Mehrere Kandidaten in entscheidender Phase Corona - Der Wettlauf um den Impfstoff

Weltweit wird an möglichen Impfstoffen gegen das Corona-Virus geforscht. Auch ein deutsches Unternehmen hat bereits einen vielversprechenden Kandidaten in der entscheidenden Testphase. Wann kommt die Impfung?

Der heißeste Impfstoffkandidat aus Deutschland heißt BNT 162. Er wird von der Firma Biontech in Mainz entwickelt. Eine Version dieses Impfstoffs befindet sich bereits in der letzten Testphase. "Die Studie wird insgesamt 44.000 Probanden einschließen und sollte uns - das ist die Projektion momentan - bis ende Oktober, Anfang November Daten liefern und anzeigen, inwiefern der Impfstoff klinisch aktiv ist, das heißt, Infektionen verhindern kann", sagt Ugur Sahin von Biontech.

Verschiedene Ansätze zur Impfstoffentwickung

Doch das deutsche Unternehmen ist bei weitem nicht das einzige, das einen vielversprechenden Kandidaten im Rennen hat. Weltweit werden aktuell etwa 40 verschiedene Varianten an Menschen getestet. Zehn davon sind bereits in der entscheidenden Testphase. Das chinesische Labor Sinovac beispielsweise testet - vereinfacht ausgedrückt - mit deaktivierten, quasi toten Coronaviren. Andere arbeiten zum Beispiel mit dem Genom des Coronavirus und setzen auf dessen Erbgutinformation, die sogenannte Messenger-RNA. Letzteres ist absolutes Neuland, denn bislang gebe es noch keinen Impfstoff dieses Typs gegen irgend eine andere Krankheit, sagt Rolf Hömke vom Verband forschender Pharma-Unternehmen.

Ärztin, die einen Impfstoff für einen Patienten vorbereitet
Ca. 40 verschiedene Impfstoff-Varianten werden weltweit an Menschen getestet. (Archiv) Bildrechte: imago images / Westend61

Drei Phasen bis zum Impfstoff

Bevor ein Impfstoff in die Produtkion gehen kann, muss er in der Regel drei Testphasen durchlaufen: In Phase eins wird die grundlegende Verträglichkeit getestet. Den Impfstoff bekommen nur wenige Freiwillige. In Phase zwei wird an etwa 50 bis 500 Probanden die Dosierung getestet und die Reaktion des Immunsystems untersucht. In Phase drei geht es um die Zuverlässigkeit des Impfstoffs. Hier nehmen meist mehrere Zehntausend Testpersonen teil.

Phase drei ist dabei die entscheidende, weil untersucht wird, ob und wie oft es zu schweren Nebenwirkungen kommt und wie wirksam der Impfstoff wirklich ist. Die Phase kann mitunter Monate oder Jahre dauern. "Wenn man sehen würde, dass die Impfung eine schwerwiegende Reaktion hervorruft, die wirklich problematisch ist für die Teilnehmer, dann müsste man so ein Projekt beenden", sagt Rolf Hömke.

Zulassungsverfahren laufen bereits im Hintergrund

Mehrere Unternehmen hoffen auf finale Ergebnisse bis Anfang November. Darunter auch die deutsche Firma Biontech. Wenn alles gut läuft, würde danach das Zulassungsverfahren beginnen. Wie lange das dauert, haben dann die Behörden in der Hand. "Die haben schon zugesagt, dass sie sehr schnell arbeiten werden und sie lesen auch schon Kapitel der Zulassungsanträge , damit sie diese schon abgearbeitet haben und dann nur noch die letzten großen Kapitel über die Studien lesen müssen", so Rolf Hömke. Die Behörden würden dennoch einige Wochen bis hin zu ein paar Monaten dafür brauchen. Das sei aber immer noch schneller, als normalerweise, denn da würde der Prozess 16 Monate dauern, so Hömke weiter.

Nach Einschätzung des Experten stehen die Chancen sehr gut, dass mindestens einer der aktuellen Impfstoffkandidaten die Phase drei erfolgreich übersteht. Mit etwas Glück dauert es also nur noch Monate, bis die ersten Impfdosen verteilt werden können.

bri

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. Oktober 2020 | 17:15 Uhr

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