Maskenpflicht Fliegen in Corona-Zeiten - Das gilt an Bord

Der Sommerurlaub steht bevor und viele haben Angst, in den Ferienflieger zu steigen. Wird das Flugzeug zur Virenschleuder für Corona? Was Sie im Flugzeug beachten müssen, sagen wir Ihnen hier.

Flugzeugkabine mit Passagieren
Noch ist unklar, ob die Ferienflieger wieder rappelvoll werden. Bildrechte: Colourbox.de

Die Aufhebung der Reisewarnung am 15. Juni ist nur noch Formsache  - dann werden die Ferienflieger wieder abheben. Doch in Zeiten von Corona ist nichts mehr wie es war. Bereits auf dem Flughafen müssen sich Kunden auf längere Wartezeiten am Check-In einstellen.

Zwar soll es künftig mehr Schalter geben, ebenso mehr Busse, die die Passagiere zum Flugzeug bringen, doch das könnte die gesamte Infrastruktur verlangsamen. Passagiere müssen sich darauf einstellen, dass sie künftig rund vier Stunden vor Abflug am Airport eintreffen.  

Weiter ist geplant, in den Wartezonen Sitzplätze zu sperren und Schlangen so zu organisieren, dass auch seitlich der Mindestabstand eingehalten werden kann. Desinfektionstunnel oder Fieberchecks sind an Zielflughäfen nicht ausgeschlossen.

Mitarbeiter tragen Schutzanzüge, während sie den Passagierraum eines Flugzeugs der Fluggesellschaft Easyjet am Flughafen Gatwick reinigen und desinfizieren.
Urlaubsflieger werden regelmäßig desinfiziert. Das kostet Zeit und Geld. Bildrechte: dpa

Was ändert sich an Bord?

Die EU hat einheitliche Leitlinien zu Flugreisen während der Corona-Pandemie vorgelegt. Danach sollen Passagiere und Bordpersonal Schutzmasken tragen - vom Betreten des Flughafens bis zum Erreichen des Reiseziels. Die Masken sollen alle vier Stunden gewechselt werden.

Ryanair zum Beispiel stellt aber generell keine Masken zur Verfügung. Heißt: Jeder Passagier muss sich selbst "versorgen". Die Lufthansa hat die allgemeine Maskenpflicht an Bord zunächst bis zum 31. August befristet.

Auch wird darüber diskutiert, ob auf Langstrecken Speisen und Getränke serviert werden dürfen. Lufthansa verteilt derzeit auf Kurzstrecken an jeden Passagier eine kleine Wasserflasche und einen Keks. Raynair will Passagiere nur auf Anfrage zur Toilette gehen lassen, um Schlangestehen zu verhindern.

Mittagessen auf einer Flugreise in Zeiten der Corona-Pandemie.
Fällt wohl eher flach: Das Bordmenü. Bildrechte: imago images/Frank Sorge

Atemtröpfchen vom Sitznachbarn

Kritiker sehen erhebliche Risiken, die mit der Wiederaufnahme des internationalen Flugverkehrs einhergehen. Eine für den Herbst befürchtete zweite Welle der Coronavirus-Pandemie würde dadurch wahrscheinlicher.

Im Fokus stehen "Aerosole", Wolken winzigster Tröpfchen, die sich bis zu vier Minuten in der Flugkabine halten können. Das Coronavirus ist in den Aerosolen zwar nachgewiesen, noch ist aber unklar, wie hoch die Virus-Konzentration sein muss, damit sich ein Mensch ansteckt. Und die Klimaanlagen sollen die Luft ähnlich gut wie im Krankenhaus filtern können.

Deutschlands prominentester Virologe Christian Drosten und Alexander Kekulé halten es für unwahrscheinlich, dass sich jemand mit dem Coronavirus ansteckt, der weiter als eine Reihe entfernt sitzt. Anders sieht es beim Nebenmann aus.

Wartebereich mit Schildern zum Social Distancing.
Im Wartebereich ist jeder zweite Platz gesperrt - im Flieger nicht. Bildrechte: imago images/Future Image

Freie Mittelreihe Fehlanzeige

Beide Wissenschaftler befürworten daher eine freie Mittelreihe - was immer noch einen deutlich geringeren Abstand als die empfohlenen 1,5 Meter bedeuten würde. Dagegen sträuben sich aber die Fluggesellschaften - und eine Pflicht dazu besteht nicht.

Auch nicht, jede zweite Reihe freizuhalten. Laut der EU- Vorgaben müssen sich die Airlines nur an die freie Mittelreihe halten, solange "die Zahl der Passagiere es erlaubt". 

Keine Airline der Welt kann ein Drittel ihrer Sitze blocken. Dann ist kein Flug mehr profitabel.

Carsten Spohr Lufthansa

Aber um Gewinn zu machen, müssen 75 Prozent der Plätze besetzt sein. Der geforderte Mindestabstand kann also in einem vollbesetzten Ferienflieger gar nicht eingehalten werden. Wissenschaftler wie der Flugzeugforscher Dieter Scholz oder der Infektionsepidemiologe Timo Ulrichs halten das Konzept der EU und der Airlines zum Infektionsschutz für völlig unzureichend. Sie fordern daher die Fluggesellschaften auf, FFP2-Masken an alle Passagiere zu verteilen.

Flughafen in italienischer Hauptstadt Rom
Abstand und Maskenpflicht gelten fast überall. Bildrechte: imago images/Xinhua

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Juni 2020 | 17:10 Uhr

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