Neues Infektionsschutzgesetz Nun doch keine Corona-Impfung alle drei Monate?

Die Debatte über die Pläne der Bundesregierung für die Corona-Schutzmaßnahmen ab Herbst, in deren Zentrum das Tragen von FFP2- oder medizinischen Masken steht, reißt nicht ab. Die Kritik konzentriert sich dabei auf die geplante Regelung, geimpfte Menschen nur von der Maskenpflicht in Restaurants oder bei Kultur- und Sportveranstaltungen zu befreien, wenn ihre Impfung frisch ist. Doch diese Ideen sind nun vom Tisch. Ein Update zur Diskussion vom August 2022.

Impfausweis mit Mundschutzmaske und Kalender von 2022
Bis Ostern 2023 könnten Impfwillige schon fünf Dosen gegen das Corona-Virus verabreicht bekommen haben. Bildrechte: IMAGO / Steinach

UPDATE: Nach drei Impfungen auch weiterhin vollständig geimpft - KEINE Booster-Impfung alle drei Monate

Mittlerweile hat sich die im Sommer geführte Debatte erledigt, das vom 1. Oktober bis zum 7. April geltende Infektionsschutzgesetz ist verabschiedet.

Ab dem 1. Oktober gilt als vollständig geimpft, wer drei Impfungen gegen das Coronavirus erhalten hat. Wobei zwischen zweiter und dritter Impfung mindestens drei Monate Zeit vergangen sein müssen.

Außerdem gilt als vollständig geimpft, wer zwei Impfungen erhalten hat, jedoch

  • vor der ersten Impfung per Antikörpertest eine Infektion nachgewiesen werden konnte.
  • vor der zweiten Impfung eine mit PCR-Test nachgewiesene Infektion erfolgt ist.
  • nach der zweiten Impfung eine mit PCR-Test nachgewiesene Infektion erfolgt ist und seitdem 28 Tage vergangen sind.

Eine Befreiung von der Maskenpflicht für Menschen, die sich regelmäßig boostern lassen, sieht das neue Infektionsschutzgesetz nicht vor. Vielmehr gelten weiterhin die von der Stiko veröffentlichten Empfehlungen für einen zweiten Corona-Booster bzw. eine vierte Impfung.


DARÜBER IST IM AUGUST DISKUTIERT WORDEN:
Regierungspläne: Nur "frisch" geimpft ist gut geimpft

Was "frisch" bedeutet, hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im ZDF erklärt: "Nach der Definition, die wir hier einsetzen, heißt das drei Monate. Das heißt mindestens die dritte oder eine weitere Impfung darf höchstens drei Monate zurückliegen. Dann hat man eine gute Wahrscheinlichkeit, dass der Geimpfte selbst gut geschützt und nicht so stark ansteckungsgefährdet ist wie jemand, der länger zurückliegend geimpft ist. Oder der nur eine Impfung hat."

Karl Lauterbach
Nach Plan von Gesundheitsminister Lauterbach ist die Befreiung von der Maskenpflicht ab Oktober nur mit frischer Impfung möglich. (Archiv) Bildrechte: dpa

Stand jetzt: Booster befreit nicht von Maskenpflicht

Das bedeutete auch, dass man mit einer vierten Impfung nicht über den Zeitraum von Oktober bis Ostern gekommen wäre, der den neuen Corona-Maßnahmen zugrunde liegt. Lauterbach sagte dazu: "Das ist richtig".

Sollten die neuen, an die Omikron-Varianten angepassten Impfstoffe nicht besser vor Ansteckungen schützen und der "frisch"-Zeitraum dadurch verlängert werden, würde das für 51,5 Millionen Geboosterte in Deutschland Dosis vier und fünf bis Ostern bedeuten, wenn sie ohne Maske am öffentlichen Leben in Kneipen, Restaurants oder Kinos teilnehmen wollen.

Menschen, deren Impfung länger als drei Monate zurück liegt, würden damit Ungeimpften im Status quasi gleichgestellt und bräuchten für einen maskenfreien Besuch der Einrichtungen einen aktuellen negativen Test. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die vierte Impfung aktuell nur für über 70-Jährige oder Personal in Pflegeeinrichtungen und im Kankenhaus. 

Über zwei Menschengruppen gestellt aus Figuren steht "geimpft" und "ungeimpft".
Geimpfte müssen ohne frische Impfung genau wie Ungeimpfte einen Test vorlegen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Future Image

Kritik: "Impfung verliert an Wert"

Experten sahen die Regierungspläne problematisch für die angedachte Impfkampagne: "Natürlich werden sich einige Menschen fragen, weswegen sie sich impfen lassen sollten, wenn die Impfung nach drei Monaten schon an Wert verliert", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt.

Auch Virologe Hendrik Streeck kritisierte in der Bild-Zeitung, dass es nicht die Lösung sein könne, "sich dauerhaft impfen zu lassen". Streeck zufolge seien Impfungen dazu da, Risiken für schwere Verläufe zu verringern und nicht, um mehr Freiheiten zu bekommen.

Der Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck
Virologe Streeck sagt, dass Impfung nicht dafür da sind, um mehr Freiheiten zu erlangen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Karl Lauterbach positiv auf Coronavirus getestet

Dass die Diskussionen auf absehbare Zeit nicht abebbten, legten auch die aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) nahe. Von Entwarnung konnte keine Rede sein. Zwar waren Inzidenzen und weitere Werte zuletzt teils deutlich gesunken. Der allgemeine Infektionsdruck und die damit verbundene Belastung des Gesundheitssystems bleibe aber hoch, hieß es im damaligen Wochenbericht des Instituts zu Covid-19. Gesundheitsminister Karl Lauterbach war dafür ein prominentes Beispiel, denn er hatte sich im August mit dem Coronavirus infiziert, wie das Gesundheitministerium damals mitteilte.


(BRISANT/dpa/zdf)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. August 2022 | 17:15 Uhr

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