Langfristige Folgen Diabetes durch Corona - Zusammenhang bestätigt

Dass Diabetes ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf von Covid-19 sein kann, ist schon länger bekannt. Doch dass es auch einen umgekehrten Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und der Zuckerkrankheit gibt, ist neu. Offenbar kann eine Covid-19-Infektion Diabetes auslösen.

Symbolnild Diabetes - Ampullen und Spritzen
Eine schwere Covid-19-Erkrankung kann offenbar Diabetes auslösen. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat sich herausgestellt, dass Diabetes ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Covid-19 bedeutet. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass es auch umgekehrt einen Zusammenhang gibt. Studien zufolge könne eine schwere Covid-19-Erkrankung Auslöser für die Zuckerkrankheit sein. Den Daten zufolge haben im Schnitt rund 15 Prozent der Covid-19-Patienten im Krankenhaus eine neu diagnostizierte Diabetes entwickelt.

Coronaviren können die Insulin-Produktion stören

Das internationale Forscherteam konnte in ihrer Studie zeigen, dass das Coronavirus tatsächlich Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) infizieren kann. Davon berichten die Wissenschaftler im Fachjournal "Cell Metabolism". Die betroffenen Beta-Zellen sind für die Produktion des Hormons Insulin zuständig. Insulin spielt eine entscheidende Rolle dabei, den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten, indem es andere Zellen dazu anregt, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Bei Diabetikern ist die Produktion des Insulins gestört, deshalb muss es zusätzlich gespritzt werden.

Ein Mädchen misst 2011 mit einem Blutzuckermeßgerät den aktuellen Zuckergehalt in ihrem Blut.
Diabetiker müssen ihren Blutzuckerspiegel im Blick haben und Insulin spritzen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Forscher finden Diabetes-Hemmer bei Corona-Infektion

Für die Studie wurden sieben verstorbene Covid-Patientinnen und -Patienten aus einer Klinik in Basel untersucht. In Gewebeproben aus deren Beta-Zellen wurden Coronaviren entdeckt. Überraschend war nach Angaben der Forscher, dass die betroffenen Zellen nur wenige ACE-2 Rezeptoren enthielten. Überraschend deshalb, weil das Coronavirus diese Rezeptoren normalerweise nutzt, um in eine Zelle zu gelangen und sie letztlich zu schädigen. Statt ACE-2 entdeckten die Forscher aber Neuropilin-1-Rezeptoren an den Beta-Zellen. In der Folge fanden die Forscher heraus, dass der Eintritt des Coronavirus in die Zelle durch das Hemmen von Neuropilin-1 deutlich erschwert werden konnte. Das könne ein möglicher Ansatz sein, um die Zellen bei einer Corona-Infektion zu schützen und Diabetes letztlich zu verhindern.

Erholen sich befallene Zellen nach der Genesung?

Was darüber hinaus allerdings noch völlig unklar zu sein scheint, ist die Frage, ob sich die Beta-Zellen bei infizierten Patienten nach der Genesung wieder erholen können. Das ließe sich nach derzeitiger Studienlage noch nicht sagen, teilte Matthias Matter von der Universität Basel, die an der Forschung beteiligt ist, mit. Bei einigen Long-Covid-Patienten sei ein Diabetes auch Wochen bis Monate nach der Infektion feststellbar. Daher sei wichtig, zu untersuchen, ob man Patienten durch die Verabreichung von Neuropilin-1-Hemmern vor dieser Folge schützen könne.

(BRISANT/dpa/mdr wissen/dlf)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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