Blutvergiftung Studie: Unerkannte Sepsis als Todesursache bei Corona-Patienten

Die Erkrankung Covid-19 kann Ärzten zufolge eine lebensgefährliche Blutvergiftung verursachen. Die frühen Symptome einer solchen Sepsis sind allgemein wenig bekannt. Dabei gibt es klare Warnhinweise.

Sepsis Diagnose
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Viele Corona-Patienten sterben nach Auskunft der deutschen Sepsis-Stiftung an einer unerkannten Blutvergiftung. Ein solcher Verlauf könne durch eine bessere Früherkennung und eine angepasste Behandlung oft verhindert werden. Nach wie vor gebe es eine weit verbreitete Unkenntnis über das Thema Sepsis in der Bevölkerung, aber zum Teil auch beim medizinischen oder pflegerischen Personal, sagte der Stiftungs-Vorsitzende Konrad Reinhart dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Sepsis und Corona

Den Zusammenhang zwischen Covid-19 und einer Sepsis belegt die Sepsis-Stiftung unter anderem mit einer Studie aus der Fachzeitschrift "The Lancet". Darin wurden 191 Patienten mit einem schweren Covid-19-Verlauf im chinesischen Wuhan untersucht. 59 Prozent der Patienten entwickelten im Verlauf der Erkrankung eine Sepsis, 20 Prozent sogar einen septischen Schock. Bei den Patienten, die verstarben, lag in 100 Prozent der der Fälle eine Sepsis vor.

Was ist eine Sepsis? Bei einer Sepsis - allgemein Blutvergiftung genannt - handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf eine Infektion. Diese schädigt Organe und kann innerhalb von Stunden zum Tod führen. Eine Sepsis kann nicht nur im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung entstehen, sondern auch etwa nach Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen und Grippeerkrankungen. Letztlich können Hunderte Erreger - Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze - eine Sepsis verursachen.

Sepsis oft zu spät erkannt

"Ein großes Problem ist, dass viele Patienten, die sich mit einer unkomplizierten Covid-19-Erkrankung zu Hause kurieren wollen, nicht rechtzeitig bemerken, wenn diese in eine Sepsis übergeht", so Reinhart. "Wer Anzeichen wie ein plötzliches extremes Krankheitsgefühl, Fieber, einen hohen Puls, Verwirrtheit oder Schüttelfrost bemerkt, sollte auf keinen Fall abwarten und sofort ein Krankenhaus aufsuchen oder den Notarzt rufen."

75.000 Sepsis-Tote pro Jahr in Deutschland

Nach Angaben der Sepsis-Stiftung sterben jedes Jahr rund 75.000 Menschen in Deutschland an einer Sepsis. Etwa 15.000 bis 20.000 davon könnten nach Darstellung der Stiftung gerettet werden, wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt und adäquat behandelt würde.

Forderung nach nationalem Sepsis-Plan

Der Intensivmediziner Reinhart fordert daher einen nationalen Sepsisplan. Unterstützt werde diese Forderung von zahlreichen Fachgesellschaften, dem Robert Koch-Institut (RKI) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

ten/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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