Maske auf! Reisen trotz Corona: Was gilt in Bahn, Fernbus und Flugzeug?

Nach mehreren Wochen Corona-Lockdown kehrt Deutschland langsam zur Normalität zurück. Schritt für Schritt wird auch das Reisen wieder möglich. Die Bahn setzt mehr Fernverkehrszüge ein, die ersten Fernbusse rollen über die Straßen - und ab Juni soll auch der Flugverkehr wieder den Betrieb aufnehmen. Welche Regeln gelten, um eine Ansteckung der Reisenden mit dem Coronavirus zu verhindern? Und wie kann man sich selbst schützen?

Stewardess von Eurowings mit Maske im Mittelgang eines Flugzeuges.
In Flixbus und Flugzeug ist die Maskenpflicht bindend, in den Zügen der Bahn vorerst noch eine Empfehlung. Bildrechte: imago images/Future Image

Fliegen in Zeiten der Corona-Pandemie

Mitte Juni soll die aufgrund der Corona-Pandemie verhängte internationale Reisewarnung aufgehoben werden - und dann auch der Flugverkehr wieder anlaufen. Wer im Sommer in einen Flieger steigt, für den wird vieles anders sein als früher. Bereits auf dem Flughafen müssen sich Kunden auf längere Wartezeiten am Check-In einstellen. Zwar soll es künftig mehr Schalter dafür geben, ebenso mehr Busse, die die Passagiere zum Flugzeug bringen, doch genau das wird die Infrastruktur verlangsamen.

Weiter ist geplant, in den Wartezonen Sitzplätze zu sperren und Schlangen so zu organisieren, dass auch seitlich der Mindestabstand eingehalten werden kann. Medizin-Checks beim Ein- oder Aussteigen soll es nicht geben.

Wartebereich mit Schildern zum Social Distancing.
In den Wartebereichen der Terminals sollen einzelne Sitzplätze gesperrt werden, um den Mindestabstand zwischen den Reisenden zu gewährleisten. Bildrechte: imago images/Future Image

Maskenpflicht an allen deutschen Flughäfen

Bislang gilt an deutschen Flughäfen keine einheitliche Maskenpflicht in den Terminals. Lediglich die Länder Berlin, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben das für ihre Flughäfen angeordnet. In den anderen Ländern wird die Maske zwar empfohlen, ist aber nur an einzelnen Punkten, wie der Gepäckrückgabe, bindend.

Was ändert sich an Bord?

Die EU hat einheitliche Leitlinien zu Flugreisen während der Corona-Pandemie vorgelegt. Danach sollen Passagiere und Bordpersonal medizinische Schutzmasken tragen - und zwar vom Betreten des Flughafens bis zum Erreichen des Reiseziels. Die Masken sollen alle vier Stunden gewechselt werden.

Zudem empfehlen die EU-Behörde für Luftfahrtsicherheit und die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde die Abstandsregeln "im Rahmen des Möglichen" einzuhalten. Dazu soll möglichst ein Sitz pro Reihe oder jede zweite Reihe im Flugzeug freigelassen werden. Ein Vorschlag, gegen den sich die Fluglinien aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit sträuben.

Nach wie vor debattiert wird, ob im Flugzeug weiterhin Speisen und Getränke serviert werden dürfen. Derzeit steht im Raum, zumindest auf Langstreckenflügen im Vorfeld verpackte Mahlzeiten auszugeben.

Darüber hinaus sollen die Klimaanlagen an Bord die Ansteckungsgefahr minimieren. Angeblich würden diese die Luft so gut filtern können, wie es sonst in Krankenhäusern üblich sei. Bereits die vertikale Belüftung der einzelnen Sitzplätze verringere - in Verbindung mit den Schutzmasken - das Ansteckungsrisiko ausreichend.

Mittagessen auf einer Flugreise in Zeiten der Corona-Pandemie.
Offene Speisen werden künftig wohl nicht mehr in Flugzeugen angeboten werden. Bildrechte: imago images/Frank Sorge

Deutsche Bahn: Kein Recht auf leere Züge!

Mit einem wenig ausgegorenen Konzept meldet sich die Deutsche Bahn aus der Corona-Pause zurück und fährt das Angebot an Fernzügen wieder hoch. Zwar schreibt sich das Unternehmen auf die Fahnen, Bahn-Reisende beim Abstandhalten zu unterstützen, doch ein Anrecht haben sie darauf nicht. Nach wir vor können die Züge voll werden und Fahrgäste (verschiedener Haushalte!) nebeneinander sitzen.

Weshalb Personenverkehrsvorstand Berthold Huber das Ansteckungsrisiko dennoch für "eher gering" einschätzt und die Hygiene-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums umgesetzt sieht, erschließt sich nicht.

Frau mit Mundschutzmaske sitzt in Zug
Solange die Züge nur wenig genutzt werden, ist es kein Problem abstand zu halten. Doch prinzipiell darf jeder Sitzplatz belegt werden. Bildrechte: imago images / imagebroker

Abstandhalten nur, wenn möglich ...

Das vom RKI empfohlene Abstandhalten zu Mitreisenden wird in Zügen nur so lange umgesetzt, wie die geringe Auslastung der Strecken das möglich macht. Dann können Zugreisende bei Bedarf auch umplatziert werden.

Eine Reservierungspflicht, mit der die Anzahl der Fahrgäste hätte begrenzt werden können, hat die Deutsche Bahn nicht umgesetzt. Vielmehr sollen Reservierungen begrenzt werden, um ein bestimmtes Sitzplatzkontingent für Nicht-Reservierer freizuhalten und an Bord spontan reagieren zu können.

Über die Bahn-App "DB Navigator" können sich Bahnreisende anzeigen lassen, wenn Züge zu mehr als 50 Prozent ausgelastet sind. Wenn möglich, sollen sie dann auf weniger ausgelastete Züge ausweichen, um Abstände besser einhalten zu können. Bei besonders starker Nachfrage kann der Verkauf zusätzlicher Tickets auch komplett ausgesetzt werden.

Maskenpflicht vorerst nur eine Empfehlung

Die Maskenpflicht für Fahrgäste des Fernverkehrs ist bei der Deutschen Bahn vorerst nur eine Empfehlung. Das könnte sich aber bald ändern: "Die Bundesländer haben sich auf die Einführung einer Maskenpflicht auch im Fernverkehr deutschlandweit verständigt und setzen dies derzeit in ihren jeweiligen Verordnungen um", erklärte eine Bahn-Sprecherin gegenüber AFP.

Schaffner und Begleitpersonal der Bahn tragen bereits Masken und kontrollieren Tickets an Bord derzeit nur auf Sicht.

Zugbegleiter der Deutschen Bahn tragen Gesichtsmasken am Bahnsteig kurz vor der Abfahrt eines ICE Zugs
Schaffner und Zugbegleiter der Bahn tragen Maske, für die Reisenden ist das bislang nur eine Empfehlung. Bildrechte: imago images / Jochen Eckel

Hygiene und Reinigung in Zügen

Die Ansteckungsgefahr in Zügen will die Bahn über Hygiene und Reinigung minimieren. Luftaustausch und Frischluftzufuhr an Bord würden über die Klimaanlage gewährleistet. Ansonsten setzt man auf verstärkte Reinigungsmaßnahmen. Bestehende Hygienepläne sind mit besonderem Augenmerk auf Kontaktflächen wie Türgriffe und Schalter überarbeitet worden. Insgesamt sollen sich über 4.000 Mitarbeiter der Reinigung der Züge widmen und diese etwa zweimal pro Fahrt säubern.

Wie sicher ist das Reisen mit dem Fernbus?

Nach gut zwei Monaten Corona-Stillstand rollen seit dem 28. Mai auch die Flixbusse wieder - wenngleich mit verkürztem Streckennetz und vorerst nur 20 Fahrzeugen. Die Sitzplätze an den Haltestellen sind nach wie vor gesperrt, doch im Reisebus selbst wird jeder einzelne Platz verkauft. Lediglich die Reihe hinterm Fahrer bleibt frei. Alles andere sei zu teuer, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

Ein Flixbus steht im Zentralen Omnibusbahnhof in Berlin neben einer abgesperrten Sitzreihe.
An der Haltestelle sind die Sitzplätze noch gesperrt, im Flixbus selbst darf jeder einzelne Platz besetzt werden. Bildrechte: dpa

Der Mindestabstand kann damit nicht eingehalten werden. Der gestaltet sich bereits beim Einsteigen schwierig. Das ist derzeit ausschließlich über die hintere Bustür gestattet. Dafür gilt während der gesamten Fahrt eine verbindliche Maskenpflicht. Ansonsten wird auf die Eigenverantwortung der Fahrgäste gesetzt. Reisen soll nur, wer beschwerdefrei ist.

Quellen: AFP, dpa, deutschlandfunk.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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