Bund-Länder-Gipfel Corona-Impfung - Priorisierung wird spätestens im Juni aufgehoben

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Montag (26.04.) zum nächsten Corona-Gipfel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder getroffen. Eines der zentralen Ergebnisse: Die Impfpriorisierung wird bald aufgehoben.

Eine Spritze wird mit dem Impfstoff AstraZeneca aufgezogen
Die Impfpriorisierung wird spätestens im Juni aufgehoben (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Schon vor dem Corona-Impfgipfel von Bund und Ländern haben Ärzteverbände und Politiker gefordert, die Impfpriorisierung aufzuheben. Bundeskanzlerin Merkel bestätigte dieses Vorhaben nach den Beratungen am Montag. Demnach werden Bund und Länder die Priorisierungen für Corona-Impfungen spätestens im Juni aufheben. In vielen Bundesländern seien die Priorisierungsgruppen 1 und 2 bereits geimpft, so Merkel. Sie gehe davon aus, dass Personen aus der Priorisierungsgruppe 3 im Laufe des Monats Mai eine Erstimpfung erhielten. Daher könne im Folgemonat die Priorisierung aufgegeben werden und sich jeder um einen Impftermin bemühen. Dann sollten auch die Betriebsärzte in die Impfkampagne einbezogen werden.

Herdenimmunität als Ziel

"So wichtig die Priorisierung zu Beginn war, so wichtig ist es jetzt, die Breite der Bevölkerung sehr schnell zu impfen. Herdenimmunität bekommen wir nur, wenn wir nicht nur Alte und Hochbetagte impfen, sondern vor allem die Menschen mit vielen Kontakten", hatte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen schon im Vorfeld gesagt. Um einen Effekt wie in Israel, den USA oder dem Vereinigten Königreich zu erreichen, müsse mehrheitlich die arbeitende Bevölkerung mit ihren Angehörigen geimpft werden, fügte er hinzu.

Söder fordert Betriebsimpfungen

"Wir brauchen Betriebsimpfungen, wir brauchen Familienimpfungen", regte auch Bayern Ministerpräsident Markus Söder an. Grund sei, dass in Firmen und Familien eine hohe Ansteckungsgefahr herrsche. Damit müsse eine weitgehende Freigabe der Impfstoffe einhergehen, so Söder. Die Priorisierung nach Alters- und Berufsgruppen sowie Krankheitsbildern sei am Anfang sinnvoll gewesen, "aber jetzt entwickelt sie sich zunehmend zu einem Zeithindernis".

Zeitpunkt für Aufhebung schwer zu benennen

Einen exakten Zeitpunkt für die Aufhebung der Priorisierung zu benennen, sei nach Angaben von Andreas Gassen wegen der Impfstofflieferungen allerdings schwierig. "Natürlich wird nicht jeder bis Juni ein Impfangebot erhalten können, allein aus organisatorischen Zwängen", so Gassen. Aber die Kollegen in den Arztpraxen müssten möglichst schnell mehr Beinfreiheit und Rechtssicherheit beim Impfen bekommen. Jeder Geimpfte sei ein Gewinn für die Gesellschaft. "Viele Rückschläge können wir uns in der Bekämpfung der Pandemie auch nicht mehr leisten", sagte der Mediziner. Die Bevölkerung sei "mental ziemlich am Ende". In den Arztpraxen spielten sich "teils dramatische Szenen ab".

Durch die geplante Aufhebung der Priorisierung könnte sich das bald ändern.

ten/dpa/afp

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. April 2021 | 17:15 Uhr

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