menschen anstecken. Zu unserem eigenen Schutz sind Großveranstaltungen wie Festivals und große Konzerte, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, noch bis mindestens Ende Oktober 2020 verboten.

Desinfektion von Flächen wird weniger

Theoretisch können Coronaviren auch über eine sogenannte Schmierinfektion übertragen werden. Man kommt über seine Hände mit dem Virus in Kontakt - und überträgt es dann auf die eigenen Schleimhäute. Zu Beginn der Coronakrise wurden deshalb u.a. die Einkaufswagen in den Supermärkten desinfiziert, bevor sie an den nächsten Kunden übergeben wurden. Das sieht man mittlerweile immer seltener. Denn bislang sind kaum Ansteckungen über die Schmierinfektion nachgewiesen worden. Auf eine gute Handhygiene sollte man dennoch achten.

Matthias Pötter desinfiziert eine Haltestange.
Desinfektion in der Straßenbahn Bildrechte: MDR/Magdeburger Verkehrsbetriebe

Weshalb gelten die Kontaktbeschränkungen nach wie vor?

Freunde und enge Verwandte nicht treffen zu dürfen, war für viele Menschen der schwierigste Part des Corona-Lockdowns. Zwar sind sie mittlerweile erheblich gelockert worden, dennoch gelten die Kontaktbeschränkungen nach wie vor. Ist man unwissentlich mit dem Coronavirus infiziert und trifft zu viele Menschen auf einmal, wird man ungewollt zum Super Spreader. Das bedeutet, man gibt das Virus an viele Menschen weiter - und die Infektionsketten können nicht mehr nachvollzogen werden.

Besonders gefährdet sind Menschen in Altenheimen und Krankenhauspatienten, da sich das Virus in "Wohngemeinschaften" leicht überträgt. Deshalb gelten hier nach wie vor strenge Besuchsregelungen.

Impfstoff gegen Sars-CoV-2

Einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt es bislang nicht. In der Regel dauert es 10 bis 15 Jahre, bis ein neuer Impfstoff entwickelt ist. Beim Coronavirus soll das - so der Wunsch vieler Regierungen - deutlich schneller gehen. Das britische Gesundheitsministerium glaubt bereits diesen Oktober mit einer Impfung an den Start gehen zu können, die Bundesregierung hat die Mitte des nächsten Jahres anvisiert.

Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze
Mittlerweile widmen sich mehr als 150 Impfstoffprojekte dem Coronavirus. Bildrechte: dpa

Zwischenzeitlich soll es über 150 Impfstoffprojekte geben, die der Corona-Pandemie Herr werden wollen. Dreizehn davon sollen sich laut WHO bereits in der klinischen Testphase befinden. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die anzweifeln, ob es gegen das Coronavirus überhaupt den einen wirksamen Impfstoff geben kann, da sich die Symptome der einzelnen Corona-Patienten stark voneinander unterscheiden.

Welche Corona-Medikamente gibt es?

Zeitgleich sind Ärzte und Mediziner auf der Suche nach einem Medikament, das den Verlauf von COVID-19 zumindest abmildern kann. Helfen könnte möglicherweise der Entzündungshemmer Dexamethason. Der zur Gruppe der Kortisone gehörende Wirkstoff konnte laut Studien der Universität Oxford die Sterberate bei sehr schwer Erkrankten um bis zu ein Drittel senken. Wie belastbar die Studienergebnisse sind, ist bislang noch offen - und das Medikament noch nicht im Einsatz.

Versuchsweise medikamentiert wird mit dem Ebola-Mittel Remdesivir, das auch bei Corona gute Erfolge zeigen kann, wenn man es früh genug anwendet. Das von US-Präsident Trump heiß umworbende und prophylaktisch eingenommene Malaria-Medikament Hydroxychloroquin birgt hingegen das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmus-Störungen und steht zur Behandlung von COVID-19 nicht mehr zur Diskussion.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Juni 2020 | 17:15 Uhr

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