Im Falle einer Corona-Erkrankung Ethikrat-Mitglied: Impfgegner sollen auf Beatmung verzichten

Der Impftstart in Deutschland steht nach der Zulassung des Corona-Impfstoffs durch die EU-Kommission kurz bevor. Ein Mitglied des Ethikrats der Bundesregierung hat sich schon im Vorfeld an alle Impfverweigerer gewendet und die Frage gestellt, ob diese bei einer Corona-Erkrankung lebensrettende Maßnahmen erhalten sollten.

Impfung
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In einem Schreiben fordert Wolfram Henn, Humangenetiker und Mitglied des Ethikrats der Bundesregierung, Verweigerer einer Corona-Impfung dazu auf, auch auf Notfallmaßnahmen im Krankheitsfall zu verzichten. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. "Wer partout das Impfen verweigern will, der sollte, bitte schön, auch ständig ein Dokument bei sich tragen mit der Aufschrift: 'Ich will nicht geimpft werden. Ich will den Schutz vor der Krankheit anderen überlassen. Ich will, wenn ich krank werde, mein Intensivbett und mein Beatmungsgerät anderen überlassen'", wird Henn zitiert.

Impfskeptiker sollen sich auf Experten verlassen

Eine grundlegende Skepsis könne er verstehen. Vorurteilen gegenüber dem schnell entwickelten Impfstoff widerspricht er aber deutlich: "Forscher weltweit haben mit riesigem Aufwand das Tempo erhöht, aber nicht auf Kosten der Sicherheit." Eine Impfpflicht schließt Henn jedoch aus. Allen Impfskeptikern empfahl Henn, sich auf den Rat von "Menschen, die sich wirklich auskennen", zu verlassen. Zudem werde es "binnen Monaten auch Corona-Impfstoffe klassischer Bauart geben, wie sie seit Jahrzehnten milliardenfach gegen Grippe oder Hepatitis bewährt sind".

Prof. Dr. Wolfram Henn blickt in die Kamera.
Prof. Dr. Wolfram Henn hat Impfgegner kritisiert. (Archiv) Bildrechte: imago images / Becker&Bredel

Man dürfe das Feld nicht "Querdenkern und Impfgegnern" überlassen, ergänzte der Experte: "Diesen Panikmachern empfehle ich dringend, mal ins nächste Krankenhaus zu gehen und ihre Verschwörungstheorien den Ärzten und Pflegern zu präsentieren, die gerade völlig ausgepowert von der überfüllten Intensivstation kommen."

Drosten nimmt Henn in Schutz

Unterstützung erhält Henn auch von Deutschlands bekanntestem Virologen, Prof. Dr. Christian Drosten. Wolfgang Henn wolle Menschenleben retten, sonst nichts, schreibt der 48-Jährige bei Twitter.

Kritik gegen Henn-Vorstoß

Doch auch andere Stimmen sind zu vernehmen. So wird der Vorschlag Henns beispielsweise von FDP-Vizechef Wolfang Kubicki als "zutiefst unmenschlich" bezeichnet. Auch Prof. Dr. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung der Intensivmediziner, mahnte auf bild.de, dass "eine solche Haltung ethisch überhaupt nicht vertretbar" sei und versprach, alle Patienten zu behandeln.

ten/kna/dpa

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. Dezember 2020 | 17:15 Uhr

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